Peter Schulthess und Elisabeth Schulthess-Egger, vorletztes Wirtepaar und aktuelle Besitzer der «Linde», eines traditionellen Gastrobetriebs in Fulenbach und weit über dessen Grenzen hinaus bekannt, geht die Zukunft ihrer einstigen Wirkungsstätte ans Gemüt. Schier fünf Jahrzehnte haben sie deren Geschicke mitgeprägt. «Es war so etwas wie Heimat», meinen beide. Der Entscheid, den Sohn Martin mit Partnerin Pascale Meier getroffen hat, nämlich das Restaurant aufzugeben, gehe allen in der Familie sehr nahe, sagt der 72-jährige Alt-Wirt.

Unter positiven Vorzeichen

Zum Jahreswechsel 2008/2009 hatte diese Zeitung in einer ihrer Ausgaben noch getitelt: «Von Schulthess zu Schulthess…» Damals hatten Peter Schulthess und Gemahlin Elisabeth Schulthess-Egger den Betrieb Sohn und Partnerin zur Pacht übergeben. Alle Zeichen standen auf Kontinuität. Das Pächterduo strebte nicht einen Wechsel in der Geschäftsstrategie an, sondern suchte jene Kundschaft, «die gutbürgerliche Küche zu schätzen» wüssten und das Restaurant auch «als Ort der Geselligkeit» verstünden, wie Martin Schulthess seinerzeit zu verstehen gab.

Und: Die Strategie war erfolgreich. Als «umsatzstark» und «gut besucht» wird der Betrieb beschrieben, als einer mit hoch professionell ausgerüsteter Küche, eingerichtet für die Mehrfachbesetzungen von Restaurant, Veranstaltungssaal und Gartenwirtschaft. Ein spezieller Rüstraum sowie Kühlungs-, Vorrats- und Lagerräume sind ebenfalls vorhanden.

Frage schon von Jahren gestellt

Was also hat schliesslich zum Ende der Pacht geführt? «Um es ganz einfach zu sagen: Uns fehlten zusehends die flexibel einsetzbaren und zuverlässigen Teilzeitarbeitskräfte», sagt Pascale Meier. «Bereits vor zwei Jahren standen wir vor der Entscheidung: aufhören oder weitermachen. Wir beschlossen, noch einmal einen Anlauf zu nehmen, auf eine Verbesserung der Situation hoffend.»

Wie sich zeigen sollte: vergebliche Liebesmühe. «Auch uns ist der Entscheid sehr schwergefallen», so Pascale Meier. Und auch sie weiss von Kunden zu berichten, die das Schicksal der «Linde», eben deren Verkauf, kaum fassen können.

Nun laufen die Verkaufsvorbereitungen, denn die Familie Schulthess will den Betrieb nicht verpachten. Das sei ihnen im Alter zu kompliziert, auch wenn sich schon viele Interessenten gemeldet hätten. «Daran würde es nicht liegen», sagt Peter Schulthess, der die Gastrobranche aus dem Effeff kennt und der auch um deren Schwierigkeiten weiss.

Noch bis Ende Juni sind Martin Schulthess und Pascale Meier als Gastgeberduo in der Linde, einem Haus aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts, anzutreffen, nachher werden sie womöglich ein Angestelltenverhältnis in der Gastrobranche eingehen. «Aber bis Ende Juni geben wir Vollgas», so Pascale Meier.

Die Linde also wechselt die Hand; Kaufinteressenten gibts, wie Peter Schulthess bestätigt. Aber ob die «Linde» ein Gastrobetrieb bleibt, steht noch in den Sternen.