Malnachmittag beim Robi-Pavillon im Vögeligarten. «Willst du ein weisses oder ein gelbes Blatt», fragt Marianne Schenker ein Mädchen. Sie will ein gelbes. «Soll ich es hoch oder quer aufhängen?» Das Mädchen braucht einen Moment zum Überlegen.

Marianne Schenker bleibt geduldig, hält das Papier vor die hölzerne Wand, die auf dem Rasen aufgestellt wurde. Sie ist eine von drei Freiwilligen, die regelmässig am Mittwochnachmittag beim Pavillon im Vögeligarten aushelfen.

Durch eine Anzeige ist Marianne Schenker auf das Angebot aufmerksam worden und hat sich prompt beworben. «Ich habe schon immer gern gebastelt», sagt sie. Ihre eigenen Kinder sind längst erwachsen.

Die Zusammenarbeit mit Kindern hat sie gereizt. «Ich finde den Kontakt mit Kindern einfach spannend. Und lustig,» sagt sie. Und tatsächlich vergeht ihr das Lachen nie, wenn sie sich um die Kleinen kümmert. Im Pavillon hat es Sägen und Werkzeuge, mit denen die Kinder hantieren. Marianne Schenker passt derweil auf, dass nichts passiert.

Sie arbeitet am liebsten mit Papier und Karton, dekorieren ist ihre Leidenschaft. «Die Serviettentechnik – man klebt Servietten auf Blechdosen, Kartonschachteln oder Glasflaschen – ist sehr gut angekommen», erinnert sie sich.

Je mehr Kinder, desto mehr Chaos

An einem Holzgestell hängt eine Stofftasche. «Ich suche oft im Internet nach Bastelideen», sagt sie. Die Tasche war einmal ein T-Shirt, Schenker zeigt, dass sie innen nur geknüpft wurde, keine Nähmaschine nötig. «Die Tasche habe ich mit meinem Grosskind ausprobiert», sagt sie.

Marianne Schenker spricht mit weicher Stimme, eigentlich ein astreiner Oltnerdialekt. «Im Park hat es immer Leute, dort drüben trifft sich jeweils eine Männergruppe zum Pétanque», sagt sie und zeigt auf einen Sandplatz.

Da war doch was. Das Wort «Pétanque» tönt aus ihrem Mund so leicht und schön, wie wenn sie es singen würde. «Deutsch ist nicht meine Muttersprache», erklärt sie. Vor mehr als dreissig Jahren verschlug es sie der Liebe wegen von Genf in die Dreitannenstadt. Bereut hat sie es nie. Weder die Liebe noch den Umzug nach Olten.

Heute wohnt sie in Kappel, doch früher hat sie nur wenige Strassen vom Vögeligarten entfernt gelebt. Die Freiwilligenarbeit gefällt ihr in ihrem alten Quartier doppelt so gut. «Es ist wie Heimkommen», sagt sie. Die Gesichter vergesse man eben nicht.

An diesem Nachmittag ist die Kinderschar überschaubar. Manchmal kommen dreissig Kinder zum Bastelnachmittag. «Das kann schon ein bisschen stressig werden.» Dann muss Marianne Schenker zusammen mit den anderen Betreuerinnen und Betreuern den Überblick behalten.

«Wenn ich dann abends nach Hause komme, setze ich mich hin und lege die Beine hoch.» Doch sie möchte die freiwilligen Einsätze nicht missen. «Ich merke, dass es mir guttut. Ich komme unter die Leute, entdecke Neues und mache interessante Begegnungen.»

Marianne Schenker trägt Jeans und Kapuzenpullover, praktische Kleider für einen Nachmittag draussen auf dem Spielplatz. Die Augen hat sie aber sorgfältig geschminkt, die Fingernägel sind lackiert.

Der Robi-Pavillon wird bald in die Winterpause gehen, Marianne Schenkers Einsätze werden für dieses Jahr beendet sein. Sie würde aber im nächsten Jahr gern wieder im Robi hämmern, bohren und lachen. «Ich hoffe, dass das Geld zusammenkommt, um nochmals ein solches Projekt anzupacken», sagt sie.

Dekorieren statt spielen

Langweilig wird es Marianne Schenker sicher nicht. «Ich habe ein Haus mit Garten. Und dann kommen ja bald Weihnachten und Ostern.» Sie freut sich schon aufs Dekorieren.