Die Christkatholiken benötigen drei ihrer vier Kirchen nicht mehr. Ab September dieses Jahres werden alle Gottesdienste in der renovierten Oltner Stadtkirche abgehalten, die zu diesem Zeitpunkt wiedereröffnet wird. Die Gotteshäuser in Hägendorf, Trimbach und Starrkirch-Wil sollen anders genutzt werden. Eine Vermietung oder gar ein Verkauf ist möglich. Dies haben 65 Stimmberechtigte an einer ausserordentlichen Versammlung der Kirchgemeinde Region Olten kürzlich mit grossem Mehr entschieden. Über die nun auszuarbeitenden Nutzungspläne kann der Souverän dann erneut sein Placet geben.

«Das tut sehr weh und wir bedauern diesen Schritt», sagt Kirchgemeindepräsident Kurt Stutz auf Anfrage. «Wir können es uns aber nicht leisten, für so wenige Gläubige vier Kirchen zu unterhalten.» Derzeit zählt die fusionierte Kirchgemeinde Region Olten, welche 2009 aus den getrennten Gemeinden Hägendorf-Thal-Gäu, Olten-Starrkirch und Trimbach hervorgegangen ist, noch 531 Mitglider. Seit Jahren ist die Tendenz rückläufig. In manchen Gottesdiensten würde Pfarrer Kai Fehringer noch vor 10 Leuten predigen, so Stutz.

Das müsste investiert werden

Mit der Konzentration auf die Oltner Stadtkirche kann die Kirchgemeinde, die seit Jahren ein Defizit von mehreren zehntausend Franken in der laufenden Rechnung schreibt, auch Kosten sparen. Pro Jahr sind dies rund 33'000 Franken, wie es in der Botschaft zur Versammlung heisst. Zudem wären in den drei nicht mehr benötigten Kirchen auch Investitionen von mehreren hunderttausend Franken nötig:

Die Hägendörfer Christuskirche weist Risse auf, die auf Terrainabsenkung zurückzuführen sind. Die Sanierungskosten beliefen sich inklusive Glocke auf 95'000 Franken.

Die Dorfkirche St. Peter und Paul in Starrkirch-Wil ist in gutem Zustand. Dringend ersetzt werden müsste allerdings die marode Orgel. Kostenpunkt: mehrere hunderttausend Franken. Dazu käme die Sanierung des Glockenturms für 10'000 Franken. Weiter müsste auch ins derzeit vermietete ehemalige Pfarrhaus 65'000 Franken für verschiedene Renovationen investiert werden.

Die Kreuzkirche in Trimbach ist in sehr gutem Zustand. Nur für das ehemalige Pfarrhaus, welches neu vermietet ist, wären 20'000 Franken aufzuwenden.

Trotz der klaren Ausgangslage kam an der Versammlung auch Gegenwind auf. Der frühere Vize-Kirchgemeindepräsident Fritz Neuhaus stemmte sich mit aller Kraft dagegen, dass besagte Kirchen nicht mehr genutzt werden sollen. Er warf dem Rat vor, «die Motion in keiner Weise umgesetzt» zu haben. Insbesondere fehle ein klares Nutzungskonzept. Im Juni 2017 hat der Souverän eine Motion von Clemens Ackermann mit grossem Mehr überwiesen, welche den Kirchgemeinderat aufforderte, ein Nutzungskonzept für alle Liegenschaften auszuarbeiten und der Versammlung vorzulegen.

Kirchgemeindepräsident Stutz zeigte hingegen auf, dass sich die Kirchgemeinde mit ihrer stets schrumpfenden Mitgliederzahl sowie der Überalterung der Gläubigen vier Kirchen gar nicht mehr leisten könne. Dass man die Stadtkirche Olten zum Zentrum machen wolle, diene auch dem Gedanken, die fusionierten Kirchgemeinden weiter zusammenwachsen zu lassen. Diese Ansicht teilten auch mehrere Votantinnen und Votanten. Der ehemalige Kirchgemeindepräsident Kurt Schibler legte zudem dar, was passiert, wenn die Kirchgemeinde laufend Defizite schreibt, das Eigenkapital irgendwann aufgebraucht ist und ein Bilanzfehlbetrag droht – nämlich die Bevormundung durch den Regierungsrat und das Amt für Gemeinden.