Geht es nach dem Willen von Staatsanwalt Pascal Flückiger, erhält der mittlerweile 25-jährige Schweizer, der im November 2011 auf der Hauenstein-Passstrasse mit einem waghalsigen Überholmanöver eine Frontalkollision verursachte, eine dreijährige Freiheitsstrafe aufgebrummt.

Ein Jahr soll der gelernte Automechaniker absitzen, die andern zwei Jahre soll das Amtsgericht Olten-Gösgen laut Antrag des Staatsanwaltes bedingt aussprechen – mit einer Probezeit von vier Jahren.

Dann könne der Beschuldigte arbeiten, um die zu erwartenden Zivilforderungen abzahlen zu können, meinte Flückiger. Zudem entstünden so der Allgemeinheit weniger Kosten als im Falle einer längeren unbedingten Gefängnisstrafe. Und während der Probezeit, so der Staatsanwalt weiter, könne der junge Mann beweisen, dass er mit seinem heutigen Auto vernünftig umgehen könne. Bei diesem handelt es sich um einen Ford Focus ST, der mit einem 2,5-Liter-Motor und 225 PS ausgestattet ist.

Versuchte vorsätzliche Tötung?

Beim Augenschein an der Unfallstelle im November letzten Jahres, sagte der Staatsanwalt am zweiten Prozesstag, sei restlos klar geworden: «Dieses Überholmanöver war russische Roulette!» Der Unfallverursacher habe die Strecke bestens gekannt. «Ihm war bewusst, dass hier immer wieder Autos entgegenkommen.»

Ihm sei auch klar gewesen, dass bei einem Crash mit derart hohen Tempi Menschen sterben können. (Ein verkehrstechnisches Gutachten hat ermittelt, dass der Subaru Impreza des Beschuldigten beim Aufprall mit 115 bis 124 km/h unterwegs war. Der bergwärts verkehrende Nissan näherte sich mit 73 bis 79 km/h.)

Gerichtsverfahren wie dieses, meinte Flückiger, gebe es selten – weil meistens alle am Unfall Beteiligten tot seien. Der Beschuldigte, so der Staatsanwalt weiter, habe den Tod einer Person für möglich gehalten und auch in Kauf genommen.

Damit habe er ein schweres Verbrechen gegen das höchste Rechtsgut, das Leben, begangen. Der Beschuldigte sei dementsprechend der versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig zu sprechen. Sollte das Gericht keinen Vorsatz erkennen können, sei der Beschuldigte allenfalls wegen schwerer Körperverletzung zu beurteilen. Sollte das Gericht auch im Hinblick auf diesen Tatbestand nicht von einem Vorsatz ausgehen, ist der Beschuldigte gemäss Staatsanwalt wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung zu beurteilen.

Vom Wissen auf den Willen schliessen

Michael Bütikofer, der Rechtsvertreter der als Privatklägerin auftretenden Geschädigten, schloss sich dem Staatsanwalt an. Mit seinem riskanten und rücksichtslosen Überholmanöver habe der Beschuldigte den Tod der Frau in Kauf genommen.

Da der Unfallverursacher über Ortskenntnisse verfügt habe und nicht die ganze für das Überholmanöver erforderliche Strecke habe überblicken können, sei von einer besonders schweren Verletzung der Sorgfaltspflicht auszugehen. Er sei durchaus in der Lage gewesen, die Wahrscheinlichkeit einer möglicherweise tödlichen Kollision im morgendlichen Berufsverkehr zu erkennen.

Und nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung, so Bütikofer weiter, könne in Bezug auf die entscheidende Frage des Vorsatzes vom Wissen auf den Willen geschlossen werden. Der Impreza-Fahrer habe zudem nichts unternommen, keine Vollbremsung eingeleitet, als die Lichter des Nissan vor ihm auftauchten. Wegen versuchter vorsätzlicher Tötung sei der Beschuldigte zu einer angemessenen Strafe nach richterlichem Ermessen zu verurteilen.

Das Risiko nicht erkannt?

Ein eventualvorsätzliches Handeln seines Mandanten stellte Amtsverteidiger Christoph Schönberg kategorisch in Abrede. Entscheidend sei doch die Frage, ob der Beschuldigte es für möglich gehalten habe, dass sein Überholmanöver jemanden das Leben kosten werde. Dafür, dass er dieses Risiko erkannt habe, gebe es keine Anzeichen.

Schönberg erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass seinem Mandanten das Erinnerungsvermögen in Bezug auf seine Fahrt über den Hauenstein abhanden gekommen sei. Dabei handle es sich weder um eine Schutzbehauptung, noch um eine Strategie.

Zum Unfall geführt hat nach Ansicht des amtlichen Verteidigers «eine bewusste oder unbewusste Fahrlässigkeit», «eine kapitale Fehleinschätzung der Situation». An diesem Kurs hielt auch der Beschuldigte selber konsequent fest, als er sich im Schlusswort noch einmal bei der Geschädigten entschuldigte und beifügte: «Wahrscheinlich habe ich die Situation falsch eingeschätzt.»

Verteidiger fordert bedingte Strafen

Schönberg plädierte dafür, dass sein Mandant vom Vorhalt der versuchten vorsätzlichen Tötung freizusprechen sei. Hingegen sei er schuldig zu sprechen der fahrlässigen Körperverletzung und der groben Verkehrsregelverletzung.

Dies weil er die allgemeine Höchstgeschwindigkeit ausserorts massiv überschritten und trotz Gegenverkehr überholt habe. Sein Mandant, so der Pflichtverteidiger weiter, sei zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, bedingt erlassen auf zwei Jahre, zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 60 Franken und zu einer Busse von 300 Franken zu verurteilen.

Das Amtsgericht unter dem Vorsitz von Amtsgerichtspräsident Pierino Orfei will das Urteil am 6. März mündlich eröffnen.