An seinem letzten Arbeitsabend im Café Monica hat Hansueli etwas gar viel getrunken, und so suchen ihn oben auf dem vollgestellten Estrichboden die Schemen der Vergangenheit heim: All die lieben und nicht so lieben, aber immer anspruchsvollen Gäste aus einem reichen Kellnerleben werden einem in assoziativ erzählten Anekdoten und Witzeleien näher gebracht. Hanspeter Müller-Drossaart, als exzellenter Schauspieler bekannt aus zahlreichen Schweizer Filmen und der TV-Serie «Lüthi und Blanc», spielt in seinem dritten Kabarettprogramm «Menü 3» nicht nur den alten Kellner, sondern auch alle andern Rollen gleich selber – von der englischsprachigen Dame bis zum Bündner Event-Manager mit Brain-Burnout.

Skurriles Sprachtalent

Der gebürtige Obwaldner Müller-Drossaart verfügt nicht nur über schauspielerisches Können, sondern ist auch ein Sprachtalent. Er beherrscht Weanerisch genauso wie den Bündner oder den Oberwalliser Dialekt, schlägt seinem Publikum wahlweise englische oder französische Sätze um die Ohren, und dies alles ohne den geringsten Accent fédéral. Und immer augenzwinkernd, als wäre ihm der Satz eben erst eingefallen.

Mit Ironie und gutem Timing überspielt Müller-Drossaart auch die gelegentlich deftigen und nicht ganz taufrischen Witze, auf die er nicht verzichten will. In den besten Dialogen aber haben seine oft skurrilen Texte das Format und die Qualitäten eines Karl Valentin – Nonsens aus dem Alltag, witzig aufbereitet.

Von besonderer Brillanz sind einige philosophische Monologe: Beispielsweise über das Du, das dem eigenen Ich plötzlich mit ungeahnten Folgen gegenübersteht. Nahtlos passt dazu die bekannte Arie aus Rossinis «Barbiere di Siviglia», in der Müller-Drossaart zum Sänger wird und das leidvolle Schicksal des Kellners Hansueli in angenehmen Koloraturen besingt.

Polit-Sticheleien

Das «Menü 3» rundete wunderbar die drei Gänge des Dîners ab, das im Stadttheater serviert wurde. Das animierte Publikum an den Tischen im Parterre und die Theaterbesucher auf dem Balkon amüsierten sich köstlich. Hanspeter Müller-Drossaart ist zwar kein politischer Kabarettist, aber ein durchaus wacher Zeitgenosse. Bewusst streut er aktuelle Bemerkungen und Polit-Sticheleien in die Sketches.

Besonders gelungen ist ihm die Parodie auf die Generalversammlung eines Indianervereins, dessen Mitglieder sich durchs Hinterfenster ins Sitzungszimmer des Café Monica schleichen: Satte Seitenhiebe auf die übliche Vereinstümelei verbindet Hanspeter Müller-Drossaart gekonnt mit Anspielungen auf eine eher rechts stehende Schweizer Partei.