Olten
Dank neuem Finanzierungsmodell treten Kitas nun gleichwertig auf

Ein Jahr nach dem Systemwechsel in Olten ziehen Krippen und Eltern ein Fazit – das fällt aber nicht nur positiv aus.

Sarah Kunz
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Mit der Systemänderung wurden rund 50 neue Betreuungsplätze geschaffen (auf dem Bild die Kinderkrippe Hagmatt).

Mit der Systemänderung wurden rund 50 neue Betreuungsplätze geschaffen (auf dem Bild die Kinderkrippe Hagmatt).

Hansruedi Aeschbacher

Die Stadt Olten hat in der familienergänzenden Kinderbetreuung einen Versuch gewagt: Seit Anfang 2016 wird im Rahmen eines Pilotprojekts die Objektfinanzierung durch eine sogenannte Subjektfinanzierung abgelöst. Die Stadt subventioniert somit nicht mehr die Kinderkrippen direkt, sondern die Familien in Form von Betreuungsgutscheinen, mit welchen ihnen einen Teil der Kosten zurückerstattet wird. Vor einiger Zeit ist nach dem ersten Probejahr ein Bericht erschienen.

Ohne die Betreuungsgutscheine könnten sich gewisse Familien eine Kindertagesstätte nicht mehr leisten und besonders Frauen würden womöglich auf eine Arbeitsstelle verzichten. Mit dem Ziel, Arbeit und Familie zu vereinbaren, hat auch das Gemeindeparlament das Pilotprojekt klar befürwortet und einstimmig angenommen. Im Herbst entscheidet die Politik dann über die definitive Einführung.

Mit der Systemänderung werden Oltner Steuerzahler mit niedrigeren und mittleren Einkommen unterstützt, da diese Betreuungsgutscheine seit dem Anfang 2016 nur an ortsansässige Familien ausgestellt werden. Auswärtige Familien bezahlen nun den Vollpreis für die Kinderbetreuung. Dies führte laut Projektleiter Jan Rechsteiner dazu, dass auswärtige Familien ihren Platz freigaben und sich die Wartezeiten in den Krippen reduzierten.

Mehr Betreuungsplätze geschaffen

Zu den bisher subventionierten Kinderkrippen Sonnhalde, Hagmatt, Schürmatt und Chinderstube stiessen die beiden Neuzugänge Lilly&Lars und SmallWorld. Damit wurden rund 50 Betreuungsplätze für rund 100 Kinder neu geschaffen. Vor allem die neu subventionierte Kinderkrippe Lilly&Lars äussert sich positiv. Vor vier Jahren gegründet und bis vor eineinhalb Jahren noch nicht von der Stadt unterstützt, fühlt sie sich damit den anderen Tagesstätten gleichgestellt. «Jetzt haben wir alle ein gleichwertiges Auftreten», freut sich Geschäftsführerin Corinne Gehrer.

Mit dem Systemwechsel können Krippen die Tagespreise für die Betreuung, welche die Stadt zuletzt auf 96 Franken pro Tag festlegte, nun selbst nach betriebswirtschaftlichen Kriterien bestimmen. Der Tagespreis darf aber höchstens 110 Franken für ein Kind ab 18 Monaten betragen. Aktuell reizen nur die beiden Kitas Sonnhalde und Hagmatt die Obergrenze nicht aus und verrechnen einen Ansatz von 102 Franken pro Tag.

Dem Projekt kritischer gegenüber steht der Präsident der Krippen Sonnhalde und Hagmatt, Franco Giori. Er hofft auf eine schnelle definitive Einführung der Subjektfinanzierung. In den Pilotjahren müssten sich die Krippen mit einer Doppelfinanzierung herumzuschlagen, was die administrative Handhabung noch etwas erschwere. Dies, weil bisherige Familien, welche bereits vor dem Systemwechsel 2016 bei einer Kita angemeldet waren, nach wie vor objektfinanziert werden.

Momentan erhalten erst diejenigen Familien Betreuungsgutscheine, welche sich nach dem Start des Pilotprojekts in einer Krippe angemeldet haben. Gabriela Borer, Krippenleiterin der Schürmatt, macht jedoch noch auf ein weiteres Problem der Systemänderung aufmerksam: «Wir hatten vor allem am Anfang viele Austritte, da Schulkinder nicht mehr subventioniert wurden.» Dies führte zu Änderungen in der Gruppenzusammensetzung, denn neuerdings werden nur noch Kinder bis und mit dem zweiten Kindergartenjahr unterstützt. In einem Punkt sind sich die Krippenverantwortlichen einig: Buchhalterisch ist die neue Lösung um einiges einfacher. Denn die Administrationsaufgaben übernimmt die Gemeinde, da diese den Eltern die Gutscheine ausstellt.

Mit der Umstellung auf die Subjektfinanzierung hat die Stadt auch Tariferhöhungen vorgenommen. Nicht mehr unterstützt werden Familien mit einem Einkommen über 130'000, statt wie bisher über 160 000 Franken. Eine der davon direkt betroffenen Familien ist die von Ex-CVP-Gemeinderätin Sonja Bossart Meier. Anstatt ihre Tochter wie bisher zwei Mal wöchentlich in der Kita betreuen zu lassen, könne sich die Familie jetzt nur noch einen Tag leisten. «Für den Mittelstand ist es natürlich eine grosse Belastung», meint Bossart Meier, die der Subjektfinanzierung ansonsten positiv gegenübersteht.

Daher hofft sie, dass die Tarifanpassung von 160'000 auf 130'000 Franken wieder rückgängig gemacht wird.

Laut dem Bericht der Stadt Olten wäre das Geld dafür vorhanden. Denn obwohl für das Jahr 2016 630'000 Franken budgetiert worden sind, wurden nur 498'540 Franken davon tatsächlich ausgegeben. Im Bereich der Tarife gäbe es laut Rechsteiner noch Potenzial. Darüber abschliessend entscheiden müsse aber die Politik.

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