Villa Kunterbunt
Das bunteste Haus der Schweiz steht in Olten

Die Villa Kunterbunt direkt neben den SBB-Gleisen am Vorderen Steinacker 10 in Olten hat sich dank ihrer Besitzerin vom Mauerblümchen zur Farbenkönigin gemausert.

Anja Lanter
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Das Haus ist ein wohltuender Farbtupfer neben den SBB-Geleisen.
5 Bilder
Blick auf Haus und Vorgarten
Villa Kunterbunt in Olten
Das Badezimmer – buntes Eldorado für Wassernixen
Nicole Maurer und ihre Katze fühlen sich in der Villa Kunterbunt pudelwohl.

Das Haus ist ein wohltuender Farbtupfer neben den SBB-Geleisen.

Bruno Kissling

Von den Leuten wird es Schlumpfhaus, Legohaus oder Villa Kunterbunt genannt – das schmucke Gebäude direkt neben den SBB-Geleisen am Vorderer Steinacker 10, welches allem Anschein nach einmal in einen Farbtopf gefallen sein muss.

Die blaue Fassade, die roten Dachziegel, gelben Fensterläden sowie fantasievollen Mosaikverzierungen im Innen- und Aussenbereich suggerieren, dass es die Bewohnerin ganz schön bunt mag – so bunt sogar, dass das Gebäude kürzlich von der 20-Minuten-Leserschaft zum farbenfrohsten Haus der Schweiz gekürt wurde.

In Eigenregie Haus renoviert

Wie erwartet, steht Besitzerin Nicole Maurer ganz und gar nicht auf Eintönigkeit. «Ein farbiges Haus verströmt gute Laune und ist um ein Vielfaches individueller», schwärmt die 38-jährige Sozial- und Gestaltungspädagogin. Die Geburtsstunde ihrer Villa Kunterbunt datiert ins Jahr 2004. Damals hat sie das Haus im Rahmen einer Ausschreibung zum ersten Mal gesehen und sich in dieses trotz des sanierungsbedürftigen Zustands sofort verliebt. «Mir war schnell klar, dass ich das Haus wollte», erzählt sie. Die Verwandlung vom Mauerblümchen zur Villa Kunterbunt konnte somit beginnen: Mithilfe ihrer Eltern – Vater und Mutter waren beide im Baugeschäft tätig – hat Nicole Maurer das Haus innert vier Monaten renoviert und ihm einen neuen Anstrich verpasst. «Ich habe mir gedacht ‹Das ganze Quartier ist so grau› und den Mut aufgebracht, meinem neuen Heim Farbe zu verleihen. Um geltende Vorschriften habe ich mich nicht einmal gekümmert», blickt Maurer zurück.

Dass die Buntheit sprichwörtlich nicht nur Fassade, sondern auch generell Motto ist, merkt man spätestens beim Anblick des Innenbereichs: Die passionierte Mosaikgestalterin hat mit den kleinen Steinen und viel Liebe zum Detail eine schillernde Welt geschaffen, die sich vom Wohnraum bis hin zum Badezimmer erstreckt. Das Haus fristet also definitiv kein unscheinbares Dasein neben den SBB-Geleisen.

Nach wie vor begeistert

Im Gegenteil, vielmehr erregt die Villa Kunterbunt Aufmerksamkeit – und evoziert ausschliesslich positives Feedback. «Es hat keine einzige negative Reaktion gegeben. Die Leute freuen sich primär über diesen Farbtupfer.» Ein Nachbar habe ihr zur Einweihung sogar in Anlehnung an einen der Kosenamen einen Kinderlegobausatz geschenkt, erinnert sich Maurer und schmunzelt. «Spannend dünken mich ausserdem die Reaktionen von Passanten, die oftmals stehen bleiben und mutmassen, wer denn wohl in diesem Haus lebt. Deren Hauptthese ist, dass es sich um eine Kinderkrippe handle.»

Nein, eine Kinderkrippe ist die Villa Kunterbunt nicht, obwohl sich Kinder in diesem Bijou eines Hauses sicherlich pudelwohl fühlen würden, was bei Nicole Maurer zweifellos der Fall ist. Aber wie ist es eigentlich zur für sie so bedeutsamen Farbgebung gekommen? «Ausschlaggebend war die Farbkombination. Ich habe Pläne gezeichnet und sie dann mit Buntstiften ausgemalt, wobei ich sicherlich 20 Varianten ausprobiert habe. Es hat sich dann herausgestellt, dass die Farben blau und gelb am besten zusammenpassen.» Und auch jetzt, einige Jahre später, steht Maurer hinter dem Gestaltungskonzept – «verleidet ist es mir nicht und dies wird sich auch nicht ändern», betont sie.

So ist das Projekt Farbgebung in der Villa Kunterbunt (zumindest was die Fassade angeht) zwar abgehakt. Dennoch hofft Maurer, dass es in der Umgebung auch in Zukunft bunt zu und hergehen wird: «Ich freue mich sehr darüber, dass die Leute ihre Häuser immer farbenfroher anstreichen.» Wer weiss, vielleicht wird Olten sogar einmal zum Mekka der Regenbogenhäuser?

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