Transportpolizei SBB
Das 27. Polizeikorps der Schweiz – in Olten laufen die Fäden zusammen

Die Transportpolizei der SBB kontrolliert Personen, darf Leute verhaften und arbeitet eng mit den anderen Polizeien zusammen – ein Augenschein in der neuen Einsatzleitzentrale an der Gösgerstrasse in Olten, wo schweizweit die Fäden zusammenlaufen.

Rahel Bühler
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Einsatzleitzentrale der Transportpolizei SBB in Olten
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In der Betriebszentrale Mitte in Olten, wo der Bahnverkehr überwacht und gesteuert wird, ist auch die Zentrale der Transportpolizei untergebracht.
Stephan Zemp und Daniel Bernasconi von der Transportpolizei der SBB.
Auf der Bildschirmwand kann der diensthabende Polizist seinen Aufgabebereich überblicken.
Die Übersicht über die Aufnahmen von Überwachungskameras erlaubt das Kontrollieren von neuralischen Punkten.

Einsatzleitzentrale der Transportpolizei SBB in Olten

Remo Fröchlicher

Jeder Kanton hat eines und die meisten Städte auch: ein Polizeikorps. Auch die Schweizerischen Bundesbahnen haben eines: die Transportpolizei (TPO). Sie wurde 2011 gegründet, ist ein Abkömmling der Bahnpolizei und war seither an der Dornacherstrasse in Olten stationiert. Seit nunmehr einem Monat hat sie einen neuen Standort für ihre Einsatzleitzentrale: die Betriebszentrale Mitte der SBB an der Gösgerstrasse in Olten. Das Kommando der TPO befindet sich in Bern.

Betriebszentrale Mitte: Kontrolle über 750 Kilometer Bahnnetz

Das Schweizer Schienennetz wird von vier Betriebszentralen gesteuert. Von der Betriebszentrale Mitte wird das Mittelland inklusive den Städten Bern, Basel, Olten und Luzern sowie der Zulauf von Gotthard und Lötschberg gesteuert. Das sind 750 Kilometer Bahnnetz, 188 Bahnhöfe, 2850 Weichen und 3050 Signale. Von der BZ Mitte werden 200 bis 250 Züge pro Stunde überwacht und gesteuert. Den 350 Mitarbeitenden stehen dafür 500 Rechner und Server zur Verfügung.

Beim Eingang werden wir, das Reporterteam vom OT, bereits erwartet. Vor drei grossen Drehtüren werden uns Badges in Kreditkartenformat gegeben, inklusive Vor- und Nachname drauf. Bevor die Drehtüren passiert werden können, muss der Badge an einen Sensor gehalten und ein Code eingegeben werden. Erst dann öffnet sich der vordere Teil der Tür.

«Sie müssen genau auf den grünen Punkt in der Mitte stehen, sonst geht die Tür auf der anderen Seite nicht auf», weist uns Stephan Zemp, der uns zusammen mit Kollege Daniel Bernasconi durch die Zentrale führen wird, an. Gesagt, getan. «Wird man da drin durchleuchtet?», frage ich im Anschluss. «Nein, der Sensor erkennt lediglich, ob mehrere Personen drinstehen», lautet die Antwort. Ob dies auch funktioniere, wenn jemand jemand anderen Huckepack nimmt, wüssten sie allerdings nicht.

Einmal rechts, dann links und schon befinden wir uns in der Einsatzleitzentrale der Transportpolizei. An der Wand auf der linken Seite hängen überdimensionale Bildschirme, auf denen Schweizer Karten oder Kameraaufnahmen zu sehen sind. Im Raum sind sieben Arbeitsplätze mit mindestens genauso vielen Bildschirmen pro Platz verteilt.

Eine Zentrale für die ganze Schweiz

Hier kommt alles zusammen, alle Notrufe, alle Informationsbegehren. Hier tanzt der Transportpolizei-Bär. Im letzten Jahr wurden hier 160 000 Telefonate geführt. Es gibt drei verschiedene Nummern, die hier zusammenlaufen: Der öffentliche Kunden-Notruf, jener, den die anderen Polizeikorps benutzen, und eine Nummer für das Personal der SBB. Priorität hat die Entgegennahme von Notrufen.

«Jemand, der in einem Zug, der weggestellt wurde, eingeschlafen ist, ruft uns an», weiss Bernasconi. Oder jemand, dem verdächtig-verhaltende Personen in einem Zug oder an einem Bahnhof aufgefallen ist.

Die Polizisten, die hier arbeiten, nehmen die Anrufe entgegen und organisieren Hilfe. Dies kann durch Abklärungen direkt am Telefon sein. «Oft erfragen die Polizisten im Ausseneinsatz Personalien von zu kontrollierenden Personen», erläutert Daniel Bernasconi. «Wir vermitteln Sicherheit durch Präsenz», sagt Stephan Zemp. Bei Notrufen wird die nächstgelegene Patrouille zum Brennpunkt geschickt.

Betrieben wird die Zentrale 24 Stunden, jeweils mit unterschiedlicher Besetzung. Bei unserem Besuch an einem Dienstagvormittag sind drei Plätze besetzt, es ist nicht viel los. «An einem Samstagabend geht es hier ganz anders zu und her», erklärt Stefan Zemp.

240 Mitarbeitende

«Die Spezialität unserer Mitarbeiter in der Zentrale ist, dass alle dreisprachig sind.» Weil die TPO zentralisiert agiert, bedient sie alle drei Landesteile, in denen die SBB tätig sind. Neben der Einsatzleitzentrale gibt es zwölf Stützpunkte in der ganzen Schweiz. «Dort beginnen und beenden die Polizisten ihre Schicht und schreiben die Rapporte», weiss Daniel Bernasconi.

240 Mitarbeitende hat die TPO, 200 davon sind bewaffnete Polizisten im Ausseneinsatz. Die Polizeipatrouillen, welche allesamt mit GPS ausgestattet sind, führen Personenkontrollen durch, beantworten Fragen von Passanten und dürfen fehlbare Personen auch verhaften. «Im Grunde haben sie ähnliche Aufgaben wie die anderen Polizeikorps», sagt Bernasconi. So arbeite man auch eng mit diesen zusammen und verstärke einander. Etwa bei Fahndungen oder bei Grossanlässen wie der Luzerner Fasnacht. Wie siehts denn mit der Oltner Fasnacht aus? «Da braucht's keine Verstärkung», berichtet Bernasconi lächelnd.