Zur risikoreichen Talfahrt animiert hatten Organisator Lee Aspinall und sein Team – zum ersten Mal nach zehn Jahren Pause. Bis 2007 fand die sogenannte Bürostuhlrennen-Weltmeisterschaft sieben Jahre lang jährlich statt. «Und irgendwann ist man einfach müde, immer das Gleiche zu machen», erklärt Aspinall den Unterbruch von einer Dekade. Da er aber von diversen Leuten immer wieder aufgefordert wurde, doch wieder mal eine Meisterschaft zu veranstalten, gab er nun schliesslich nach.

«Vorne dabei sein»

Über 30 risikobereite Rennfahrerinnen und -fahrer liessen sich für die diesjährige «Weltmeisterschaft» gewinnen. Darunter befanden sich ganz spontane Teilnehmer, die auf einem zur Verfügung gestellten Bürostuhl ihr Glück versuchten. So zum Beispiel Andi Peter aus Olten, der am Morgen mit seinen Kindern eigentlich nur die Juniorenvariante des Rennens besuchten wollte. «Ich fand es eine witzige Idee», worauf er sich auch selbst für den Wettbewerb anmeldete. Der Spass stehe dabei sicher im Vordergrund, doch trete bei ihm dennoch auch der Wettbewerbsgedanke zutage. «Man möchte schon vorne dabei sein.»

Andere Teilnehmer hatten sich seit Tagen auf das Rennen vorbereitet. Beispielsweise Daniel Meyer aus Kappel, der mit seinem Rennpartner eine Woche lang jeden Abend geübt hatte. Ihr selbstgebastelter Zweierstuhl – zwei Sitze auf einer Platte montiert, die von Abfallcontainer-Rollen getragen wird – sei bequem und stabil. Über ein Lenkrad, wie es die meisten anderen Eigenkonstruktionen aufwiesen, verfügte ihr Renngerät allerdings nicht. «Wir lenken einfach mit den Füssen», so Meyer. Dies gelang nicht immer wunschgemäss. Bei einer der mehreren Abfahrten drehte sich ihr Gefährt kurz nach dem Start horizontal um und sie fuhren rückwärts in eine der Strohbanden hinein.

Alte und neue Weltmeister: «Wir sind zu stark»

Problemlos meisterte den von zahlreichen gutgelaunten Zuschauern umsäumten Slalomparcours – nach dem Start von einer etwa drei Meter hohen Schanze aus musste man um einige Strohhindernisse herumkurven und eine weitere kleine Schanze überspringen – das Team «Tituverteidiger», das seinem Namen letztlich gerecht wurde. «Wir sind einfach zu stark», erklärte Bernd Weissenberger aus Olten scherzend den abermaligen Sieg. Konkret war es ihre gute Stuhlkonstruktion – ein veloähnliches Gefährt auf relativ schnellen Inlineskate-Rollen. Und auch ihre Kurventechnik ermöglichte ihnen wiederum den «Weltmeistertitel», ergänzte Teamkollege Renato Casati aus Hägendorf.

Hier sprang unser Reporter Lucien Rahm (re.) noch gekonnt über die Schanze.

Hier sprang unser Reporter Lucien Rahm (re.) noch gekonnt über die Schanze.

Weniger einfach gestaltet sich das Lenken auf einem der gewöhnlichen Bürostühle. Mit den Füssen musste die Richtung bestimmt und Tempo erzeugt werden. Nicht immer behielt man dabei das Gleichgewicht, unter anderen auch ich persönlich nicht. In meiner zweiten Runde begann sich mein Stuhl kurz vor dem Ziel unkontrolliert zu drehen. Das führte schliesslich zum Sturz auf den Asphalt – dank ausreichend Gelenkschonern und Helm schadlos ausfallend.

Wenig später machte unser Reporter Lucien Rahm Bekanntschaft mit der Pflästerung der Mühlegasse.

Wenig später machte unser Reporter Lucien Rahm Bekanntschaft mit der Pflästerung der Mühlegasse.

«Keine Angst haben»

Begabter verhielt sich hierbei Maverick Studer aus Niedergösgen, der unter anderem dank seiner «ungestümen Fahrweise» in der Standardkategorie siegen konnte. «Man darf keine Angst haben, die Konkurrenz zu schneiden», so Studer, der ohne sein Wissen von einem Kollegen fürs Rennen angemeldet wurde. 

Resultate der Bürostuhl-WM

  • Standartkategorie: Zum unangefochtenen Sieger in der Standardkategorie (gewöhnlicher Bürostuhl) kürte sich Maverick Studer aus Niedergösgen. Hinter ihm landeten  Stefan Wullschleger auf dem zweiten, Lukas Hauri auf dem dritten und Sandro Peier auf dem vierten Rang.
  • In der Kategorie «Kamikaze» (selbstgebasteltes Gefährt) siegten, nebst dem Team «Tituverteidiger» (zudem Gesamtsieger), Loris Vallan und Gawri Frauchiger (2. Rang), Jonas Kolly und Julius Linden (3. Rang) sowie Tim Hauri (4. Rang).