Olten
«Das verflixte Zauberbuch» verwandelt das Stadttheater in eine Zirkusmanege

Das Kindermusical «Das verflixte Zauberbuch» begeistert das junge Publikum im Stadttheater Olten. Die Theaterbühne wird zur Manege, wo der Zauberer Max das Programm des Zirkus Barbirolli rettet.

Karola Dirlam
Merken
Drucken
Teilen

Remo Fröhlicher

«Mädels, heute müsst ihr mir beim Arbeiten helfen», sage ich zu Tochter 1 (zehn Jahre alt) und Tochter 2 (acht Jahre alt). In beiden Augenpaaren blitzt sofort Misstrauen auf. «Wieso....?», kommt vorsichtig die Frage. Ich erkläre ihnen, dass im Stadttheater das Kindermusical «Das verflixte Zauberbuch» aufgeführt wird und dass ich den Auftrag erhalten habe, einen Erlebnisbericht aus Sicht meiner Kinder zu schreiben.

Nun sind sie doch neugierig, gar leicht beunruhigt: «Was müssen wir da genau machen?» Ich beruhige sie: «Einfach nur zuschauen und mir sagen, wie ihr es findet.» «Ach so...!» Sofort tun sie wie die Profis, als sei ein Besuch im Stadttheater etwas ganz und gar Alltägliches für sie.

Jeder Versuch, sie bereits zu Hause in Stimmung zu bringen – etwa durch Vorlesen der Inhaltsangabe des Musicals – scheitert. Sie malen, schon den ganzen Tag. Doch dann – plötzlich – kommt Bewegung in den Trott: Wir müssen los! «Was soll ich anziehen?», «Wie weit müssen wir laufen?», «Gibt’s da auch ein WC?» Akute Fragen lasten auf den Kinderseelen.

Schweigsame Kinder

Die Fahrt im Auto: wieder wortkarg. Erst im Foyer des Stadttheaters eine Frage nach der anderen: «Wie viel Uhr ist es?», «Wann fängt es an?», «Können wir schon reingehen?» Stimmengewirr, kleine und mittelgrosse Kinder mit ihren Eltern, Grosseltern, Gottis und Göttis. Süssgetränke und Naschereien sind angesagt. «Dürfen wir auch...?»

Dann endlich: Es ist so weit, wir sitzen, es wird dunkel, Tochter 1 und 2 haben ihren Blick gebannt nach vorne gerichtet, die Augen weit aufgerissen. Mit gespanntem Staunen saugen sie alles in sich auf, geniessen das fröhliche Musizieren des Orchesters des Sorbischen National-Ensembles, die fantasievollen Kostüme der Darsteller und tauchen in Nullkommanichts ins Geschehen ein.

(Fast) nirgends Fehler

Der Direktor des Zirkus Barbirolli will einen Tag vor der grossen Premiere eine Generalprobe durchführen. Mister Universum stemmt mühelos seine Gewichte, die Akrobaten sind flink wie noch nie, die Tänzer drehen leichthin ihre Pirouetten, selbst der Clown macht keine Fehler.

Stadttheater Olten

Die 4 Kindervorstellungen mit dem Familien-Abo

Das Stadttheater Olten bietet speziell für Familien ein Abo ab. In der Saison 2017/18 gibt es vier Kindervorstellungen ab 5 Jahren, die im Abo inbegriffen sind. Es kostet für einen festen Sitzplatz 60 Franken für ein Kind und 75 Franken für einen Erwachsenen.

Neben der bereits am vergangenen Sonntag stattgefundenen Vorstellung «Das verflixte Zauberbuch» (siehe Haupttext) gibt es folgende Vorstellungen, die in dieser Saison noch laufen und unter das Familien-Abo fallen:

«Der gestiefelte Kater»
Mittwoch, 13. Dezember, 15 bis 17 Uhr

«Die kleine Hexe»
Sonntag, 28. Januar 2018, 14 bis 15.15 Uhr

«Aschenbrödel»
Sonntag, 18. März 2018, 15 bis 17 Uhr

Nur bei Zauberer Max will es einfach nicht klappen, obwohl er doch in Besitz eines uralten Zauberbuches ist, das er täglich studiert. «Katastrophen-Zauberer», nennt ihn der Direktor bereits und will ihn aus dem Zirkus werfen, falls seine Tricks auch diesmal nicht klappen sollten. Alle wenden sich gegen ihn, einzig Tänzerin Janka hält zu ihm. Max bekommt eine letzte Chance.

Gemeinsam mit Janka macht er sich an die Arbeit. Doch plötzlich zucken Lichtblitze, steigt Nebel auf und Donner grollt im Zirkuszelt. Der Zirkus verwandelt sich in einen dunklen Wald und Janka, Max und alle anderen Zirkusmitglieder haben sich in Vögel verwandelt. Der Direktor schimpft, flucht und verlangt von Unglücksrabe Max die Rückverwandlung.

Wenn nur nicht das Zauberbuch verschwunden wäre... Die Suche nach den sechs goldenen rettenden Zauberseiten beginnt; alle im Saal sind aufgefordert zu helfen. Schliesslich die Lösung: Es muss Vogelhochzeit gefeiert werden. Rabe Max und Elster Janka heiraten, alle Kinder im Publikum müssen das Fidirallalla des bekannten Kinderliedes «Ein Vogel wollte Hochzeit machen» mitträllern und – alle Zirkusvögel nehmen ihre ursprüngliche Gestalt wieder an. Die Premiere – gerettet!

Die Stimmung im Saal wird immer gelöster: Es wird gesungen und im Takt geklatscht. Zum Schluss hat die Clownin sogar die Sahnetorte im Gesicht. Töchter 1 und 2 üben sich wie immer in Zurückhaltung. Auf der Rückfahrt: wohlwollendes Schweigen. Zu Hause dann die kleinere: «Das Rad kann ich genauso gut schlagen wie die eine Tänzerin!» Na, dann...