Der 44-jährige Oltner Rhaban Straumann und der 37-jährige Berner Matthias Kunz sind seit zehn Jahren als Theaterkabarett-Duo Strohmann-Kauz unterwegs. Zum 10-Jahr-Jubiläum sind die beiden in ihrem Spezialprogramm «Kafifahrt» zu sehen. In ihren Paraderollen, den schrägen Senioren Ruedi und Heinz.

Das Spezialprogramm «Kafifahrt» ist Ihr drittes Stück, wo Sie in die Rollen der Senioren Ruedi und Heinz schlüpfen. Worum gehts?

Matthias Kunz: Zu unserem 10-Jahr-Jubiläum wollten wir andere Autoren für Ruedi und Heinz Texte schreiben lassen. Das ist der Aufhänger des Programms. Deshalb ist es nicht eine in sich abgeschlossene Geschichte, sondern eher szenisch gestaltet.

Rhaban Straumann: Wir greifen darin gesellschaftliche und politische Aktualitäten auf.

Sehen Sie sich als politische Künstler?

Straumann: Ja, das würde ich so sagen. Wir machen aber nicht politisches Kabarett im klassischen Sinn. Es gibt schon Themen, wo wir den Finger draufhalten. Wenn wir politisch aber klar Position beziehen würden, dann würde das nicht funktionieren. Dann hätten wir plötzlich nur noch das Publikum, das genau diese Dinge hören will.

Sie spielen in «Kafifahrt» fremde Texte. Wieso haben Sie das Spezialprogramm nicht selbst geschrieben?

Straumann: Wir hatten ja nicht geplant, ein neues Programm zu schreiben. Wir wollten eigentlich einfach einen besonderen Jubiläumsabend machen. Dann erhielten wir so viele Texte, dass wir dachten, okay, das gibt jetzt ein Abendprogramm. Und dann kamen plötzlich die Anfragen von anderen Veranstaltern und wir merkten, aha, jetzt gibt es gerade noch eine Tournee daraus.

Wie ist das für Sie, fremde Texte zu spielen?

Straumann: Es ist schwieriger, fremde Texte auswendig zu lernen. Aber das ist nichts Neues für uns. Unsere älteren Programme «ungerdüre» und «Waidmannsheil!» waren komplett fremde Texte.

Kunz: Wenn man einen fremden Text bekommt, liegt ja die grosse Arbeit darin, erst einmal zu begreifen, wie er gemeint ist. Man versteht den Witz nicht immer von Anfang an.

Sie lernten sich 1999 an der Comart-Theaterschule in Zürich kennen.

Straumann: Schon da hatten wir einen super Groove. Nach den zwei Jahren Schule gingen wir anfangs noch getrennte Wege, dann leiteten wir in Langenthal gemeinsam einen Theaterkurs. Nach fünf Jahren hatten wir Lust, zusammen ein Programm zu machen. So entstanden die erste Produktion und das Duo Strohmann-Kauz.

Wie haben sich die Figuren Ruedi und Heinz über die Jahre entwickelt?

Straumann: Ruedi und Heinz entstanden ja aus unserem ersten Stück «Wasserschaden» heraus. Darin lassen sich Strohmann-Kauz ausbürgern und die Väter oder Grossväter, das wusste man nicht so genau, verabschiedeten sie. Diese beiden Figuren haben sich mit uns zusammen entwickelt. Wir sind nicht mehr so jung wie vor zehn Jahren und der Lebensrucksack fliesst natürlich in die Figur ein. Ausserdem spielen wir Ruedi und Heinz so oft, dass wir den beiden blind vertrauen können. Da kann es dann auch plötzlich vorkommen, dass die Figur mit uns etwas macht und nicht wir mit der Figur.

Ruedi und Heinz sind also ein Zufallsprodukt?

Straumann: Das könnte man so sagen. Nach dem ersten Stück «Wasserschaden» folgten zwei Stücke, wo wir andere Charaktere mimten. Seit dem Start von «Landfroue-Hydrant» 2012 spielen wir die beiden aber sehr intensiv. Wir wussten immer, dass sie funktionieren, hatten aber Zweifel: Ein Abend lang mit Ruedi und Heinz, das geht wohl eher nicht. 2012 gaben wir zu unserem 5-Jahr-Jubiläum eine Strohmann-Kauz-Gala unter anderem in Olten, wo Ruedi und Heinz einen halbstündigen Auftritt hatten. Anschliessend kam der Oltner Schauspieler Rolf Strub zu uns und sagte, macht mit denen ein Abendprogramm. Das war die Initialzündung für den «Landfroue-Hydrant».

2014 haben Sie das Comedy-Rating der «SonntagsZeitung» gewonnen.

Straumann: Wir merkten es beim «Landfroue-Hydrant», wo wir an Orten spielten, wo wir nie zuvor aufgetreten waren und volles Haus hatten. Das häufte sich von da an.

War es nie Ihr Ziel, auch einmal beim SRF aufzutreten?

Kunz: Wenn die finden, es geht nicht, dann gehts nicht.

Straumann: Wir seien zu theatralisch.

Giacobbo/Müller wäre doch ein Format gewesen, wo Sie reingepasst hätten.

Straumann: Bei «Giacobbo/Müller» haben uns ja auch schon Leute gesehen, obwohl wir dort nie aufgetreten sind (lacht). Einen Tourneeplan zu haben, der bis ins Jahr 2018 reicht, ist für mich viel wichtiger. Daran merken wir, dass wir heute viel bekannter sind als vor zehn Jahren.

Wie kommen Sie finanziell über die Runden?

Kunz: Besser als vor zehn Jahren.

Straumann: Wir leben von unseren Auftritten. Ausschliesslich. Wir haben ein paar kleine Nebengleise, aber Strohmann-Kauz ist wirklich der Hauptharst. Um vom Spielen leben zu können, braucht es 80 Auftritte pro Jahr. Und da reden wir von der Mindestlohngrenze.

Wie oft stehen Sie auf der Bühne?

Straumann: Heuer sind es etwas über 110-mal. Wir hatten schon bessere Jahre, mein Rekordjahr war 140 Auftritte. Das ist aber sehr viel, das spürst du dann auch.

Wie sehen Sie die letzten zehn Jahre?

Kunz: Ich bin extrem zufrieden, dass wir das immer noch machen. Anfangs dachten wir nicht so weit. Wir machten ein Stück und dann wieder eins, und so ging es weiter, bis jetzt. Dass wir so viel spielen, ist ein super Zeichen.

Straumann: Dieser Bilanz kann ich mich anschliessen. Wir können unser Ding durchziehen, ohne Kompromisse für den kommerziellen Erfolg einzugehen, und leben davon. Das Wichtigste ist für mich, dass wir einen Weg gefunden haben, unsere kritischen Blicke auf die Zeit und die Gesellschaft in eine Sprache zu verpacken, die unterhält, anregt, zum Lachen bringt und die Leute gleichzeitig auch zum Nachdenken veranlasst.