Grosser Fan

«Das Problem war: Wann spriesst der Bart?» – Der Elvis von Olten wohnt gleich um die Ecke

Seit mehr als zehn Jahren ist Elvis Presley der stete Begleiter von Silvano Benzoni aus Olten. Ob Aloha Jumpsuit, Backenbart, handsignierte Fotografien oder Begegnung mit einstmals Vertrauten aus der engsten Umgebung des King of Rock ’n’ Roll: Nichts dergleichen ist Silvano Benzoni wirklich fremd.

In der Küche: Elvis. Im Wohnzimmer: Elvis. Im Stiegenhaus: Elvis. Im Schlafzimmer: Elvis. Wohin das Auge blickt: Elvis. Der King of Rock ‘n’ Roll ist bei Silvano Benzoni fast allgegenwärtig. Jetzt steht er im Treppenhaus seiner Wohnung in Olten. Innert eines Jahres hatte er dessen Wände mit fotografischen Accessoires aus dem Leben von Elvis Presley ausgeschmückt. Säuberlich aufgereiht, hängen sie da. Der King in Sängerpose, als GI in Deutschland, als Filmstar. Silvano Benzoni schiebt seine Baseballmütze etwas in den Nacken. Den typischen Backenbart hat er seit seinen Anfangszeiten als Elvis-Fan. Jedenfalls so ziemlich. «Das Problem war: Wann spriesst der Bart?», lacht der 28-Jährige, während er die Treppe hochsteigt. Der Bart kam. Und mit ihm die Tolle über die Stirn, von der er sich mittlerweile wieder trennen musste. Haarausfall. Benzoni kam drüber hinweg. «Meine Tolle war eigentlich nur schwer mit jener von Elvis zu vergleichen», sagt er.

Als er 18 war, packte ihn das Fieber, das Elvis-Fieber. Mehr zufällig eigentlich. Er surfte damals ein bisschen durch die Welt des Internets und landete via Youtube bei Elvis Aaron Presley, dem König des Rock ‘n’ Roll. Ab Mitte der 1950er-Jahre gehörte der Mann aus Memphis, Tennessee, als einer der ersten Musiker zur Rockabilly-Bewegung, jener Musikrichtung, die weisse Country-Musik und schwarzen Rhythm and Blues zusammenbrachte. Seinen Durchbruch hatte der 1956, als er zur umstrittenen Identifikationsfigur der jungen Rock-‘n’-Roll-Bewegung wurde. Sein Hüftschwung brachte ihm den Namen «Elvis – the Pelvis» ein. Übersetzt: Elvis – das Becken. «Die Bezeichnung gefällt mir nicht», sagt Benzoni trocken.

Irgendwie zu aufgesetzt. Aber da, am Computer, da hat es ihn erwischt und seither nicht mehr losgelassen. Elvis’ Musik, Elvis’ Bewegungen, Elvis’ Stimme, Elvis’ Aussehen. Allesamt Gründe, mit denen Silvano Benzoni seine Faszination für den vielleicht wirtschaftlich erfolgreichsten Solokünstler aller Zeiten zu erklären versucht. Obwohl sich Faszination nie schlüssig erklären lässt, eben einfach da ist. Punkt. «Am meisten aber imponiert mir der Umstand, dass der King aus äusserst bescheidenen Verhältnissen stammte, sich beharrlich hochgearbeitet hat und in seinem Erfolg auch die anderen nicht vergass», sagt er.

«Fairytales» – das ist das Lied der Lieder

«Fairytales» mag Silvano Benzoni unter all den Elvis-Songs am liebsten; 1975 veröffentlicht, weit vor Benzonis Zeit. Ein Song, der stark an den Country-Stil anlehnt und die Zuhörer wenig rocken lässt. Benzoni lacht. «Ich bin ja selbst auch kein Rocker, kein Revoluzzer. Ich bin ziemlich brav, hilfsbereit und ebenso harmlos», sagt der gelernte Kommunalgehilfe über seine Person. Mit der Filmfigur Elvis kann er übrigens überraschenderweise nicht viel anfangen. «Ich finde, er war kein so guter Schauspieler», sagt er ohne den Hauch des Bedauerns. Das hindert den Oltner aber nicht daran, in seinem Fundus ein handgemaltes Bild hängen zu haben: Es zeigt Humphrey Bogart, James Dean, Elvis und Marilyn Monroe gemeinsam an einer typisch amerikanischen Bar sitzend. Filmgrössen ihrer Zeit eben.

Aloha Jumpsuit vom Feinsten – direkt aus den USA

Vorbei an Fotografien und Schallplatten geht der Weg in den ersten Stock. Als Erstes blickt dem Besucher dort eine Schaufensterpuppe entgegen. Sicher nicht aussergewöhnlich. Aussergewöhnlich ist eher deren Kostüm. Ein sogenannter Aloha Jumpsuit, einer jener Anzüge, die Elvis 1973 bei seinem Konzert auf Hawaii trug. Es war übrigens das erste via Satellit in über 40 Länder der Erde übertragene Konzert eines Solokünstlers. Für eine vierstellige Summe hat sich Benzoni den Anzug auf den Leib schneidern lassen. «That’s great», würde der Amerikaner sagen. An der letzten Fasnacht hat der Oltner das gute Stück zum Maskenball getragen, zusammen mit Brille, Perücke, Schuhen. «War echt toll», sagt er darüber. «Gutes Echo gehabt drauf.» Keine Angst vor Materialschäden? «Bevor es brenzlig wird, verabschiede ich mich jeweils», sagt er nur.

Und weiter geht’s im oberen Stock. Über einer Kommode in Benzonis Reich hängt die Fotografie eines herrschaftlichen Hauses, zu dessen Füssen, zwischen Glas und Foto eingeklemmt, findet sich ein Wust getrockneten Grases. «Das Bild zeigt Graceland, den einstigen Wohnsitz von Elvis», sagt Benzoni. Als er Memphis und die dortige Elvis-Residenz besuchte, ging der Oltner um das Herrschaftshaus rum und zupfte auf dem Gelände Grashalme, die er trocknen liess, um dann die Fotografie damit zu verzieren. Apropos Graceland: An der Zimmerwand hat der Oltner auch ein Paar weissfarbene Sneakers hängen, die eigentlich noch ganz gut aussehen und zu gebrauchen wären. Aber Benzoni winkt ab. «Die habe ich nur in Graceland getragen. Und das soll so bleiben», sagt er, ehe er für den Fotografen in den Aloha Jumpsuit schlüpft.

Autor

urs huber

urs huber

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