Der Bach rauscht, die Grillen zirpen, gelegentlich hört man das Quaken eines Frosches. Die widererstarkte Natur auf dem revitalisierten Dünnern-Abschnitt zwischen Wangen b. O. und Olten lockt aber nicht nur Tiere an. Auch Menschen pilgern an schönen Tagen in Scharen ins Naturschutzgebiet.

Mit einem Ghettoblaster ausgerüstet und Zigaretten im Mund, macht es sich ein junges Pärchen auf einem Stein am Ufer bequem. Eine Entenfamilie muss flüchten. Noch bevor die beiden Sünneler ihre T-Shirts ausgezogen haben, ist Mama Ente mit ihren fünf Küken schnatternd um die nächste Flussbiegung verschwunden. Doch dort können sie aber auch nicht bleiben, weil Kinder im Wasser planschen. Also wieder zurück in Richtung Ghettoblaster und flussaufwärts daran vorbei.

An diese Benimmregeln hält sich nicht jeder.

An diese Benimmregeln hält sich nicht jeder.

Damit Mensch und Natur den Flussabschnitt gemeinsam nutzen können, ist hinter der Holzbrücke Gheidgraben, beim Eintritt in das geschützte Gebiet, ein Schild mit Benimmregeln angebracht. «Auf den Wegen bleiben, Hunde an die Leine, keinen Abfall liegen lassen und Feuer verboten», heisst es darauf.» Doch leider halten sich nicht alle daran. Das Ghettoblasterpärchen hat den Weg längst verlassen. Am Ufer sind die Reste von Grillstellen zu sehen.

Stefan Freiburghaus vom Solothurner Amt für Umwelt appelliert an das Verständnis der Besucher: «Den Bach einzuzäunen, ist nicht die Idee. Sinn und Zweck der Revitalisierung war es, dass Natur und Mensch etwas zurückbekommen. Damit das funktioniert, sollten die Besucher sich aber zurücknehmen und auch an die Bewohner denken, die nicht selber sprechen können.»

Ursprungsplan verworfen

Der vom Regierungsrat 2008 genehmigte kantonale Nutzungsplan für «Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen Dünnernufer Altmatten» sah vor, dass sich die Zugänglichkeit des Dünnern-Abschnitts auf zwei bezeichnete Beobachtungsplätze am Nordufer beschränkt. Ansonsten ist das Betreten des ausgeschilderten Naturreservates nicht gestattet. Ursprünglich war geplant, dass die Südseite der Dünnern auf diesem Abschnitt allein der Natur überlassen wird. Nach Diskussionen mit den verschiedenen kantonalen Amtsstellen kam das Amt für Umwelt aber zu dem Schluss, dass beide Ufer der Dünnern auch für den Menschen zugänglich gemacht werden sollten. Ebenfalls war geplant, die Dünnern auf einem Abschnitt von 900 Metern zu revitalisieren. Realisiert wurden aber bisher nur 600 Meter.

Angst um das Trinkwasser

Der Grund dafür ist die relativ schlechte Wasserqualität in der Dünnern und der Schutz der Trinkwasserversorgung der Stadt Olten. Deren Trinkwasser wird aus dem Grundwasser gewonnen, welches im ständigen Austausch mit dem Wasser in der Dünnern steht. Untersuchungen ergaben, dass bei Hochwasser zwar vermehrt Dünnernwasser in das Grundwasser gelangt. Entgegen gewisser Befürchtungen strömt es aber an den Trinkwasserfassungen vorbei. Es konnte zu keiner Zeit eine Beeinflussung des Grundwassers im Fassungsbereich festgestellt werden. Die übrigen 300 Meter sollen aber trotzdem erst revitalisiert werden, wenn Olten über alternative Trinkwasserquellen verfügt. Planungen hierfür sind im Gange.

Festzuhalten bleibt: Das Wasser in der Dünnern ist nicht sauber. In Wochen, in denen es kaum regnet, transportiert der Bach einen grossen Anteil gereinigtes Abwasser, das dann bei Olten in die Aare fliesst. Es stammt aus den beiden Abwasserreinigungsanlagen in Oensingen und Gunzgen. Die Anlagen sind nicht in der Lage, alle Schadstoffe aus dem Abwasser zu filtern. Haushalts- oder Industriechemikalien, Pestizide, Arzneimittelreststoffe und deren Transferprodukte bleiben im Wasser und sorgen für Mikroverunreinigungen. Diese sind zwar nicht gesundheitsschädlich, appetitlich ist es aber auch nicht.

Es liegen keine Daten vor, die zeigen, dass das Wasser in der Dünnern die Badequalität und dessen Anforderungen erfüllt. Die solothurner Lebensmittelkontrolle überwacht die Dünnern wegen der fehlenden Tiefe nicht, teilt aber mit: «Ein Badeverbot ist kein Thema». Wie bei allen Oberflächengewässern rät die LMK jedoch davon ab, nach starken Niederschlägen im Fliessgewässer zu baden, weil dann die Wasserqualität erfahrungsgemäss deutlich absinkt.

Aare ist sauberer

Die Dünnern reagiert sehr sensibel und schnell auf äussere Einflüsse. Bei starkem Regen werden Partikel von der Autobahn und von den umliegenden Landwirtschaftsflächen und Dörfern eingespült. Die Wasserqualität sinkt. Je länger das Wasser unterwegs ist, desto schlimmer ist es. Das gereinigte Abwasser, das in den trockenen Sommermonaten einen Grossteil der Dünnern ausmacht, scheint da noch das geringere Übel. Aber wer hält schon gerne seine Füsse in ein Gewässer, das direkt aus der Kläranlage kommt? Weil der Bielersee für die Aare als Absetzbecken fungiert, ist sie in Olten ziemlich sauber und damit der geeignetere Badefluss. Das Planschen in der Dünnern ist dann doch eher etwas für die Enten.