Jede Lernfahrerin und jeder Lernfahrer weiss, der Weg zum Führerausweis führt über die MFK. Wer sich ein neues Fahrzeug kauft, muss zunächst beim Schalter der MFK vorbei, um sein Fahrzeug dort anzumelden und sich ein Nummernschild zu holen.

Doch seit wann steht die MFK im Kleinholz-Quartier? Wie und weshalb wird man Verkehrsexperte? Welches sind besondere Herausforderungen?

Die Anfänge

Zwischen den Jahren 1930 und 1950 stand die MFK beim alten Polizeiposten an der Jurastrasse. Ab 1950 fanden sich ihre Räumlichkeiten an der Römerstrasse hinter dem Stadttheater.

«An der Römerstrasse wurde mit einfachen Mitteln geprüft. Damals benutzten die Experten einen einfachen Wagenheber und prüften die Wagen draussen auf dem Trottoir», so Alfred Fluri, Leiter der Fahrzeugzulassungen.

Knapp zwanzig Jahre später stationierte sich die MFK an der heutigen Lage und beschäftigte im Jahre 1993 insgesamt sechs Personen. Damals betrug der Fahrzeugbestand im Kanton ungefähr halb so viel wie heute.

Das Jahr 2008 bezeichnen die Mitarbeiter als «Containerzeit». Innerhalb von drei Monaten sei umgebaut worden, und die heutige moderne Schalterhalle entstand.

Im Jahre 2002 tauchte das Problem mit der Prüfhalle auf: Sie drohte abzusinken. Ab sofort durften Lastwagenlenker nicht mehr in die Halle reinfahren. Zwei Jahre später zwang eine Gesetzesänderung die MFK zum Handeln. Neu mussten Lastwagen jährlich geprüft werden.

Kenneth Lützelschwab, Amtschef der MFK Kanton Solothurn, erzählt: «Wir waren gezwungen, die Prüfung von schweren Fahrzeugen ausser Haus durchzuführen. So gingen wir eine Zusammenarbeit mit diversen Firmen in der Region ein.

Organisatorisch sicher keine leichte Aufgabe, an verschiedenen Standorten die schweren Motorfahrzeuge und deren Anhänger zu prüfen. Vor allem im Busdepot der BOGG (Busbetrieb Olten Gösgen Gäu) in Wangen bei Olten sind wir ständig mit einer Prüfbahn eingemietet.

Diese Zusammenarbeit mit der BOGG möchten wir künftig noch weiter ausbauen, da der jetzige Standort der MFK in Olten nicht mehr zeitgerecht ist.»

Eine modulare Ausbildung

Verkehrsexperten arbeiten Montag bis Freitag jeweils mit fixem Zeitprogramm von 7 Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags. Ihre Arbeit beinhaltet das Abnehmen von Theorie-, Führer- und Fahrzeugprüfungen.

Für den Bereich Fahrzeugprüfungen bedarf es speziell einer abgeschlossenen Ausbildung als Automobil-Mechatroniker/in, Automobil-Diagnostiker/in oder in einem gleichwertigen technischen Beruf.

«Bei uns in Olten prüft grundsätzlich jeder Experte alles», weiss Rolf Bieber, Leiter der Prüfstelle in Olten. Heinz Bichsel, seit 20 Jahren Verkehrsexperte, verbringt drei bis vier Tage in der Prüfhalle, und ein bis zwei Tage sitzt er als Beifahrer im Auto von Fahrschülern und leitet sie durch die praktische Prüfung.

Maximal acht Führerprüfungen der Kategorie B (Personenwagen) nimmt er pro Tag ab. «Dabei wird nicht bewertet, ob es ein guter oder schlechter Fahrer ist, sondern ob man ihn oder sie alleine auf die Strasse lassen kann», weiss Fluri.

Nicht jeder Experte werde von Anfang an für alles ausgebildet. «Es ist ein modularer Aufbau», erklärt Fluri. Nach Abschluss der Grundausbildung mit dem «asa (Vereinigung der Strassenverkehrsämter) Basis-Diplom» erlauben modulare Weiterbildungen eine Spezialisierung auf bestimmte Fahrzeugkategorien sowohl im Bereich Fahrzeug- als auch Führerprüfungen.

Fluri fährt fort: «Mindestens sechs Tage pro Jahr besuchen unsere Experten Weiterbildungskurse.» Meistens besitzen Experten alle Kategorien auf ihren Führerscheinen. Kategorie D ist die höchste und erlaubt das Fahren eines Cars.

«Autofahren ist kein Grundrecht»

Es gehe an die Substanz, wenn man 80- oder 90-Jährigen verbieten müsse, Auto zu fahren, weil sie ein Sicherheitsrisiko für sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer darstellen würden. Viele vergessen aber: «Autofahren ist kein Grundrecht», stellt Lützelschwab klar.

Speziell ausgebildete Verkehrsexperten stehen auch für Leute mit Einschränkungen oder Behinderungen zur Verfügung. Wer beispielsweise bei einem schweren Unfall ein Bein oder einen Arm verliert, hat auch weiterhin die Möglichkeit, Auto zu fahren.

Experten können in Absprache mit den Ärzten den Umbau von Fahrzeugen veranlassen. Mit den heutigen technischen Möglichkeiten sind hier fast keine Grenzen gesetzt. Für Bichsel ist ein solcher Umbau eine emotionale Angelegenheit.

Es geht schliesslich um die individuelle Mobilität, die je nach Entscheid des Experten, weiterhin bestehen bleibt. Man müsse mit Fachwissen argumentieren und dabei die Beziehung Mensch zu Mensch stets im Vordergrund behalten. «Am besten gefallen mir die Vielseitigkeit dieses Berufes und der Kontakt mit den Leuten», erläutert Bichsel.

Ab 2016 stehen die Experten neu mit Tablets ausgerüstet in der Prüfhalle. Mühsamer Papierkram soll zukünftig damit erspart bleiben. Prüfberichte können direkt vor Ort elektronisch ausgefüllt, automatisch abgelegt und statistisch besser erfasst werden.

Technische Daten von den Experten augenblicklich konsultiert werden. Das Tablet erlaubt auch, sofort Fotos von geprüften Fahrzeugen zu schiessen und diese zusammen mit den entsprechenden Unterlagen abzuspeichern. Somit kann die Fahrzeuggeschichte jederzeit rückverfolgt werden.