Olten / Luzern

Das «Karl Frey Zimmer» in Luzern ist hergerichtet und bezugsbereit

Karl Frey in dem nach ihm benannten Zimmer

Karl Frey in dem nach ihm benannten Zimmer

Das Zimmer Nummer 12 im traditionsreichen Hotel Schweizerhof wird dem Oltner und einstigen Chef Wetterdienst 4. Division Karl Frey gewidmet. Nun wurde das Zimmer offiziell eingeweiht. Der erste Gast: Karl Frey höchstpersönlich.

Karl Frey hat sich mit seiner Geschichte zur riskanten Wetterprognose aus dem Jahr 1943 die Widmung eines Zimmers im Hotel Schweizerhof gesichert (siehe OT vom 13. Februar 2014). Kürzlich hat der Preisträger erstmals in «seinem» Zimmer genächtigt.

Geschlafen habe er zwar nicht so gut, sagt der Preisträger. «Wenn ich ehrlich sein soll», schiebt er hinterher. Aber sonst ist der 97-Jährige von der Galaeröffnung der Zimmer im Hotel Schweizerhof in Luzern sehr angetan.

Und mehr als das; begeistert vom reichhaltigen Apéro und einem ebensolchen Unterhaltungsprogramm kam der Senior und Wetterexperte erst nach Mitternacht in jenes Bett, welches in «seinem» Zimmer Nummer 12 steht.

«Das Zimmer ist», wie Karl Frey sagt, «wettermüssig dekoriert.» Über dem Bett prangen die Darstellungen der wichtigsten Wolkenarten. Und was für Laien schon fast bedrohlich klingt, schmilzt in Freys Sinn wie Zuckerguss auf der Zunge.

Cumulonimbus (Gewitterwolke), Altocumulus (weisse und/oder graue Flecken, Felder oder Schichten von Wolken in mittlerer Höhe), Altostratus (Schichtwolke ohne Konturen, die aus unterkühlten Wassertröpfchen und Eiskristallen besteht), Cirrostratus (Schleierwolken): Begriffe, die Meteorologenherzen höher schlagen lassen.

Und Frey ist eben ganz Meteorologe. Was ihn ebenfalls freut: In der Zimmervitrine von Nummer 12 sind Dokumente aus seinem Leben ausgestellt; graphische Aufzeichnungen von besagtem Mai 1943 etwa, aus welchen die Geschichte mit der riskanten Wettervorhersage stammte und fünf Broschüren mit dem Titel «Geheimnisvoller Föhn».

«Die sind für die ersten fünf Gäste, die im Zimmer logieren werden», sagt Frey. Und natürlich ist auch seine Geschichte in besagtem Zimmer zu lesen, zweisprachig wohlverstanden; in Deutsch und Englisch.

Wie ein Natiaufgebot für Amateur

Frey sagt, das Zimmer Nummer 12 erinnere ihn an sein Wetterbüro damals im Schweizerhof. «Natürlich ists heute weit komfortabler», ergänzt er. Dennoch, die Szenerie ist ihm nicht unvertraut.

Und so hat er den Eröffnungsabend mit rund 200 Gästen in vollen Zügen genossen und war, kams darauf an, auch nie um eine Antwort verlegen. Befragt nach seiner Einschätzung, als relativ Unbekannter unter all den weltberühmten Persönlichkeiten ein Hotelzimmer gewidmet zu bekommen, meinte der Senior: «Ich fühle mich etwa so, wie wenn ein Spieler des Amateurklubs FC Olten von Nationaltrainer Hitzfeld ein Aufgebot bekäme, um in der Nationalmannschaft mitzuspielen.» Er sei ja tatsächlich der einzige Unberühmte, dem im Hotel Schweizerhof ein Zimmer gewidmet worden sei.

Auftrag an Tolstoi im Jenseits

Zu den bekannten Namensgebern der Zimmer gehört untern andern auch der russische Schriftsteller Leo Tolstoi. «Kürzlich habe ich von ihm eine Geschichte gelesen», lässt sich Frey vernehmen.

«Wie viel Erde braucht der Mensch» so deren Titel. Er, Frey, habe für den Dichter im Jenseits auch noch einen Titelvorschlag für eine Geschichte. Und der lautet? «Ich als Alleinbewohner eines Einfamilienhauses würde Tolstoi vorschlagen, eine Geschichte unter der Prämisse «Wie viele Zimmer braucht ein Mensch» zu verfassen. Er lacht.

Ein Ausflug nach Luzern also in Minne? Nun, das Wetter wäre nicht das Wetter, hätte es Frey bei seiner Anreise nach Luzern nicht auf die Probe gestellt. Ein Blitzschlag in die Fahrleitung der SBB bei Aarburg nämlich verhinderte die direkte Anreise.

Ein Umweg über Aarau-Rotkreuz war die Folge. Aber keine Bange: Rechtzeitig zur Eröffnung des Galaanlasses war Karl Frey zur Stelle. So wie er zur Stelle war, als er 1943 als Leutnant und Chef des Wetterdientes das Föhnfenster vorausahnte, welches die Manöverbesprechung auf dem Stanserhorn überhaupt erst ermöglichte.

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