Olten

Defekte Geräte? Im «Repair Café» gibts Hilfe und Tipps

Im «Repair Café» wurden defekte Gegenstände repariert – darunter auch ein widerspenstiger Rucksack.

Da könne man wohl leider nicht viel machen, teilt mir der Mann mit, der meinen mitgebrachten Kopfhörer in den Händen hält, um dessen Defekt zu beurteilen. Die linke Muschel des Gerätes ist aus ihrer Halterung gefallen und nur noch per Kabel mit dem Rest des Hörers verbunden.

Aus dem Vorhaben, den Kopfhörer heute im Oltner «Repair Café» wieder einsatzfähig zu machen, scheint also nichts zu werden. «Abgebrochene Plastikteile, die so klein sind, sind schwierig», dämpft der Gutachter meine Hoffnungen.

Schade, denn nicht nur wäre die Reparatur fachmännisch ausgeführt worden, sie hätte mich zudem nichts gekostet. Wie bereits im Juni bieten auch heute wieder rund zehn Spezialisten aus den Bereichen Elektronik, Textil, Schmuck, Holz und Polstermöbel ehrenamtlich ihre Dienste an (für alles bis auf Mobiltelefone, Fernsehgeräte und Computer).

Unter ihrer Anleitung können Besucherinnen und Besucher ihre mitgebrachten Gegenstände in den Räumen des Cultibo und zwei Werkstätten des Bifangschulhauses selber reparieren – oder dies zumindest versuchen. Es sei denn, es handelt sich um einen zu komplexen Schaden, wie im Falle meines Kopfhörers – für den sich dann aber doch noch eine Lösung abzeichnet.

Im Reparaturführer gefunden

Man könne, wenn die Ästhetik für mich nicht im Vordergrund stehen sollte, die abgelöste Muschel einfach mit einem Kabelbinder befestigen, hat der Gutachter nun die Idee. Ich willige ein, und der Kopfhörer wird an Techniker «Sämu» übergeben, der neben uns steht.

An seinem Werktisch angekommen, legt er sogleich begeistert los, prüft die kaputte Verbindungsstelle nochmals, um sie dann innert einiger Sekunden mit einem schwarzen Kabelbinderband an der Halterung zu befestigen. Vor lauter Enthusiasmus löst der Techniker das Problem gleich komplett selbst. Ich komme nicht dazu, selber Hand anzulegen.

«Sämu», oder Samuel Loosli, ist ansonsten als Techniker für zwei Alternativradios tätig und betreibt nebenbei ein eigenes Reparaturgeschäft. Mit diesem ist er im «Reparaturführer», einem Schweizer Handwerker-Onlineverzeichnis, vermerkt.

Dort hat ihn Jodok Guntern von der Vereinigung «Olten im Wandel», die den Anlass organisiert hat, gefunden und angefragt, ob er sich zur Verfügung stelle, was «Sämu» gerne bejaht hat.

Loosli konnte im Verlauf dieses Samstagvormittags bereits fünf Leuten helfen, ihre Elektrogeräte wieder zum Funktionieren zu bringen – beispielsweise eine Hi-Fi-Anlage. Ein älterer Herr habe ihm ausserdem zwei CD-Player gebracht, die nicht mehr recht wollten.

Herausfordernde Reissverschlüsse

Was auch nicht mehr recht will, sind zwei Reissverschlüsse meines Sportrucksacks. Melek Seners Tisch ist gerade frei, ich darf ihr mein Anliegen unterbreiten. Auch mein Rucksack scheint eine Herausforderung zu sein: Der Schlitten des einen Verschlusses hat die Zahnbahn verlassen, das Stoffband des anderen hat sich vom Rucksack gelöst. Dennoch möchte Melek, die ansonsten in ihrem Nähatelier an der Aarauerstrasse anzutreffen ist, nichts unversucht lassen.

Das Stoffband, an dem der eine Reissverschluss angebracht ist, lässt sich bis zu einem gewissen Grad wieder an den Sack nähen. Ich darf mich gar selber an die Nähmaschine setzen, die mir aus dem wenig geschätzten Nähunterricht an der Primarschule noch entfernt vertraut ist.

Es gelingt mir, ein bis zwei Zentimeter des Reissverschlussbandes an den Rucksack zu nähen, bevor ich die Nadel ins Abseits steuere und Melek übernehmen muss. Trotzdem ist sie der Meinung, ich hätte das «gut gemacht».

Den Rest des Bandes näht sie selber wieder an, soweit es die Beschaffenheit des Rucksacks zulässt. Mit dem herausgefallenen Schlitten des anderen Reissverschlusses könne sie mir aber leider nicht helfen, sagt sie. Doch existiere in der Altstadt ein Atelier, das sich mit solchen Fällen auskenne, gibt sie mir den Tipp.

«Gewusst wo» kann auch helfen

Auch Ratschläge zu geben, wenn keine Hilfe vor Ort möglich ist, sei Ziel des «Repair Cafés», sagt Mitorganisator Jodok Guntern. «Denn manchmal wissen die Leute gar nicht, wo sie ihre defekten Geräte reparieren lassen könnten». Vieles werde dann einfach weggeschmissen, obwohl man das oftmals gar nicht müsste.

Daher wollte er die Idee des «Repair Cafés», die in der Schweiz seit etwa vier Jahren praktiziert wird, auch in Olten umsetzen. Dank der Unterstützung der Stiftung für Konsumentenschutz sei dies auch relativ einfach möglich gewesen.

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