Olten
Das Goldene Dach glänzt nicht mehr – der Fall ist für die Stadt abgeschlossen

Es gehörte einst zu den Attraktionen der Stadt Olten; das Haus mit dem Goldenen Dach im Hinteren Steinacker. Jetzt ist der Glanz weg, den einst gar das Bundesgericht in Lausanne beschäftigt hatte.

Fabian Muster
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Der Rechtsstreit ums Goldene Dach beginnt am 23. Dezember 2007 mit dem ersten Baugesuch. Dieses wird von der Baukommission im April 2008 mit Auflagen bewilligt. Der Bauherr reicht die Ausführungspläne zur Kontrolle und Genehmigung ein. Dort ist ein Dach vermerkt: «Metallblech, Legierung Kupfer Alu, Farbe: Materialfarbe Natur, unbehandelt matt»
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2010 widerruft das kantonale Bau- und Justizdepartement die Baubewilligung vom 14. April 2008 und ordnet die Beseitigung bzw. den Rückbau der Lukarnen auf die gesetzlich vorgegebene Grösse an.
2011 fordert die Baukommmission, dass die Blecheindeckung angepasst werde. Der Bauherr erhebt Beschwerde beim Bau- und Justizdepartement, scheitert jedoch.
Im Juli 2013 entscheidet das Verwaltungsgericht: Der Bauherr muss die beiden Lukarnen im Dach massiv verkleinern und das ganze Golddach mit einem matten Farbanstrich weniger auffällig machen.
Die Eigentümer der Liegenschaft ziehen den Entscheid vor Bundesgericht. Dort heisst es im Mai 2015: Die Dachkonstruktion muss in verschiedenen Punkten an das ursprünglich bewilligte Baugesuch angepasst werden.
Die städtische Baukommission erlässt eine Verfügung, dass die Hausbesitzer unverzüglich ein Baugesuch einreichen müssen. Dieses wird jedoch wegen Überschreitung der Gebäudehöhe abgelehnt. Ein neues Baugesuch sollte bis November 2016 eingereicht werden – Beschwerde der Besitzerschaft.
Oktober 2017: Das Bau- und Justizdepartement gibt der Baukommission Recht. Das Baugesuch zur Beseitigung der Lukarnen soll «ohne Verzug» eingereicht werden.
Im August 2018 wird erlassen, dass bis Ende November 2018 die beiden Lukarnen zurückgebaut oder verkleinert werden müssen und das golden glänzende Dach mit Kaliumbisulfit behandelt werden muss, damit es danach bräunlich erscheint.
Die Hausbesitzer in Olten reichen das verlangte Baugesuch zwar ein, gehen aber gegen die Verfügung der Baukommission vor. Bisher sei von der Behandlung der Fassadenelementen keine Rede gewesen. Goldenes Dach Dacherl Olten Fussgängerbrücke Aare Olten Bundesgerichtsurteil Bundesgerichtsentscheid
Im Januar 2019 erzielen die Eigentümer einen Teilerfolg: Der Kanton hebt den Entscheid der Baukommission, auch die Giebelfelder mit Kaliumbisulfit nachzubräunen, auf. Die Stadt Olten akzeptiert den Entscheid.
Bis Ende Juni 2019 sollten die geforderten Änderungen umgesetzt werden. Die Anpassungen beginnen allerdings in Absprache mit der Baudirektion mit Verzug.
Die Baukosten für die Anpassungen betragen rund 350'000 Franken.
Rechtsstreit ums Goldene Dach in Olten
Die Lukarnen sind kleiner, das Dach wurde brüniert und soll künftig keine Blendwirkung mehr haben.

Der Rechtsstreit ums Goldene Dach beginnt am 23. Dezember 2007 mit dem ersten Baugesuch. Dieses wird von der Baukommission im April 2008 mit Auflagen bewilligt. Der Bauherr reicht die Ausführungspläne zur Kontrolle und Genehmigung ein. Dort ist ein Dach vermerkt: «Metallblech, Legierung Kupfer Alu, Farbe: Materialfarbe Natur, unbehandelt matt»

Bruno Kissling

Der Fall Goldenes Dach ist aus Sicht der Stadt Olten bald abgeschlossen: Die Eigentümer der Liegenschaft am Hinteren Steinacker 9 in Olten haben das bisher golden glänzende Dach brünieren lassen, damit die Kupferlegierung nicht mehr blendet. Zudem wurden die beiden Lukarnen auf das rechtlich zulässige Mass zurückgebaut. Die Arbeiten haben Ende Juni begonnen und wurden vor kurzem fertiggestellt. Die Frist zur Anpassung lief eigentlich Ende Juni dieses Jahres ab. Die Verzögerung war mit der Baubehörde allerdings abgesprochen (wir berichteten).

Die Baukommission habe das matter gestaltete Dach bereits abgenommen, sagt Baudirektionsleiter Kurt Schneider auf Anfrage. Der Zweck der Behandlung mit Kaliumbisulfit, den Glanz zurücknehmen, werde erfüllt. Noch nicht definitiv klar ist hingegen, ob die beiden Lukarnen den geometrischen Vorgaben im Baugesuch entsprechen. Die Stadt wartet noch auf die Bestätigung des Geometers. Diese sollte aber demnächst eintreffen.

Damit endet ein jahrelanger Rechtsstreit, der im Dezember 2007 mit dem ersten Baugesuch begann und im Mai 2015 selbst das Bundesgericht beschäftigte: Dieses lehnte eine Beschwerde der Eigentümer mit 2 zu 3 Stimmen ab. Doch auch diese haben einmal recht erhalten: Die städtische Baukommission verlangte im Juni 2018, dass auch die golden glänzenden Abdeckungen bei der Giebelfassade inklusive Balkone matter gestaltet werden müssten. Eine Beschwerde der Eigentümer hiess der Kanton gut, weil bis dahin nie davon die Rede war.

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