Karl's kühne Gassenschau

Das Spektakel nimmt Form an: Olten hat jetzt eine Zeitmaschine

Ein exklusiver Rundgang auf der Baustelle von Karl’s kühner Gassenschau in Olten führt auch ins unterirdische Bühnenherz. Am 22. Mai ist die Premiere vom neuen Programm «Sektor 1».

Helmpflicht. Foto-Verbot. Eine schmale Metalltreppe führt ins Herzstück von Karl’s kühner Gassenschau unter die Bühne. Das Regenwasser macht die Stufen rutschig. Nur ein Geländer gibt Halt.

Wie schon in den letzten beiden Shows «Silo 8» und «Fabrikk», wird sich auch in diesem Jahr wieder mitten im Theaterstück das Bühnenbild verändern. Einige von Ihnen mögen sich noch erinnern, wie bei der letzten Produktion plötzlich ein chinesisches Container-Schiff aus dem Wasser auftauchte.

Möglich macht dieses Spektakel das Innenleben der Bühne. Markus Heller heisst der Daniel Düsentrieb von Karl’s kühner Gassenschau. Mit seinem Team kümmert er sich um die Technik. Alles ist perfekt ausgeklüngelt und sicherheitstechnisch von Experten unterstützt und abgenommen.

Unter der Bühne angekommen, fällt der Blick auf eine riesige ausgehobene Wanne, in der locker drei Elefanten sitzen könnten. Statt den Rüsseltieren befinden sich aber zwei ebensogrosse Bühnenelemente in der Wanne. Ein Drittes wurde an einer Stelle nach oben unter die Bühnendecke geliftet.

Wenn möglich, wird recycelt. Die Bühnendecke ist zum Teil aus den selben Gerüsten, aus denen das vorher erwähnte Container-Schiff gebaut war. Schienen am Rand der Wanne ermöglichen es, die verschiedenen Bühnenelemente zu rotieren. So können die Techniker während dem Stück ein Bühnenelement im Erdboden versenken und wenig später ein anderes hervorholen.

Waschmaschinen und Mikrowellen

Eines der Elemente ist eine Zeitmaschine, die allerdings noch nicht an Ort und Stelle ist. Wenige Meter neben der Treppe, die uns wieder ans Tageslicht führt, sitzen zwei Arbeiter auf einem Gerüst aus Waschmaschinen und Mikrowellen. Das Baumaterial für die Zeitmaschine stammt aus Alteisensammlungen und Brockenstuben. Eine grosse Uhr mit mehreren Zifferblättern liegt am Boden und wartet darauf, montiert zu werden.

Oberhalb des Waschmaschinenzirkels sind Sitzschalen für die Schauspieler angebracht. Der Weg von der Zeitmaschine zu den Tribünen führt durch die Werkstatt. Sie wird zusammen mit dem gemieteten Kran jeweils zuerst aufgebaut.

Vergangenen Herbst zügelte die Gassenschau-Crew mit ihrer neusten Produktion «Sektor 1» von Winterthur nach Olten SüdWest. Seit Anfang März sind die Aufbauarbeiten gleich neben dem Segelflugplatz Gheid in vollem Gange.

Ein Vorteil, dass man schon weiss, wie das Areal in etwa später aussehen wird. Vor der Premiere einer neuen Produktion sind die Nerven des rund 100-Kopf grossen Teams immer sehr angespannt. Für die Premiere in Olten sind die Verantwortlichen guten Mutes. «Die Produktion entwickelt sich mit jeder Saison weiter.

Am Anfang steht nur das Stück, dann kommen mit jeder Show neue Ideen und neue Requisiten dazu. Unser Baby beginnt erst zu wachsen», sagt Catherine Bloch, die Kommunikationsverantwortliche von Karl’s kühner Gassenschau.

Wie ein nicht endendes Lager

Das aufgeschüttete Gelände ist noch nicht festgetreten. Durch die vielen Regenfälle sinken die Schuhe ein. Die Verantwortlichen hoffen, dass es jetzt ein paar Tage trocken bleibt, damit die Bühne betoniert und anschliessend mit Rasen überzogen werden kann.

Auf den 1400 Besucher fassenden Tribünen werkelt ein Arbeiter. Das RAV hat ihn vermittelt. Den Job auf der Theaterbaustelle nahm er gerne an. Momentan sind rund 20 bis 30 Arbeiter auf dem Gelände. Viele gehören schon seit Jahren zur Crew, einige haben auch einen der vielen Wohnwägen bezogen.

Ein Gassenschau-Crew-Koch sorgt während der strengen Aufbau-Zeit für regelmässige Mahlzeiten. «Das ist ein bisschen wie im Lager», sagt Bloch. Nur, dass das Lager fast ein halbes Jahr dauert. Ende April soll das Gelände soweit fertig sein, dass geprobt werden kann. Am 22. Mai ist Premiere.

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