Ein Bilderbuch zum Chinesisch lernen, ein türkischer Liebesroman oder ein englischer Krimi. In der neu aufgestellten roten Holzbox in der Jugendbibliothek Olten tummeln sich Bücher unterschiedlichster Genres und Sprachen. Geht es nach Yabgu Ramazan Balkaç, dem Präsidenten des Vereins Interkulturelle Bibliothek Olten (Ikubo), stehen schon bald mehrere dieser sogenannten Ikuboxen in der Region.

2017 war ein hartes Jahr für Ikubo. Die fehlende finanzielle Unterstützung von Stadt und Kanton führte zur Schliessung der Bibliothek beim Begegnungszentrum Cultibo. Doch der Verein lebt weiter. Der zum Präsidenten wiedergewählte Balkaç präsentierte an der jüngsten Generalversammlung neben dem neuen Motto «Nicht der Leser kommt zum Buch, sondern das Buch kommt zum Leser», auch gleich das neue Konzept.

Bisher zwei Ikuboxen aufgestellt

Mit den offenen Bücherschränken lanciert Ikubo zahlreiche Mini-Bibliotheken. Die roten Holzboxen sind rund einen Meter hoch und sollen überall in der Region platziert werden. «Klein, aber chic», charakterisiert Balkaç die Bücherboxen. Zwei sind bereits aufgestellt. Neben jener in der Oltner Jugendbibliothek steht eine weitere im Alten Schulhaus in Dulliken.

Rund 30 Bücher haben jeweils darin Platz. «Man kann sich eines nehmen, es lesen und dann in eine beliebige Box zurückbringen», erklärt Balkaç. Je mehr Mini-Bibliotheken aufgestellt werden, desto einfacher ist es für die Leser, die Bücher zurückzubringen. Der Inhalt der Boxen stammt aus dem Bestand der Ikubo. Dieser ist nach der Schliessung der Bibliothek im Herbst 2017 eingelagert worden.

Für die Anfangsphase des Pilotprojekts hat der Verein 5 Ikuboxen produzieren lassen und 15 weitere in Auftrag gegeben. Damit sie aufgestellt werden können, benötigt Balkaç Sponsoren. «Wir sind auf finanzielle Hilfe angewiesen und dankbar für jeden, der die Patenschaft für eine Bücherbox übernimmt», sagt er. Knapp 600 Franken kostet das Sponsoring.

Momentan ist Balkaç auf der Suche nach Firmen und Privaten, die als Pate eine Box mitfinanzieren. Für den Beginn werden die meisten Holzquader wohl in öffentlichen Einrichtungen platziert. Eine Ikubox im Oltner Stadtpark als belebendes Element wäre zwar Balkaçs «Idealvorstellung», zumal die Mini-Bibliothek wetterfest ist.

Doch aus Angst vor Vandalismus will der Ikubo-Präsident abwarten, wie das Projekt anläuft, bevor er sich mit den roten Bücherboxen auch auf öffentliche Plätze wagt. Läuft es gut, hofft Balkaç, die offenen Bücherschränke schon bald im ganzen Kanton Solothurn zu verteilen. Eine App soll dann die Standorte anzeigen, damit die Leser stets wissen, wo sich die nächste Ikubox befindet.