Wer im Februar geboren wurde, ist automatisch ein Fasnachts-Kind. Ihnen liegt das Fieber dieser fünften Jahreszeit seit der Geburt einfach im Blut. So geht es zumindest mir, denn ich bin eines dieser Fasnachts-Kinder. Früher fand ich das zwar nicht so toll und war stets neidisch, wenn meine Schulgspändli eine coole Grillparty veranstalteten und wir draussen Versteckis oder Räuber und Poli spielten. Dafür tummelten sich auf meinen Geburtstagspartys immer zahlreiche Prinzessinnen, Cowboys, Indianer und Piraten. Weil mir das Fasnachts-Fieber in die Wiege gelegt wurde, schmiss ich nämlich immer meine eigene kleine Kostüm-Party.

In all den Jahren scheint sich nicht viel verändert zu haben. Denn auch mit 25 Jahren feiere ich meinen Geburtstag noch kostümiert. Es hat sich beinahe schon zu einer Tradition entwickelt, dass ich mich mit meinen Freunden unter die zahlreichen Masken an der

Naarenparty in Olten mische und dort ordentlich auf den Putz haue.

Oltner Naareparty 2018

Oltner Naareparty 2018

Ein bunt gemischter Haufen

Eigentlich lasse ich mich aber nicht als mich selbst feiern, sondern als La Catrina, einer Skelett-Frau, die symbolisch für den mexikanischen Feiertag Tag der Toten gilt. Und diejenigen, die mir das Geburtstagslied singen, sind auch nicht wirklich meine Freunde, sondern eine weitere Skelett-Braut, ein paar süsse Cupcakes, zwei Rennstrecken, ein Polizist sowie Batman und Robin. Dieser bunte Haufen begleitet mich an diesem Abend durch den Maskenball, der für viele in meinem Alter das Highlight der Fasnacht darstellt.

Vor der Party treffen wir uns zuerst alle bei mir, damit wir unsere Kostüme gemeinsam anziehen können. Beinahe eine ganze Stunde brauchen wir für unser Make-up. «Nächstes Jahr verkleiden wir uns als etwas, wofür wir uns nicht schminken müssen», erklärt meine Freundin mittlerweile leicht entnervt, nachdem ihr die Haare zum gefühlten hundertsten Mal ins Gesicht fallen und die Schminke wieder verwischen. Doch am Ende  hat sich die Mühe sichtlich gelohnt und wir sind beide zufrieden mit dem Resultat. «Wir gewinnen sicher den ersten Preis», sage ich zuversichtlich, als wir uns auf den Weg nach Olten machen.

Kreative Kostüm-Ideen

Doch kaum sind wir im Oltner Stadttheater angekommen, schwindet meine Hoffnung. Da gibt es Fasnächtler, die sich mit viel Aufwand als Blumentöpfe verkleidet haben, Eisköniginnen, deren Kronen sogar leuchten und bunte Stabilostifte. «Gegen die haben wir keine Chance», bemerke ich und meine Hoffnung schwindet. Es kommt, wie es kommen muss: Die Stifte gewinnen den zweiten Preis.

Den ersten Preis verleiht Obernaar Rahel einem Beichtstuhl, der mir ebenfalls bereits im Verlaufe des Abends aufgefallen ist. «Ich dachte, der gehört zur Dekoration des Stadttheaters», rufe ich erstaunt über den Applaus und die wieder einsetzende Musik hinweg. Trotzdem fühle ich mich nicht als Verliererin. Denn inmitten so vieler kreativer Larven und bei so ausgelassener Stimmung den Geburtstag feiern zu können, hat schon was.

Und so ist es bereits früher Morgen, als mein Kostüm-Gspändli und ich die Naarenparty wieder verlassen. Mein Bruder als Batmans Gehilfe Robin verkleidet, begleitet uns. Seine aufgepumpte Brust wirkt zu dieser späten Stunde beruhigend beschützend. Auf dem Weg zum Bahnhof fallen wir beinahe noch über einen anderen Superhelden, der vor dem Stadttheater am Boden liegt. Scheint, als hätte er im Alkohol sein Kryptonit gefunden.

Erschöpft vom ausgiebigen Feiern taumeln wir in den Bus. Die diesjährige Naarenparty ist zwar erst vorbei, aber ich überlege mir jetzt schon, in welches Kostüm ich im nächsten Jahr schlüpfen werde, wenn ich meinen Geburtstag wieder am Oltner Maskenball feiere.