Der Energieverbrauch soll gesenkt, die Energieeffizienz erhöht und die erneuerbaren Energien gestärkt werden: Das Stimmvolk hat mit dem vor einem Jahr verabschiedeten Energiegesetz des Bundes die Stossrichtung vorgegeben. An diesem Wochenende stimmen die Solothurner nun darüber ab, ob die Vorschriften auch im kantonalen Energiegesetz angepasst werden. Die erneuerbaren Energien werden daher auch beim Entwicklungsgebiet Olten SüdWest immer stärker ein Thema. Die bisherige Überbauung, die 2015 fertiggestellt wurde, wird noch mit Öl beheizt – dies rief auch immer wieder kritische Stimmen hervor.

Das soll für die kommenden Überbauungen anders werden: Wie die Aare Energie AG (a.en) in ihrem Mitarbeitermagazin «Inside» berichtet, prüft der Energieversorger «im Rahmen einer Vorstudie die Realisierung und Wirtschaftlichkeit eines Wärmeverbundes auf Basis der Grundwassernutzung in Kombination mit Erdgas», heisst es in der Ausgabe vom November 2017. Dazu würde das in vier Meter Tiefe gelegene Grundwasser mithilfe eines Wärmetauschers um drei Grad abgekühlt und die gewonnene Energie mittels Wärmepumpen für die Beheizung der Überbauung genutzt.

Um die Spitzenlast abdecken zu können und um mit den Wärmepumpen nicht hohe Vorlauftemperaturen fahren zu müssen, würde zusätzlich Erdgas oder Biogas eingesetzt. «Es wäre das gleiche Grundwasser, welches wir im Pumpwerk Gheid als Trinkwasser fördern», sagt a.en-Kommunikationsleiter Beat Erne auf Anfrage. Erste Abklärungen des Energieversorgers hätten ergeben, dass der Kanton dieses Projekt begrüssen würde.

Ebenfalls gut an käme ein solcher Wärmeverbund bei den Fachleuten. «Eine solche Lösung ist eine Win-win-Situation für alle», sagt Energiespezialist Rolf Brunner von der Firma Brunner Engineering AG aus Olten. Zwar seien die Investitionskosten etwas höher als etwa bei herkömmlichen Ölheizungen, doch dank tieferen Nebenkosten sind diese bald einmal amortisiert. «Für solche Gebäude ist das heute bereits eine bewährte Lösung», sagt Brunner und erwähnt etwa die Fachhochschule, die ebenfalls so beheizt wird. «Ich habe schon damals nicht begriffen, dass man bei der ersten Überbauung in Olten SüdWest noch auf Öl setzte», sagt Brunner.

Ölheizungen bleiben möglich

Sigmund Bachmann von der Areal-Eigentümerin Terrana AG Rüschlikon zeigt sich offen für einen Wärmeverbund. «Wenn es machbar ist, ergibt es Sinn, die Wärme des Grundwassers zu nutzen», sagt er auf Anfrage. Die Frage sei, ob der Grundwasserstrom genügend gross wäre für so viele Wohnungen, Büros und Gewerbe. Ein Versprechen abgeben, künftig nicht mehr auf konventionelle Heizungen zu setzen, um allenfalls fehlende Wärme zu liefern, kann er daher noch nicht. Im Gespräch bezüglich eines Wärmeverbunds war Bachmann neben der a.en auch mit der AEW Energie AG mit Sitz in Aarau. Wer zum Zug kommen könnte, ist bisher aber nicht entschieden.

Auch die Stadt Olten hat «ein starkes Interesse» daran, dass es eine Lösung mit dem Wärmeverbund und damit möglichst mit erneuerbaren Energien gibt, sagt Stadtpräsident Martin Wey auf Anfrage. Derzeit ist die Baudirektion mit Fachleuten daran, den Gestaltungsplan mit Sonderbauvorschriften zu überarbeiten. Wie bereits in der Infoveranstaltung zum Masterplan vergangenen Herbst erwähnt, soll ein bestimmter Jahresenergieverbrauch pro Quadratmeter vorgegeben werden, der nicht überschritten werden darf. Ein solcher Wert liesse zwar offen, wie die künftigen Überbauungen beheizt würden, aber für nicht-erneuerbare Energien wie Ölheizungen würde es deutlich schwieriger, zum Zug zu kommen.

Das heisst aber nicht, dass fossile Energieträger verunmöglicht würden. Wird etwa die Energiegesetzrevision an diesem Wochenende angenommen, gibt es neu eine gewichtete Energiekennzahl. Diese berücksichtigte ein Gebäude als Gesamtsystem mit allen Energieträgern. So dürfte bei einer Überbauung mit niedrigem Bedarf «problemlos fossile Energie eingesetzt werden», wie es im Infobüchlein zur Abstimmung heisst. Je grösser hingegen der Energieverbrauch ist, desto «bedeutender wird der Einsatz von erneuerbaren Energien», schreibt der Kanton darin weiter. Auf Olten SüdWest übertragen heisst dies: Falls der Energiebedarf der Überbauungen dank guter Isolierung niedrig gehalten werden kann, sind auch künftig Ölheizungen nicht von vorherein ausgeschlossen.