«Um den selbst geschriebenen Text vorzutragen, darf der Dichter keine Requisiten und keine Schwiegermütter, sondern nur ein Blatt mit dem Text auf die Bühne nehmen», verkündete Etrit Hasler wieder am letzten Freitag. Mit Lee Aspinall zusammen moderierte er den letzten Abend der Poetry Slam Trilogie.

Locker führten die beiden das zahlreiche Publikum, das immer mehr auch aus älteren Leuten und nicht mehr nur aus Jugendlichen um die zwanzig besteht, durch den Abend. Die Auflockerung wurde durch die elektronische Musik des Duos Dancing Fish gewährleistet.

Zwölf Slammer traten an

Doch die Hauptpersonen des Poetry Slams sind ja eigentlich weder die die Moderatoren noch die Musiker, sondern die Poeten. Zwölf Slammer, darunter eine Frau und ein Zweierteam, massen sich an diesem Abend. Vom Alltag bis zu Träumen, von unglaublichen Fantasiekonstrukten bis zu sehr gesellschaftskritischen Texten war fast alles vertreten. Nachdem Patrick Necighi seine Meinung über die WWF- und Greenpeace-Mitglied-Anwerber kundgetan hatte, zeige das Team Gegensprechanlage mit Mathieu Heinz und Damian Funk, was für Möglichkeiten ein Slam zu zweit bietet. Alltagsnaher, aber nicht weniger gut als deren Superheldengeschichte waren die Geschichten der folgenden Poeten. Sven Stickling schilderte eine Handyliebe; Gregor Stäheli erzählte von seiner Mutter; Remo Zumstein beschrieb den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol; und Michael Frei hatte es mit dem Fischen.

Leider zeigte sich wieder einmal, dass es in Olten nicht leicht – um nicht zu sagen fast unmöglich – ist, mit einem ruhigen, nachdenklichen Text zu begeistern. Das Publikum – oder die Jury – erwartet hier offenbar, dass ein Poetry Slam Text lustig zu sein hat, nicht aber zum Nachdenken anregen sollt. Das musste beispielsweise Theresa Hahl aus Bochum, die in der Welt des Slams schon einige Erfolge verbuchen konnte, mit ihrem unglaublich tollen, aber eben nachdenklichen Text erfahren.

Neben allen jungen Teilnehmern trat mit Hans Jürg Zingg ein Poet in Olten an, der bereits das Pensionsalter erreicht hat. Wie seine jüngeren Kollegen arbeitete auch er auf eine faszinierende Weise mit dem Rhythmus von Worten. Anders als bei jüngeren Poeten schien sein Text jedoch viel mehr auf wirklichen Erfahrungen als auf blossen Vorstellungen zu basieren.

In das Finale sprach sich Killian Ziegler aus Trimbach mit einem wortgewandten Text über das Alpaka, sein Lieblingstier. Mit einer ungewöhnlichen Sportmoderation konnte auch Simon Chen aus Zürich sich für das Endspiel qualifizieren. Der Dritte im Bunde war der aus Thun stammende Marco Gurtner, der mit seinem sympathischen Dialekt die tragisch-komische Geschichte von Konrad, der Nähnadel, erzählte.

Die Sieger

Tagessieger wurde Kilian Ziegler, indem er einen für ihn typischen, aus dem Alltag herausgegriffenen, überspitzten Text, gespickt mit flotten Sprüchen vorlas, während Marco Gurtner mit seinem zweiten Vortrag über den Sinn und die Sinnlosigkeit von modernen englischen Namen und Begriffen zwar nicht gewann, aber trotzdem mit seiner Platzierung den Trilogiesieg einstreichen konnte.

Simon Chen, der das Publikum zwar mit seiner Vorstellung, was der perfekte Manager für seinen sechsstelligen Lohn leisten müsste, auch begeisterte, ging an diesem Abend leer aus.