Der Verein insieme, vormals «Vereinigung zur Förderung von geistig Invalider und Cerebralgelähmter» wurde vor 50 Jahren von Eltern mit behinderten Kindern gegründet, um als Gruppe besser für ihre Anliegen einstehen zu können. Der Elternverein veranstaltet morgen Sonntag zu seinem Jubiläum eine Kino-Matinée mit dem Film «Drei Brüder à la carte» von der Regisseurin Silvia Häselbarth.

Über den Film und vor allem über die Organisation erzählt die Präsidentin von insieme Olten, Sandra Näf. Sie ist seit etwa sieben Jahren als betroffene Mutter Mitglied von insieme Olten. Aus der Vereinigung insieme Olten ist auch die Arkadis Stiftung entstanden. Diese ist im Gegensatz zur insieme ein Dienstleistungs- und Fachzentrum für behinderte Erwachsene und Jugendliche mit den Kerndienstleitungen Wohnen, Arbeit und Freizeit sowie Therapie und Beratung. insieme ist dagegen ein Verein für betroffene Angehörige, die sich für die Anliegen ihrer Verwandtschaft einsetzen wollen. «Der Verein und die Stiftung arbeiten sehr nah zusammen, die Mehrheit der Arkadisstiftungsräte stellt immer noch insieme», so Näf.

Seit den letzten Jahren entwickelt sich allerdings ein Nachwuchsproblem, wie die Oltnerin bedauert: «Wir haben leider sehr wenige junge Eltern bei insieme.» Mittlerweile seien die Sozialsysteme sehr weit ausgebaut. Deswegen würden die meisten betroffenen Eltern keinen Grund mehr sehen, sich zu engagieren. Es sei eine gute Sache, dass die Sozialsysteme mittlerweile so viel bieten. Doch auch Engagement sei wichtig: «Die kürzlich beschlossenen Sparmassnahmen vom Kanton sind für uns ein Problem. Wir versuchen zu sensibilisieren, dass irgendwann einfach nicht mehr gespart werden kann. Ein Beispiel: Behinderte Erwachsene, die Unterstützungsleistungen beziehen, bekommen monatlich einen Freibetrag von 410 Franken, also rund 4900 Franken im Jahr. Damit sollen Freizeitkosten gedeckt werden, wie etwa Kleider, Ferien oder Kosmetik. Das ist so schon nicht sehr viel Geld, um die Bedürfnisse abzudecken. Doch da soll noch weiter gespart werden. Darauf angesprochene Politiker vertrösten einen dann meistens», erklärt die 49-Jährige besorgt.

Für sie ist vor allem wichtig, dass die Menschen offen aufeinander zugehen und sich akzeptieren. «Ich wünsche mir, dass die Organisation mit diesem Gedanken von jungen Eltern weitergetragen wird.» Auch die Integration in die Arbeitswelt sei eine besonders schwierige Prozedur: «Wir haben sehr viele Leute, die bereit wären, behinderte im Arbeitsalltag zu begleiten.» Leider würden nur sehr wenige Arbeitgeber dabei mitmachen, weil sie den Mehraufwand fürchten. Schon zwei bis drei Stunden in einem Coiffeursalon beim Fegen zu helfen würde helfen. Es gäbe zwar Organisationen, deren Haupttätigkeit das Vermitteln solcher Jobs ist, aber das koste auch wieder Geld.

Film über besonderes Restaurant

«Wir haben beim Film selber nicht mitgewirkt», erzählt Näf. «Die Regisseurin hatte von einem Restaurant gehört, welches von drei ungleichen Brüdern geführt wird. In besagtem Restaurant kocht Markus Wicki als Küchenchef gemeinsam mit seinen Brüdern Andreas und Thomas, die beide mit dem Down-Syndrom geboren wurden. Die Regisseurin fand das interessant und beschloss, dort einfach mal Essen zu gehen. Von dem Erlebnis war sie so fasziniert, dass sie über die drei Brüder einen Film drehen wollte.»

Dies sei ein Musterbeispiel für die Integration von Behinderten in den Arbeitsalltag: «Jeder hat in der Küche seine Jobs und das funktioniert wunderbar. Markus Wicki nimmt sich gerne die Zeit für seine Brüder, ebenso wie viele andere.» Leider seien Verwandte meist die einzige Möglichkeit für solche Jobs. Viele Betriebe seien nicht bereit, die nötigen Ressourcen zu stellen.

Der Film «Drei Brüder à la carte» wird am Sonntag um 10 Uhr im Rahmen einer Matinée im Kino Palace Olten gezeigt.