Trimbach/Olten
«Das Läufelfingerli ist mir ans Herz gewachsen»

Mit dem Komitee «pro Läufelfingerli» wehren sich verschiedene Stimmen gegen einen Busersatz.

Gabriela Strähl
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Stündlich pendelt das Läufelfingerli zwischen Olten und Sissach. Im Kanton Solothurn hält es an zwei Orten: In Olten und, wie hier auf dem Bild, in Trimbach.

Stündlich pendelt das Läufelfingerli zwischen Olten und Sissach. Im Kanton Solothurn hält es an zwei Orten: In Olten und, wie hier auf dem Bild, in Trimbach.

Bruno Kissling

Einmal mehr steht das Läufelfingerli auf der Kippe: Der Kanton Baselland will ab 2018 die S9 zwischen Sissach und Olten nicht mehr betreiben. Mit der Umstellung auf einen Busbetrieb will er 750'000 Franken sparen. Dies ist Teil des 8. Generellen Leistungsvertrags, der 2018 in Kraft tritt. In Trimbach und Olten, den beiden Haltestellen auf Solothurner Boden, stösst das Vorhaben auf Kritik. Vor zweieinhalb Wochen wurde ein Komitee «pro Läufelfingerli» ins Leben gerufen, welches sich für den weiteren Betrieb der Linie und gegen den Ersatz durch Busse bei den Behörden einsetzt.

Im Co-Präsidium vertreten sind Kantonsrat Felix Wettstein, Trimbachs Gemeindepräsident Karl Tanner und Schauspieler und Satiriker Rhaban Straumann. Innert kürzester Zeit meldeten sich zahlreiche Mitglieder für das Komitee (73 Mitglieder, Stand 8. Juli), davon gut die Hälfte in sieben Parteien tätig, die andere Hälfte nicht parteipolitisch aktiv. Mitglieder sind beispielsweise Nationalrat Philipp Hadorn (Gerlafingen) und mehrere Kantonsräte aus verschiedenen Parteien.

Wertvoll für Hangbewohner

Eine Trimbacherin, die sich im Komitee für das Läufelfingerli engagiert, ist Lisbeth Blaser. Sie war schon aktiv, als vor rund 20 Jahren der Kanton Solothurn dem Läufelfingerli aus Kostengründen den Todesstoss geben wollte. Damals hat sie sich zusammen mit Marlies Gloor ins Zeug gelegt und für eine Petition rund 900 Unterschriften gesammelt. «Deshalb ist mir das Läufelfingerli ans Herz gewachsen», so die 74-Jährige. Das Läufelfingerli sei eine wichtige Verbindung nach Olten, sei es für Schule, Arbeit oder Freizeit.

Am vergangenen Mittwoch reichte Kantonsrat Karl Tanner (SP, Trimbach), Co-Präsident Komitee pro Läufelfingerli, im Solothurner Parlament eine Interpellation ein. Er bittet den Regierungsrat um eine Stellungnahme zur möglichen Stilllegung und fragt nach Folgendem:

- Auswirkungen einer Umstellung auf Busbetrieb für die Region, abgesehen von den Finanzen;

- Mehrkosten, mit denen der Regierungsrat rechnet;

- Argumente, mit denen der Regierungsrat gegen einen Abbau vorgehen will;

- ob Studien zu den Fahrgastzahlen bei einem Wechsel auf Busbetrieb vorliegen.

Blaser lebte bis vor acht Jahren am Trimbacher Dürrenberg, bevor sie ins Unterdorf zog. Auch für Ausflüge ins Baselbiet sei das Läufelfingerli attraktiv. «Und es wäre doch unsinnig, eine so gut ausgebaute Linie nicht mehr für den Personenverkehr zu nutzen, die als Ausweichstrecke sowieso unterhalten werden muss.» Sie selbst geht regelmässig an die Versammlungen des Komitees pro Läufelfingerli im Kanton Baselland.

Ähnlicher Meinung ist die Oltner Rechtsanwältin Simone Hofer. «Es wurde schon mehrmals diskutiert, ob das Läufelfingerli weiterbetrieben werden soll oder nicht, und man hat sich jeweils dafür entschieden. Warum muss man das Thema immer wieder hervorholen?», fragt sich die 45-Jährige. Sie selbst nutzt das Läufelfingerli, um im Baselbiet wandern zu gehen oder das Bad Ramsach zu besuchen.

Verbindung ins Oberbaselbiet

Auch Karl Tanner, Gemeindepräsident von Trimbach, setzt sich für die Fortsetzung des Betriebs ein. Dass der Kostendeckungsgrad der Linie nur 20 Prozent beträgt, ist ihm bewusst. «An anderen Orten werden solche Linien auch betrieben. Und hier finde ich den weiteren Betrieb wirklich sinnvoll.» Gerade für die Trimbacher am Hang sei es ein wertvoller Anschluss, da die Busse im Dorf zu weit entfernt seien. «Anstatt ins Dorf zu laufen, würden mehr ins Auto steigen.»

Eine Buslinie anzubieten, die den Hang abdeckt, sei angedacht worden, war aber zu teuer – «dann hätten wir den Bewohnern auch Gutscheine für ein Taxi schenken können». Am vergangenen Mittwoch reichte er eine Interpellation beim Kanton ein (siehe Kasten). Kritisch äusserte sich auch Martin Wey, Stadtpräsident von Olten, gegenüber dieser Zeitung zum geplanten Abbau. Das Oberbaselbiet habe für die Region Olten eine grosse wirtschaftliche Bedeutung.

Kosten: Alles mit einberechnen

Dies hebt auch Felix Wettstein hervor, der für die Grünen im Kantonsrat und im Oltner Gemeinderat sitzt. Er mahnt, dass bei einer Gegenüberstellung der Kosten alles mit einberechnet werden müsste. «Es reicht nicht, die Betriebskosten zu vergleichen. Auch die Amortisierungskosten der frisch sanierten Bahnstationen gehören dazu», so Wettstein. Ausserdem rechnet er damit, dass die Auslastung der Busse noch viel schlechter sei. «Der Bus ist nicht so attraktiv wie die Bahn. Ich gehe davon aus, dass mehr Leute das Auto nehmen werden.»

Die schlechtere Wahl sei der Bus wegen der verlängerten Fahrzeit, da ein Umweg über Hauenstein-Ifenthal und Wisen nötig wäre. Dadurch würde sich die Fahrzeit von Olten nach Sissach von 22 auf mehr als 40 Minuten verdoppeln. Weiter erwähnt er die kurvenreiche Strecke, die weniger komfortabel ist, und dass in Läufelfingen eventuell ein Umsteigen nötig wäre. Möglicherweise sieht der Kanton Baselland bisher nämlich nur vor, die Strecke von Sissach bis Läufelfingen mit einem Bus zu bedienen. Zwischen Läufelfingen und Olten müsste der Kanton Solothurn eine Buslinie betreiben.

Vorerst bleiben das Ende der Vernehmlassung sowie der Vorschlag abzuwarten, den die Baselbieter Behörden dem Kanton Solothurn vorlegen. Laut Rolf Allemann, stellvertretender Abteilungsleiter öffentlicher Verkehr beim Amt für Verkehr und Tiefbau, hat der Kanton bei gleichbleibenden Kosten und Beibehalten des Stundentakts nichts gegen eine Stilllegung.

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