Olten

Das Tennisprojekt Gheid steht wegen Bauverbot auf der Kippe

Der Ausbau der Tennisanlage im Oltner Gheid steht auf der Kippe. Der Schutz des dortigen Grundwassergebiets geniesst oberste Priorität.

Der Ausbau der Tennisanlage im Oltner Gheid steht auf der Kippe. Der Schutz des dortigen Grundwassergebiets geniesst oberste Priorität.

Die Tennisclubs der Stadt Olten stehen im Gheid womöglich vor einem kleinen Scherbenhaufen. Das mögliche Bauverbot im Gebiet könnte die angestrebte Fusion mehr als gefährden. Die Städtischen Betriebe entscheiden im November.

Vom Projekt redet man in der Stadt schon seit einiger Zeit: Fusion der beiden Tennisclubs «Sunlight» und «Olten», im Zuge der Fusion erfolgt die Aufgabe der Tennisplätze im Schöngrund und dafür ein Ausbau der Tennisanlage im Gheid.

Anvisiert beim Ausbau sind die Schaffung von zusätzlich zwei bis drei neuen Tennisplätzen, der Neubau eines vergrösserten Klubhauses am alten Standort sowie die Bereitstellung von gut zwei Dutzend Parkplätzen. Investitionspotenzial: Rund 1,5 Mio. Franken, wie Nico Zila als Präsident des Tennisclubs Olten (TCO) weiss.

Ernte vor Augen

So weit, so gut also. Am Horizont winkten die Früchte der Fusionsbemühungen, zu deren Ernte im kommenden Jahr die Generalversammlung grünes Licht hätte erteilen sollen. Nun aber haben die Städtischen Betriebe Olten (sbo) die Investoren zünftig erschreckt und die nach der finalen Losung «Game, Set, Match» strebenden Akteure quasi kalt geduscht.

Im Sommer liessen die sbo die Tennisvereine und die Genossenschaft Tennisanlage Gheid (GTG) nämlich wissen, man gedenke die Grundwasserschutzzone S2 im Gheid zu erweitern. So jedenfalls stehts im Brief, den der TCO seinen Mitgliedern zukommen liess. Die Erweiterung erfolge so, dass die Tennisfelder davon betroffen werden. An sich, so möchte man meinen, nicht weiter tragisch, aber: «In der Grundwasserschutzzone S2 gilt grundsätzlich ein Bauverbot», erfahren die Mitglieder des TCO im fraglichen Schreiben weiter.

Das bedeutet letztlich nichts anderes als ein (vorläufiges) Ende aller Investitionsabsichten. Dies jedenfalls haben die sbo als Grundstückseigentümerin und Trinkwasserlieferantin unmissverständlich kommuniziert. Gestützt auf diese Einschätzung sind die sbo denn auch nicht bereit, mit den potenziellen Investoren einen neuen Baurechtsvertrag abzuschliessen. Der noch immer bestehende und bis Ende des Jahres 2031 gültige Baurechtsvertrag mit der GTG, an welcher die Einwohnergemeinde Olten und die beiden Tennisclubs an die 90 Prozent der Anteile halten, bleibt allerdings gültig und rechtskräftig.

«Für uns kommt diese Nachricht doch sehr überraschend», sagt Zila, nachdem die Investoren grundsätzlich mit der früheren Landbesitzerin, der Einwohnergemeinde Olten, verhandelt hatten und Bedenken bezüglich Grundwasser noch keine Rolle spielten. Aufgeschreckt hat der TCO im September jedenfalls einen Brief an den Verwaltungsrat der sbo geschickt, mit dem Ersuchen, doch die «Notwendigkeit der Ausdehnung der Grundwasserschutzzone S2 im Gheid objektiv zu ermitteln», wie Zila erklärt.

Erweiterung der Schutzzone 2

Tatsächlich bestätigt Beat Erne, Leiter Marketing und Kommunikation der a.en, die Absicht, die Schutzzone 2 auszudehnen. Die bisherigen Erkenntnisse, die im Rahmen der periodischen Überarbeitung des Schutzzonenreglements vorliegen, weisen tendenziell auf die Notwendigkeit ebendieser Ausdehnung hin. «Die Grundwasserschutzzone Gheid ist unterteilt in die Schutzzonen S1, S2, und S3. Die Tennisanlage befindet sich derzeit zwar mehrheitlich noch in der Schutzzone S3. Tatsache aber ist auch, dass die Tennisplätze weniger als 100 Meter, der absoluten Mindestdistanz, von der entscheidenden Schutzzone S1 entfernt liegen», führt Erne aus. 

Es braucht also nicht viel Fantasie, um die Bedeutung dieser nicht eingehaltenen Minimaldistanz und der aktuell angesteuerten Ausdehnung zu erfassen: Keinerlei weitere Bauten in der Schutzzone S2, der mit der GTG geschlossene Baurechtsvertrag erlischt Ende 2031. Punkt.

Verwaltungsrat entscheidet

Abschliessend beurteilt wird die Angelegenheit an der nächsten Verwaltungsratssitzung der sbo Ende November. «Im Anschluss wird die GTG über den Entscheid informiert», so Erne weiter, der im Übrigen Wert auf die Feststellung legt, dass die sbo dem langfristigen Schutz des Trinkwassers erste und oberste Priorität einräumen. «Umso mehr, als der Grundwasserschutzzone im Rahmen der regionalen Wasserplanung eine noch bedeutendere Rolle zukommen soll», wie er hinterherschiebt.

Für Stadtrat Thomas Marbet, Vertreter der Stadt in der GTG und Mitglied des Verwaltungsrates sbo, konnten aus dem bis 2031 gültigen Vertragswerk wenig Hinweise auf eine mögliche Gefährdung des Grundwassers abgeleitet werden. «Die Laufzeit des Vertrages war nicht an umwelttechnische Gegebenheiten gebunden, sondern sollte Anforderungen eines langfristigen Baurechts genügen», so Marbet.

Das macht auch irgendwie verständlich, weshalb sich die Investoren und mit ihnen die GTG relativ spät an die sbo wandten, um Klarheit über die Rahmenbedingungen für ein neues Projekt zu bekommen.

Der Blick in die Kristallkugel verrät: Die Tennisvereine werden das Projekt Gheid nur schwerlich umsetzen können. So sieht die städtische Tennisszene denn auch zwei mögliche Szenarien vor: den Erhalt des Status quo beziehungsweise eine Konzentration auf die Plätze im Schöngrund. Folge von Letzterem: eine Reduktion des Spielbetriebs. Ein unangenehmer Schnitt, bei rund 500 Mitgliedern. Klar ist für Zila aber auch, dass effizienter Grundwasserschutz vorangeht. Bloss möchten die Tennisspieler dessen Bedrohung durch ihr Vorhaben auch begründet sehen.

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