Genau zehn Jahre ist es her, seit die Dachschadengesellschaft (DSG) das Licht der Welt erblickte. Schon in frühester Kindheit überzeugte der Oltner Theaterverein mit ansprechendem Laienschauspiel. Jetzt – im fortgeschrittenen Alter – zeigt sich eine gewisse Reife: sei dies mit der Auswahl der Stücke oder mit den schauspielerischen Fähigkeiten. Pünktlich zum Jubiläum will die DSG die Bretter, die die Welt bedeuten, mit Frischs «Lehrstück ohne Lehre» wieder einmal richtig zum Qualmen bringen. Brand- und Regiemeisterin des 16. Stücks ist Kerstin Schult.

Mit Biedermann und die Brandstifter wagt sich die ambitionierte Theatertruppe aus Olten an eine politische Parabel, die ihre kritische Kraft nicht aus der Entlarvung der Lüge bezieht, sondern aus der Inszenierung der biedermännischen Wehrlosigkeit gegenüber Verbrechern, die von Anfang an sagen, was sie wirklich wollen. Im Gegensatz dazu sagt Biedermann nur, was er denkt, ohne zu tun, was er sagt. Die DSG präsentiert vom 26. bis 29. November im Theaterstudio das Rätsel des selbstzufriedenen Spiessbürgers und erklärten Menschenfreunds Gottlieb Biedermann in Frischs Meisterwerk.

Schlimme Zeiten

Biedermann, der Protagonist, befindet sich in schlimmen Zeiten. Ringsherum werden die Häuser in Brand gesetzt und kein Mensch traut dem anderen mehr über den Weg. Als Fabrikant ist er ordentlich, pflichtbewusst, «eine Seele von Mensch» und wünscht sich nichts mehr als ein bisschen Frieden und Ruhe – zumindest unterm eigenen Dach. Deshalb gibt er sich humanistisch und hilft, wo er kann. Mit einem harmlosen Appell eines arbeitslosen Ringers an ebendiese Menschlichkeit wird die Geschichte zum Modell für die Gefährlichkeit der (politischen) Dummheit des Bürgers.

So unterstützt Biedermann die bemitleidenswerten Gestalten, die sich auf seinem Dachboden eingenistet haben, wo er nur kann und lässt sie dort nicht nur Benzinfässer und Zündschnüre lagern, sondern lädt sie auch noch zu einem «schlichten und gemütlichen» Abendessen ein. «Sie versprechen es mir aber», versichert sich der gute Biedermann dabei lieber noch einmal, «Sie sind aber wirklich keine Brandstifter?»

Gegen besseres Wissen, das ihm immer wieder durch den Chor der Feuerwehrfrauen vermittelt wird und das er auch im Zwiegespräch mit dem Publikum zu finden hofft, wird Biedermann zum Mitläufer und damit auch zum Mitschuldigen an der ganzen Misere. Nicht einmal die Erklärung Eisenrings, dem intellektuellen der beiden Brandstifter, im Anschluss an Biedermanns Frage, ob denn «wirklich Benzin in diesen Fässern» sei, lässt bei Letzteren Zweifel aufkommen: «Scherz ist die drittbeste Tarnung. Die zweitbeste: Sentimentalität. Aber die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand.» Absurd und wahr, dass das wahr ist.

Was hättet ihr getan?

Das Stück bietet nicht nur durch Wortwitz, Ironie und virtuoses Spiel der sieben Mimen beste Unterhaltung, sondern stellt dem Publikum angesichts der möglichen Bedrohung durch seine «Freunde» die finale und irritierende Frage: «Was hättet ihr denn getan, herrgottnochmal, an meiner Stelle – und wann?»

Öffentliche Generalprobe: Mi, 25. November, 20.15 Uhr; Premiere: Do, 26. November, 20.15 Uhr; Fr, 27. November, 20.15 Uhr; Sa, 28. November, 20.15 Uhr; Derniere: So, 29. November, 19.15 Uhr.

Vorverkauf: www.dsg-theater.ch/tickets; Abendkasse / Barbetrieb 1 h vor Beginn; Alle Aufführungen im Theaterstudio Olten.