Naturmuseum Olten
«Das Mammut muss mit» – auch im Haus der Museen wird der Ur-Elefant zu sehen sein

Auf einen Kaffee mit ... Peter Flückiger im bald schliessenden Naturmuseum Olten. Der 59-Jährige blickt zurück auf die lange Geschichte des Museums und erklärt, warum er sich auf die Zukunft im Haus der Museen so sehr freut.

Jakob Weber
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Das Naturmuseum Olten schliesst nach der Finissage vom 14. September 2018.
15 Bilder
Blick in das 1872 gegründete Naturmuseum Olten im Jahr 1926.
Die Vitrine Einst.
Das Oltner Mammut in seinem Lebensraum.
Vogelvitrinen wie sie sich bis 1994 präsentierten.
Kuriosität aus dem Fundus des Naturmuseums Olten. Ein Zweiköpfiges Kalb.
Als die verborgenen Museumsschätze noch im Museumsestrich eingelagert waren.
Pressebild Modeschau Ausstellung Schöner, grösser, stärker. Vom Auffallen bei Mensch und Tier.
Ausstellung Leben im bedrohten Paradies. Die Tagebücher des Bruno Manser.
Preisverleihung Prix Expo 2010 Lausanne.
Konzert Mystik und Spiritualität des Orients Ausstellung Rhythm Nature Culture. Die Welt der Schlaginstrumente.
Präparation des Oltner Mammuts.
Geschichte des Naturmuseums
Jugend & Wissenschaf Mikroskopie. Verborgenes-Leben-im-Wassertropfen
Käferklub Wie aus Fellen und Federn Tierpräparate werden.

Das Naturmuseum Olten schliesst nach der Finissage vom 14. September 2018.

P.Flückiger

Peter Flückiger interessierte sich schon als Kind wahnsinnig für die Natur. Da kam es schon mal vor, dass der kleine Peter am Sonntagmorgen alleine in den Wald ging, um Vögel zu beobachten und Federn zu sammeln. Eine ausgestopfte Tafelente zierte sogar sein Kinderzimmer.

Die Begeisterung für die Natur hat Flückiger im Blut. So verfolgte das Nesthäkchen seine Schwester gespannt beim Erstellen eines Herbariums, seinen Brüdern blickte er beim Mikroskopieren oder im privaten Chemielabor im Keller über die Schulter, und mit seinen Eltern ging er oft im Jura wandern.

Das Naturmuseum Olten betrat Flückiger erstmals als Kind. Damals waren die Mammut-Knochen, die heute in der Vitrine liegen, noch auf einem Podest direkt hinter dem Eingang montiert. Für den kleinen Peter war das grosse Mammut natürlich ein Highlight, an das er sich auch heute – rund 50 Jahre später – noch gut erinnert.

Der Schädel kam im Jahr 1901 bei Strassenbauarbeiten unterhalb des Hardwalds zum Vorschein. Der Fund des Ur-Elefanten erregte grosses Aufsehen. Schon ein Jahr später wurde der präparierte Mammutschädel im 1872 eröffneten Naturmuseum Olten ausgestellt. Nach Raubgrabungen von Unbekannten wurden 1912 bei einer zweiten Suche die beiden mächtigen Stosszähne geborgen. Dabei musste die Polizei die Grabungsstätte rund um die Uhr bewachen. Ein Jahr später wurden auch der Unterkiefer und Backenzähne entdeckt. Seitdem ist das Oltner Mammut fester Bestandteil des Naturmuseums.

Nach seinem Studium an der Uni Zürich kehrte Peter Flückiger als freier Biologe für verschiedene Projekte ins Naturmuseum Olten zurück. Zum Beispiel konzipierte er eine Fledermausausstellung, die später auch an vielen anderen Orten gezeigt wurde. Fledermäuse haben es dem Biologen angetan. Immer wieder huscht ein Lächeln über sein Gesicht, wenn er von Projekten mit den fliegenden Säugetieren erzählt: «Wussten Sie, dass Fledermäuse einen Drittel aller Säugetierarten in der Schweiz ausmachen?»

Zahlreiche Glanzlichter

Auch während seiner Disseration an der Uni Basel blieb der stets heimatverbundene Peter Flückiger der Region treu und beschäftigte sich mit der Biodiversität der Waldränder in Olten und Umgebung. Im Jahr 1998 kehrte Flückiger definitiv heim und wurde Konservator des Naturmuseums Olten. Auch aus dieser Zeit sprudeln die vielen Erinnerungen nur so aus ihm heraus: «Ich werde nie vergessen, wie die Schule für Mode und Gestaltung Olten im Rahmen der Ausstellung ‹Schöner, grösser, stärker – vom Auffallen bei Mensch und Tier› farbenfrohe Kostüme entworfen und eine Modeschau mit Catwalk durchgeführt hat. Ebenfalls eindrücklich waren die Penan, das sind die Ureinwohner des Dschungels von Sarawak (Borneo).

Angehörige dieses Volkes von Jägern und Sammlern kamen extra für die Ausstellung ‹Leben im bedrohten Paradies – Die Tagebücher des Bruno Manser› nach Olten, und errichteten auf traditionelle Art und Weise ein Haus, das im Museum gezeigt wurde. Ganz verrückt waren auch die beiden Südtiroler Perkussionisten und Ethnologen, welche die Ausstellung zum Thema ‹Rhythm – Nature – Culture: Die Welt der Schlaginstrumente› mit vier Konzertabenden musikalisch untermalten. Das Ganze war ein so grosser Erfolg, dass die beiden zwei Jahre später erneut nach Olten kamen und eine Zugabe spielten.»

Peter Flückiger ist kaum zu bremsen. Sein Gipfeli liegt unangetastet vor ihm auf dem Tisch. Es gibt einfach zu viel zu erzählen: Wie gut die Zusammenarbeit mit anderen Naturmuseen in der Schweiz, aber auch im Ausland läuft. Wie Schulklassen immer wieder die Fassade des Museums gestalten durften, sodass von aussen schon sichtbar war, was im Inneren zu bestaunen ist. Wie das Oltner Naturmuseum im Jahr 2010 als erstes Museum überhaupt den mit 10'000 Franken dotierten «Prix Expo für langfristiges Engagement» bekam. Wie gut die Jugendprogramme «Käferklub» und «Jugend & Wissenschaft» funktionieren, die sich grossem Zuspruch erfreuen ...

Doch ein anderes Thema drängt sich auf. In drei Wochen, am Freitag den 14. September, wird Flückiger im Rahmen einer Finissage zum letzten Mal Besucher im Naturmuseum Olten empfangen. Dann schliesst das Museum, das seit 146 Jahren an der Kirchgasse beheimatet war, seine Tore.

Im Herbst 2019 soll im neuen Haus der Museen an der Konradstrasse gemeinsam mit dem Historischen Museum und dem Archäologischen Museum des Kantons Solothurn die Wiedereröffnung gefeiert werden. Macht Flückiger jetzt ein Jahr Pause? «Nein, keine Chance». Abbau, Aufbau, die Entwicklung neuer Angebote, dazu übergeordnete Themen, die Flückiger als Projektleiter vom Haus der Museen beschäftigen ... All das sorgt dafür, dass Flückiger auch im kommenden Jahr mehr als genug zu tun hat.

Alles neu im Haus der Museen

Vom Wort «Umzug» will der Konservator nichts wissen. «Schliesslich nehmen wir nur ein paar ausgewählte Exponate mit ins Haus der Museen. Der Rest wird in unseren Sammlungen im städtischen Kulturgüterschutzraum eingelagert.» Im Haus der Museen soll dem Publikum ein neues Naturmuseum präsentiert werden. Für die Dauerausstellung steht nur der erste Stock und damit deutlich weniger Platz als heute zur Verfügung.

Deswegen soll der Fokus auf Ausstellungsobjekten liegen, die entweder in der Region Olten vorkommen oder einmal vorgekommen sind. Die Wechselausstellung im vierten Stock wird entweder in Zusammenarbeit oder alternierend mit den anderen beiden Museen geführt. Darauf freut sich Flückiger neben der moderneren Infrastruktur besonders.

Gemeinsame Synergien will er nutzen. Doch was passiert mit den Mammut-Knochen? «Klar, das Mammut muss mit. Zur Eröffnung verraten wir dann endlich, wann unser Oltner Ur-Elefant gelebt hat. Das Alter haben wir erst kürzlich bestimmen können», sagt Flückiger und strahlt. Vom Gipfeli fehlt auch nach mehr als einer Stunde Gespräch nur eine kleine Ecke

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