Einordnung
Dampf aufsetzen und Gas geben

Beat Nützi
Beat Nützi
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Gestaltungsplan für Olten SüdWest liegt zur Zeit öffentlich auf.

Gestaltungsplan für Olten SüdWest liegt zur Zeit öffentlich auf.

Bruno Kissling

Masterplan und Gestaltungsplan für Olten SüdWest, Mobilitätsplan und Parkierungsreglement: In Olten wird tüchtig geplant. Mit dem Mobilitätsplan hat der Stadtrat die Strategie festgelegt, wie er die Funktionsfähigkeit des bestehenden Verkehrsnetzes als zentraler Faktor für die Stadtentwicklung und Standortqualität bis 2030 sicherstellen will.

Indem vermeidbarer Autoverkehr dank attraktiver Angebote auf den öffentlichen Verkehr und den Fuss- und Veloverkehr umgelagert wird, sollen die bestehenden Kapazitäten des Strassennetzes trotz Neuverkehr aus den Entwicklungsgebieten eingehalten werden können.

Durch die Umlagerungen und die Begrenzung des Neuverkehrs soll auf dem bestehenden Strassennetz Raum für den wirtschaftlich notwendigen Autoverkehr entstehen und sollen auch die Busse, für die aus Platzmangel auf den Hauptachsen nicht durchgehende Busspuren erstellt werden können, nicht mehr durch Staus blockiert werden.

Der Teufel steckt im Detail

Mit diesem Mobilitätskonzept will der Oltner Stadtrat die Handlungsstrategien Verkehr des kantonalen Richtplans vom August 2017 umsetzen. Dass bei solchen Planungen der Teufel oft in den Details steckt, haben bereits die Auseinandersetzungen rund um das Parkierungsreglement gezeigt.

Nicht nur, aber speziell in Olten sind die Meinungen nie auf einen Nenner zu bringen, wenn es um Verkehrsfragen und ums Parkieren geht. Welche Dynamik daraus entstehen kann, zeigt sich auch auf der anderen Aareseite beim Projekt Sälipark 2020. Hier geht es unter anderem darum, einen modernen Begegnungs-, Wohn- und Einkaufsort für alle Verkehrsteilnehmer optimal zu erschliessen sowie für den Wochenmarkt eine gute Lösung zu finden. Das bietet reichlich Diskussionsstoff.

Wegweisende Präambel

Seiner Wichtigkeit entsprechend wurde dem Masterplan für Olten SüdWest sogar eine Präamel vorausgesetzt. Schliesslich handelt es sich bei diesem Areal um das grösste Entwicklungsgebiet der Stadt Olten. Hier sollen rund 3000 Wohnungen für 5000 bis 6000 Einwohner entstehen. Die ersten 420 Wohnungen sind realisiert – in einer plattenbauähnlichen Siedlung, wie wir sie aus der ehemaligen DDR kennen.

Das löste Missmut aus und führte auf kooperativem Weg mit der Bauherrschaft zum Masterplan, in dessen Päambel steht: «Es ist das Ziel, Olten SüdWest als Quartier mit jenen spannenden Wohnbauten zu gestalten, die man als BesucherIn gerne anschaut und als BewohnerIn gerne bewohnt.» Mit dem Gestaltungplan, der nun im Entwurf vorliegt, soll dieser Präambel nachgelebt werden.

Mitwirkung der Bevölkerung

Im Rahmen eines Mitwirkungsverfahrens wird die Oltner Bevölkerung bald beurteilen können, ob die Planung der Präambel entspricht. In dieser steht auch geschrieben, dass die Konzipierung eines neuen Stadtgebiets dann am besten gelingt, wenn das Gebiet eine Fortsetzung der bestehenden Stadt darstellt.

Damit wird ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen alter und neuer Bebauung erreicht, mit verbindenden Verkehrsachsen und städtischen Räumen. Gleichzeitig können die neuen Bebauungen die vorhandenen Geschäfte und Dienstleistungsangebote unterstützen, und umgekehrt davon profitieren. Dagegen hat wohl niemand etwas einzuwenden.

Doch auch hier dürfte der Teufel im Detail liegen, zum Beispiel rund um die Anbindung des neuen Stadtteils an die Innenstadt, bei der Infrastruktur- und Mobilitätsplanung, bei der Qualitätssicherung sowie bei der Festlegung des zulässigen Energiebedarfs.

Attraktivität der Stadt steigern

Da bleibt nur zu hoffen, dass alles gut kommt. Vorerst gibt es in Olten reichlich Arbeit und Manna für Grundlagen-Planer. Besser wäre, wenn mehr Projekt-Planer am Werk wären, zum Beispiel für Projekte, die der Attraktivitätssteigerung der Stadt dienten. Denn diesbezüglich besteht Handlungsbedarf.

Nicht nur leere Läden und Schaufenster machen das deutlich. Im neuen Gemeinderating der «Weltwoche» kommt Olten nur gerade auf Platz 481 von 921 untersuchten Gemeinden. Zum Vergleich: Der Kantonshauptort Solothurn liegt auf dem ebenfalls nicht gerade glänzenden Rang 338, aber immerhin 143 Plätze vor Olten. Von einem solchen Rating, das nicht über alle Zweifel erhaben ist, mag man halten, was man will. Falsch wäre jedoch, das Ergebnisse einfach zu ignorieren.

Schliesslich sind alle Teilergebnisse einzusehen (in Klammer Solothurn): Wohnen: Olten Rang 424 (97), Arbeitsmarkt: 577 (413), Bevölkerungsstruktur: 628 (716), Steuerbelastung: 692 (776), Erreichbarkeit: 115 (173), Versorgung: 75 (96), Sicherheit: 786 (873). Die für die Entwicklung der Stadt Olten Verantwortlichen haben zu diesen Rangierungen Fragen zu stellen und Antworten zu finden. Denn solche Erhebungen prägen das Image von Olten mit.

Kulturelle Aushängeschilder

Positive Aufmerksamkeit weit über die Kantonsgrenzen hinaus geniesst die Stadt Olten derzeit durch Grossprojekte und Einzelakteure im kulturellen Bereich: Landesstreik-Theater, Karl’s kühne Gassenschau, Alex Capus, Pedro Lenz. Das ist erfreulich.

Schön wäre, wenn es hier auch andere Aushängeschilder gäbe, wenn Olten zum Beispiel wieder einmal mit einem Coup im wirtschaftlichen Bereich auf sich aufmerksam machen könnte. Daran arbeitet die hiesige Wirtschaftsförderung, etwa mit dem Projekt Swissbiolab, mit dem Start-ups aus dem Bereich Life Science und Diagnostik nach Olten gebracht und damit hochwertige Arbeitsplätze im Bereich Biotechnologie und Diagnostik geschaffen werden sollen.

Die Stadt Olten braucht aber noch mehr innovative Entwicklungsszenarien. Sie ist wie andere Städte vor allem auch herausgefordert durch die digitale Revolution. Wie soll sich zum Beispiel die Innenstadt entwickeln, wenn in der Folge des zunehmenden Onlinehandels Verkaufsläden schliessen? Auf diese und andere Fragen braucht es Antworten. Und: Olten benötigt dringend eine Art Impulsprogramm – Olten muss Dampf aufsetzen und Gas geben.

Umfassende Stadtentwicklung

Der Oltner Stadtrat hat offenbar erkannt, dass der Stadtentwicklung mehr Gewicht verliehen werden muss. Er beantragt eine entsprechende Stelle. Allerdings stellt sich die Frage, ob diese, wie vorgeschlagen, im Bausektor anzusiedeln ist. Mit guten Gründen wurde seinerzeit die Stelle für Stadtentwicklung vom Bauamt ins Stadtpräsidium verschoben.

Dort sollte sie eigentlich auch bleiben. Denn die Hauptverantwortung für die Stadtentwicklung liegt beim Stadtpräsidenten. Eine umfassende Stadtentwicklung betrifft nämlich nicht nur raumplanerische und bauliche Aspekte, sondern speziell auch das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben. Die Herausforderungen sind gross, nicht nur in Olten, wie am Donnerstag am Städtetag in Solothurn zu hören war.

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