Wangen bei Olten

Das Ferne ist nicht weit weg: Buch einer Maturandin lädt ein, nahe Naturschätze zu entdecken

Der Creux du Van, im Kanton Neuenburg: ein imponierender Anblick, keine 100 Kilometer von Olten entfernt.

Der Creux du Van, im Kanton Neuenburg: ein imponierender Anblick, keine 100 Kilometer von Olten entfernt.

Die Maturandin Celia Hug aus Wangen bei Olten publiziert ein Buch zu Schweizer Landschaften, die Ähnlichkeiten zu fernen Panoramen aufweisen.

Weite? Wer stand schon mal vor einem Flughafen-Check-in und sah sich schon weg, bei den sonngebrannten Felswänden des Grand Canyon im US-Bundesstaat Arizona, um dort seine Alltagssorgen im Abgrund zu werfen? Das Bedürfnis, zu entkommen, fasst die Maturandin Celia Hug aus Wangen bei Olten in folgenden Worten zusammen:

«Alle wollen es, weit hinaus in die weite Welt. Neue Kulturen und Landschaften kennen lernen. Wir steigen ins Flugzeug und es dauert wenige Stunden, bis wir am anderen Ende der Welt sitzen. Der weisse Strand und das türkisfarbene Meer glitzern im Sonnenlicht. Erfüllt von Gelassenheit können wir endlich abschalten und unseren stressigen Alltag zurücklassen.»

Doch sie weiss auch: Ferne bedeutet fliegen, bedeutet Luftverschmutzung, Erderwärmung, Konsumgesellschaft. Deshalb schreibt sie weiter:

«Doch das geht auch anders. Das Gefühl des Wegseins, der Abgeschiedenheit vom Alltäglichen findet man auch auf nahem Weg.»

Celia Hug, Maturandin aus Wangen bei Olten

Celia Hug, Maturandin aus Wangen bei Olten

Der Grand Canyon liegt bei Noiraigue

Celia Hug will in ihrem Buch «Suche Fern. Finde Nah.» aufzeigen, dass man nicht 9000 Kilometer weit fliegen muss, um eindrückliche Felswände zu sehen, sich fern von Zuhause fühlen – «weit weg von verbauten Strassen und lärmigem Autoverkehr». Dafür genügt es, mit dem Zug die 214 Kilometer (hin und zurück) von Olten bis Noiraigue im Kanton Neuenburg zurücklegen, wo die 160 Meter hohen Felswände des Creux du Van sich über einen Kilometer lang erstrecken, inmitten der mystischen Wäldern des Juragebirges und Steinböcke.

Der Creux du Van

Der Creux du Van

  

Vom Plaun la Greina zum Lavaux

Anhand mehrerer solcher Beispiele zeigt sie, dass das Ferne auch ganz nah sein kann: statt dem mongolischen Plateau die Plaun la Greina im Tessin, statt den kanadischen Nationalpark den eigenen im Graubünden, statt Weinbaugebiete im südlichen Spanien die von Charles Ferdinand Ramuz gelobten Weinberge des Lavaux. Sechs verschiedene Orten beschreibt sie, gibt Tipps zu den touristischen Attraktionen, Angaben zu den gemachten Wanderungen und begleitet das Ganze mit wissenschaftlichen Aspekten zur Erderwärmung und nachhaltigem Reisen.

Die Weinreben vom Lavaux

Die Weinreben vom Lavaux

  

Hier liegen die von Celia Hug bereiste Orte:

Mit ihrem Maturaprojekt verbindet die 18-Jährige damit ihre Leidenschaft fürs Wandern, ihre fotografischen und gestalterischen Talente und ihre politischen Überzeugungen: «Ich bin in die Klimabewegung etwas hineingerutscht. Mir war wichtig, etwas in dieser Richtung zu bewirken.» Vergangenes Jahr, als es darum ging, ein Thema für die Maturaarbeit zu setzen, stellte sie sich folgende Fragestellung: «Was suchen Leute immer so weit weg, obwohl sie die Schönheit des eigenen Landes manchmal kaum kennen?»

Die Plaun la Greina in den Kantonen Graubünden und Tessin.

Die Plaun la Greina in den Kantonen Graubünden und Tessin.

Sie fing an, mit den Gegensätzen zu spielen – die Eiswüste der Pole und jene der verbliebenen Gletschern in der Schweiz, die Majestät peruanischer Wasserfälle mit jener alpiner Gewässer. Dabei ging es ihr nicht darum, aufzuzeigen, dass alles gleich aussieht und dass man gar nicht mehr weggehen soll: «Vielmehr ist es eine Chance, dass wir auch ganz nah unberührte Natur geniessen können. Ich will mit diesem Buch aufzeigen, dass das Schöne auch vor der Haustüre liegt.» Gerade dieses Jahr, wo Auslandsreisen wegen der Coronapandemie eingeschränkt sind, biete es sich besonders an, die eigenen Naturschätze zu entdecken.

Der Moirygletscher

Der Moirygletscher

Und so ist ihr Buch «Suche Fern. Finde Nah.» entstanden. Umgesetzt hat sie alles selber – von den Texten zu den eindrücklichen Fotos bis hin zu den sorgfältig erstellten Zeichnungen und das ansprechende, luftige Layout. Eine beträchtliche Arbeit: «Die Anzahl Stunden, die ich dafür aufgewendet habe, haben den Rahmen einer gewöhnlichen Maturaarbeit völlig gesprengt.» Doch es hat sich gelohnt: Ihre Arbeit steht im Finale des Projekts «Zukunft schreiben», ein Wettbewerb des Ökozentrums für Maturaarbeiten im Bereich Nachhaltigkeit. Die Auszeichnung findet am 3. September im Rahmen des Faktor-5-Festivals der sun21 statt.

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