Krippen in der Region
Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh

Krippen gehören zur Weihnachtszeit wie der Zuckerguss auf den Zimtstern. Ob aus Holz, Stein oder Ton: Sie erzählen alle die Geschichte einer ganz bestimmten Nacht.

Janine Gloor
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Oltner Krippen 2016
9 Bilder
Krippe auf Garagedach in Wolfwil Jesus im Tannengrün Auf einem Garagendach in Wolfwil wurde diese Krippe aufgestellt. Die weissen Figuren sind um ein Bett aus Tannenästen angeordnet.
Sizilianische Krippe aus Ton, nach Hause gebracht von einer Veloreise in Sizilien Zerbrechliches Familienglück Maria und Josef geniessen in dieser Krippe aus Ton die Ruhe mit ihrem Neugeborenen ganz ohne Besuch von Hirten und Königen. Die Krippe stammt aus Sizilien und befindet sich in Privatbesitz in Olten.
Grosse Krippe in St.Martin Olten Breite ca. 3.5m Frühgeburt Für den Besuch des Fotografen in der St. Martinskirche in Olten wurde das Jesuskind schon frühzeitig in die Krippe gelegt. Eigentlich bleibt diese bis zur Geburt leer. Auch die Drei Könige erscheinen offiziell erst zum 6. Januar in der Szenerie.
Krippendarstellung auf Kachelofen bei Vreni und Sepp Hof in Hauenstein Vom Himmel bis zur Erde Vreni und Sepp Hof aus Hauenstein besitzen ebenfalls eine Krippe mit dreizehn Schwarzenberger-Figuren. Die mehrstufige «Choust» erlaubt die Darstellung auf mehreren Ebenen: Über der Heiligen Familie sind die Engel positioniert.
Krippe in Schönenwerd von Antonio De Vito Folget dem Stern: Antonio De Vito hat bei seiner Krippe in Schönenwerd den Sternenhimmel in den Stall geholt. Die drei Könige heben sich mit ihren farbigen Gewändern deutlich vom einfach gekleideten Elternpaar ab.
Sylvia Lüthi aus Olten gestaltet jedes Jahr eine orientalische Krippenszene mit Figuren, die sie selber hergestellt hat.
Krippe in Achathöhle, Breite 5.5cm Kristallkrippe Kein armseliger Stall, sondern eine funkelnde Höhle aus einem Achat: Hier hätten Maria und Josef sicher gern Unterschlupf gesucht, allerdings wäre kein Stroh für Jesus vorhanden gewesen. Die Krippe befindet sich in Privatbesitz in Olten.
Holzrelief-Krippe, Breite 9cm Tief im Wald Diese Krippe aus Holz ist auf das Wichtigste reduziert und trotzdem sofort als solche erkennbar. Die einzelnen Elemente können reliefartig hervorgezogen werden. Die Krippe befindet sich in Privatbesitz in Olten.

Oltner Krippen 2016

Remo Fröhlicher

Sylvia Lüthi aus Olten hat Betlehem direkt vor der Haustür. Jedes Jahr zum ersten Advent baut sie in einem geschützten Bereich vor dem Hauseingang eine Krippenszene auf. Eine Frau strickt vor einem glimmenden Feuer, Hirten und ihre Schafe gesellen sich dazu. Palmen und Kamele geben der Szene einen orientalischen Einschlag.

Doch die Hauptattraktion befindet sich zuhinterst unter einem verwitterten Wurzelstück, das die Familie wie ein Dach beschützt: Maria und Josef, Jesus in der Krippe wird von einem Esel beäugt. Der obligate Ochse ruht neben der jungen Familie.

Sylvia Lüthi hält nichts davon, das Jesuskind erst zu Weihnachten ins Stroh zu legen oder die drei Könige erst zum 6. Januar einreiten zu lassen. «Ich will mich die ganze Weihnachtszeit daran erfreuen», sagt die 74-jährige Oltnerin. Lüthi hat fast alle Figuren in ihrer Krippe selber hergestellt und auch deren Kleider genäht.

Von der ersten Krippe bis zur merkwürdigsten Figur

Weil seine Eltern keine adäquate Unterkunft für die Niederkunft fanden, wurde Jesus in einem Stall geboren und danach in die Futterkrippe gelegt. So lehrt es die Bibel. Der Begriff der Krippe steht heute für die gesamte Darstellung.

Als Begründer für die Krippenszene gilt Franz von Assisi, der im Jahr 1223 am Heiligen Abend auf eine Predigt verzichtete und stattdessen Ereignisse mit einer Krippe und lebendigen Tieren nachgestellt hatte.

In Kirchen wurde die Geburtsszene auf Altären und Schreinen dargestellt. Für daheim gab es Figuren im Miniaturformat. 1562 stellten Jesuiten in Prag die erste Krippe im heutigen Sinn auf. Die Krippen erfreuten sich grosser Beliebtheit, gelang es ihnen doch, den Betrachter ganz ohne Worte zu beeindrucken.

Heute werden Krippen in christlichen Ländern weltweit in verschiedensten Grössen und Materialien hergestellt – mit regionalen Besonderheiten. In Katalonien etwa wird der Krippe die Figur des «Caganer» hinzugefügt.

Der Caganer ist ein Mann, der abseits des Stalls die Hose runterlässt und sich erleichtert. Seine Herkunft ist unklar, doch selbst die katholische Kirche Spaniens akzeptiert ihn als Zeichen für den Kreislauf der Natur. (JGL)

Die Figuren hat sie vor fünfzehn Jahren in einem Kurs in Rickenbach nach der Vorlage des Schwarzenberger-Modells selber gemacht. Sie sind detailgetreu und liebevoll gestaltet: Die Schafe tragen ein flauschiges Fell, ein Hirte hält eine filigrane Panflöte in den Händen, am Zaum der Kamele baumeln tönerne Amphoren.

An jeder Figur hat Sylvia Lüthi mehrere Stunden gearbeitet. Angefangen hat sie mit Maria, Josef und Jesus, im Lauf der Jahre sind immer mehr Protagonisten dazugekommen. Gesichter haben die Schwarzenberger-Figuren keine. Sylvia Lüthi stört das nicht, im Gegenteil. «Wenn die Augen nicht richtig sind, kann dies alles kaputtmachen», sagt sie.

Früher hat Sylvia Lüthi ihre Krippe jeweils über Weihnachten mitgenommen in die Ferienwohnung. Dort hatte sie mehr Platz als in Olten und konnte noch ein Beduinenzelt sowie den Herodespalast aufbauen. Das Beduinenzelt steht nun jeweils in der Weihnachtskrippe ihrer Tochter und wird von deren Katze bewohnt.

Am 6. Januar ist die Weihnachtszeit bei Sylvia Lüthi und ihrem Mann Kurt vorbei. Doch die Hirtenfiguren dürfen noch ein bisschen bleiben. Lüthi baut die Szenerie mit viel Watte zu einer Winterlandschaft um und rüstet die Hirten mit Ski und Schneeschuhen aus.

Die Krippe gehört für Lüthi zu Weihnachten. «Vermutlich hat sich die Weihnachtsgeschichte nicht genau so zugetragen, wie sie heute erzählt wird.» Die Könige, die sie in prachtvolle Gewänder gehüllt hat, seien ja ursprünglich als Weise beschrieben worden. «Doch das Zentrale ist Jesus Christus.»