Eine 2001 veröffentlichte CD der deutschen Punkband «Die Schröders» trug zum ersten Mal diesen Titel: «Das Leben ist kein Ponyhof», oder wie man früher sagte: «....kein Zuckerschlecken». Und mit diesem Titel ist schon mal gesagt, worum es in der seit Samstag geöffneten Ausstellung im Kunstmuseum Olten geht: Um die Arbeit. Äusserer Anlass dieser Schau ist das 100-jährige Erinnern an den Landesstreik von 1918, welches in Olten mit dem Theaterprojekt «1918 CH» begangen wird.

So sind die beiden Leiterinnen des Kunstmuseums Olten, Dorothee Messmer und Katja Herlach, auch mit dem Historischen Museum Olten sowie dem Verein Archiv Olten in Kontakt getreten und zeigen nun auf drei Etagen im Kunstmuseum Kunst und Historisches rund um die Arbeit.

Nicht sehr viele der nun gezeigten Exponate stammen aus der Sammlung des Kunstmuseums selbst, jedoch wurden jüngere Schweizer Kunstschaffende gezielt eingeladen, welche sich zum Thema Arbeit und den vielen Fragestellungen darum beschäftigen. Es sei eigentlich verwunderlich, so die beiden Kuratorinnen, dass in einer Arbeiterstadt wie Olten zu früheren Zeiten die Arbeit lediglich in ländlich idealisierter Form dargestellt wurde. Erst im Zuge der Industrialisierung wurde Arbeit und vor allem die Arbeitsbedingungen vermehrt zum Thema der Kunstschaffenden. Dies hat sich total verändert. Zeitgenössische Künstler hinterfragen die Arbeitswelt vielschichtig, und dies in Installation, Malerei, Video oder auch mittels investigativer Projekte. 

Arbeits-Kampf

Betritt man das Parterre des Kunstmuseums, wird man direkt ins Thema geholt. Ein überdimensionales Gemälde des Tschechen Karel Solarik aus dem Jahr 1948, welches eine Arbeiterdemonstration zeigt, zieht den Blick auf sich. Und schon im Aussenbereich fällt Fritz Breiters Installation «Kunst ist Arbeit» ins Auge und macht gleich alles klar. Videoarbeiten von Absolventen der Schule für Kunst und Design Zürich zeigen Studentenjobs und eine monumentale Rauminstallation von Michael Meier, und Christoph Franz beweist, wie viel Kunst und normierte Bauarbeit miteinander zu tun haben, denn hier wurden «nach den Regeln der Baukunst» zwei Sandsteinskulpturen zur Stützung des Museumsbodens installiert.

Arbeiten von Mario Comensoli aus früheren Jahren zeigen Arbeiter und ihre emotionalen Befindlichkeiten. Pascal Schwaighofer beweist, dass auch die Natur ein Arbeiter ist, und illustriert die Arbeit der Bestäubung mittels einer grossen Biene Maya.

Die junge Romande Joelle Flumet schafft mit ihren klaren, Bauplänen ähnlich gezeichneten Büroräumen bedrückende Arbeitsatmosphären. Der Mensch erscheint hier fast als Fremdkörper. Oder Martin Ziegelmüller: Er hat 1989 Maschinen aus der Papierfabrik Biberist gemalt. Diese Acrylbilder dokumentieren eine heute schon fast wieder verschwundene Arbeitswelt.

Im obersten Stock sind dann vorwiegend Positionen zu finden, welche sich mit den psychologischen Aspekten der Arbeit befassen. Wie fühlt man sich als italienische Gastarbeiterin, bei der Sanitätskontrolle in Brig? Diesem Aspekt geht das Künstlerduo Maria Iorio und Raphaël Cuomo in einer einfühlsamen Videoarbeit nach. Zu entdecken sind auch Skizzen von Hans Küchler, der die ankommenden Gastarbeiter im Bahnhof Olten porträtierte.

Dokumente, Fahnen und Hörstationen, welche mit dem Landesstreik zu tun haben, sind hier ebenfalls zu finden. Dazu kommen Schwarz-weiss-Fotografien von Franz Gloor, Roland Schneider, Hans-Ruedi Riesen oder Thomas Ledergerber, welche die Arbeit in Industrie- und Gewerbebetrieben im Kanton Solothurn zeigen. Eine vielseitige und vielschichtige Ausstellung – so wie unsere Arbeitswelt.