22 Jahre lang, von 1961 bis 1983, hatte Paul Meier die Geschicke des Kunstmuseums Olten als Konservator gelenkt. Im Rahmen der Ausstellung «Mit Leidenschaft für die Kunst – Hommage an Paul Meier» widmete das Museum vergangenen Freitagabend dem heuer 92-jährig Verstorbenen einen Gedenkabend.

Paul Meier, der hauptberuflich als Berufsschullehrer tätig war, führte das Kunstmuseum Olten im Nebenamt. Gerade einmal drei Stunden in der Woche bekam er vonseiten der Schule zugesprochen, um sich der Kunst widmen zu können. «Er investierte wahnsinnig viel Freizeit in seine Tätigkeit als Konservator», erinnerte sich der Solothurner Künstler Roman Candio. Im Obergeschoss des Museums, umgeben von vielen Werken, die Meier seinerzeit angekauft hatte, hatten sich zahlreiche Weggefährten, Freunde, Bekannte Meiers eingefunden.

Ebenso die Witwe und ein Sohn Meiers, die Candios Aussage nur bestätigen konnten. Candio selbst war ein enger Freund gewesen. Er hatte diesem seinerzeit auch geraten, sich auf die offene Stelle im Kunstmuseum zu bewerben. «Er hat sich schon sehr früh mit Kunst beschäftigt und die Stelle reizte ihn unglaublich. Ich sagte zu ihm: Wunderbar, probier es doch einfach», erzählte Candio.

Paul Meiers Arbeit ist dem Museum gut bekommen. «Wir sind ihm sehr dankbar für die sorgfältige Grundlagenarbeit, die er geleistet hat», hielt Kuratorin Katja Herlach fest. So habe er dem Museum äusserst gut Sorge getragen und die Sammlung um wichtige Werke erweitert, 477 an der Zahl. «An diese Werke können wir anknüpfen, sie geben immer wieder Stoff, um weiterzudenken», meinte sie.

Ausserdem habe Meier das Gebäude baulich auf den Stand gebracht, auf dem es heute ist. So wurde 1969 der zweite und der dritte Stock zum Museum geschlagen und dieses umgebaut. Seit der Neugestaltung der Fassade 1977 wurde am Haus nichts mehr verändert.

Als Olten einen «Hodler» kaufte

Von grosser Bedeutung sei zudem der Sammlungskatalog, den Meier 1983 in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft herausgab. «Wir haben ihn täglich in der Hand», wie Herlach bemerkte. Auch der Journalist und Kunstkritiker Peter Killer, der 1983 Meiers Nachfolge als Konservator antrat, stimmte in den Tenor mit ein: «Paul Meier hat ein Minimalmuseum in ein anständiges Kleinmuseum verwandelt.» Es grenze überdies ans «Zauberhafte», dass Meier mit einem jährlichen Veranstaltungsbudget von 6000 Franken mehrere Ausstellungen im Jahr auf die Beine stellte.

Meiers Engagement war auch Candio noch lebhaft in Erinnerung. «Olten konnte die besten Werke des Malers Otto Morach kaufen, weil Meier sogar beim Kanton anklopfte», erzählte er. Und als dem Kunstmuseum ein Porträt Hodlers zum Kauf angeboten wurde, war Meier der Meinung: Wenn schon ein Hodler, dann der beste, der zu kriegen ist. Kaum zu glauben: Die Stadt liess sich 1967 überreden, für rund 80'000 Franken den «Mönch» zu erstehen. «Die Vielseitigkeit, die er bewies, ist bewundernswert», resümierte Peter Killer.

Die anwesende Kunsthistorikerin Marie Therese Bätschmann, die mit Paul Meier und anderen 2001 den «Verein der Freunde der Stiftung für Kunst des 19. Jahrhunderts» gründete, fand ebenfalls anerkennende Worte für seine grosse Neugier und Offenheit für Kunst und Mensch. «Er war immer absolut begeistert, wenn er vor Originalen stand», erinnerte sie sich.