Wieso nur macht ein Filmerduo ein Projekt jenseits des grossen Teichs zum Thema seines 35-minütigen Streifens? Eines aus Brasilien nämlich. Den Ausschlag gab Derendingen: Erich Flückiger, ein Oberstufenlehrer aus dem Wasseramt, der sich frühzeitig pensionieren liess, um seine Vorstellung einer gerechteren Welt umzusetzen. Dessen Bezug zu Brasilien: In den Jahren 1968 bis 1972 arbeitete der Mann als Lehrer an der Schweizerschule in São Paulo und war dort für die Eröffnung des Gymnasiums verantwortlich. 2002 gründete Flückiger das Projet Suiço und finanzierte so 30 jungen Menschen ein Studium.

Auch eine Hommage

Wenn am Samstag, 24. Januar, im Lichtspiele um 15.15 Uhr der Film «Projeto Suiço» präsentiert wird, dann wird spürbar: Der Film ist auch eine Art Hommage an das Werk Flückigers, eines weitgehend unbekannten Einzelkämpfers. Das jedenfalls verrät die Filmautorin, die zusammen mit Partner und Kommilitone Luca Steiner den Dokumentarstreifen über dessen Arbeit in Brasilien gedreht hat. «Ich habe den Mann vorher nicht gekannt», gesteht Christina Brun.

Auf ihn sei sie im erweiterten Bekanntenkreis gestossen. Jemand kennt jemanden, der wiederum jemanden kennt, der jemanden kennt. So ist das im Leben. Aber ganz am Anfang des Projekts stand die 21-jährige Studentin in Multimedia Communication mit ihrer festen Absicht, unbedingt einen Dokumentarfilm mit «Content» machen zu wollen, wie sie sagt. Mit Inhalt eben. Und dazu eignete sich der uneigennützig agierende Mann aus Derendingen ausgezeichnet.

Anderthalb Jahre der Arbeit

So ist zwischen Juli 2013 und Januar 2015 ein Film entstanden, der sich mit der Bildungsmisere in Brasilien beschäftigt, einer korrupten Gesellschaft geschuldet, die sich nur schwer reformieren lässt. Im Sommer 2014 waren beide für zwei Monate in Brasilien und sprachen mit verschiedenen Lehrern, Politikern und den Studenten über die Missstände und die Probleme im Schulsystem Brasiliens. «Am beeindruckendsten – neben der Person Erich Flückiger – empfand ich die Tatsache, dass viele brasilianische Frauen Opfer von Gewalt sind» sagt die Winznauerin, während Luca Steiner vom schlechten Zustand des Bildungswesens an sich überrascht war.

Dass daraus nicht ein längerer Streifen wurde, erklärt sich durch die didaktisch-methodischen Überlegungen der beiden Filmemacher. «Es lag uns daran, die Botschaft möglichst kompakt und in einer Zeitspanne zu vermitteln, welche den Zuschauer nicht überfordert. Ich glaube, 35 Minuten sind eine gute Filmlänge», so der 24-jährige Luca Steiner aus Wilen bei Wollerau. «Wir wollen ein verantwortungsbewusstes Publikum ansprechen, welches Interesse an unserem Planeten hat», sagen beiden unisono. Und vielleicht könnten mit dem Film auch Unterstützungsgelder generiert werden, die dann wiederum dem Projeto Suiço zugute kommen. «Auch aus unserem ursprünglichen Filmbudget werden wir Erich Flückigers Projekt unterstützen können», so Christina Brun.

Crowdfunding

Finanziert wurde das Filmprojekt über Crowdfunding, Sponsorengelder. 10 000 Franken hat dessen Umsetzung alles in allem verschlungen. Die meisten Geldgeber würden aus der Region stammen. Das erkläre auch, warum die Filmpremiere in Olten stattfinde, sagt Christina Brun. Zudem liege Olten verkehrstechnisch sehr gut, so Luca Steiner. Beide sind stolz auf ihr Werk; auch im Bewusstsein, damit ein wenig bekanntes Problem, jenes der mangelhaften Bildungseinrichtungen in Brasilien, an die Oberfläche geholt zu haben. «In jedem Dorf gibts eine Kirche und einen Fussballplatz» sagen beide. Aber um die Bildungsinstitutionen für die Menschen stehe es ganz schlecht. Dabei sei Bildung die Basis einer gleichberechtigten, sozialverantwortlichen Gesellschaft, sind sie beide überzeugt.