Überraschend kam sie, die Kündigung von Cultibo-Betriebsleiterin Timna Tal. Auch für sie selbst, wie sie bei einer Tasse Kaffee im Lokal an der Oltner Aarauerstrasse erklärt: «Für mich kommt der Stellenwechsel zu früh», sagt sie und ergänzt: «Ich wäre gerne länger geblieben.» Dass es ihr in Olten nicht gefällt, ist also nicht der Grund. Was ist es dann? Die Ausbildung.

«Ich habe vor etwas mehr als zwei Jahren meine Ausbildung zur Psychotherapeutin angefangen. Nun wurden die Ausbildungsrichtlinien verändert». Das bedeutet für die 36-jährige Zürcherin, dass sie bis Ende 2017 die komplette Ausbildung abgeschlossen haben muss. Damit dies klappt, muss sie praktische Erfahrung in diesem Berufsfeld sammeln. Deshalb hat Timna Tal per Ende August gekündigt.

Sie blickt auf ereignisreiche zwei Jahre zurück: «Es war mir in der ganzen Zeit nie langweilig. Ich hatte immer etwas zu tun», sagt sie und lacht. Ihr Tätigkeitsbereich im Cultibo, welches Tal «multikulturellen Gemischwarenladen» bezeichnet, ist breit gefächert: Dazu gehört unter anderem die Betreuung der freiwilligen Helfer, administrative Aufgaben, die Bewirtschaftung des offenen Treffs und noch vieles mehr. Vor allem das Administrative gibt viel zu tun und wird oft unterschätzt, so Tal: «Manchmal kommt das Schöne an meiner Tätigkeit, die Begegnungen mit den Menschen, fast ein wenig zu kurz.»

Angebote verdreifacht

Als Höhepunkte ihrer zweijährigen Tätigkeit beschreibt Timna Tal die Gestaltung des Vorplatzes, die Begegnungswoche und allgemein, dass vieles optimiert werden konnte. Dazu zählt sie die Festigung der Beziehungen, die Infrastruktur oder auch die vielseitigen Angebote. «Das Cultibo boomt im Moment richtig», erzählt Timna Tal, die noch bis Ende August in einem 65-Prozent-Pensum angestellt ist. Die Zahl der öffentlichen Veranstaltungsangebote hat sich seit April 2013 verdreifacht: Von Oktober 2012 bis April 2013 wurden 63 Veranstaltungen öffentlich angeboten. Im Zeitraum Mai 2015 bis Oktober 2015 waren es deren 213. Darüber hinaus haben sich die Beucherzahlen der öffentlichen Anlässe auf 2810 verdoppelt. 

Längst war nicht alles immer nur positiv in den vergangenen zwei Jahren. Es gab auch immer wieder kleinere oder grössere Herausforderungen, die es zu meistern gab: «Wir sind oft am Grenzen austesten. Wie viel Freiraum verträgt sich? Welchen definierten Rahmen muss man den Aktivitäten geben?»

Potenzial ist vorhanden

Was Timna Tal als Problem bezeichnen würde, ist die finanzielle Unsicherheit. «Wir sind zwar stark in der Gesellschaft und der Stadt akzeptiert, aber der Aufwand der Geldbeschaffung ist enorm», sagt auch Trägerschaftspräsident Paul Dilitz. Aktuell übernimmt die Stadt die Miete und einen Viertel der Lohnkosten.

Im Mai stehen Verhandlungen mit der Stadt und dem Kanton an, dabei soll ausgehandelt werden, wie es mit dem Cultibo weitergehen soll (wir berichteten). Dass es weitergehen wird, steht für Dilitz, der mit dem Vorstand auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger oder Nachfolgerin für Timna Tal ist, ausser Frage: «Auch im Parlament war man immer der Überzeugung, dass das Cultibo eine gute Sache sei und das man es unterstützen will. Die Frage war nur wie.»

Denn Potenzial ist laut Tal reichlich vorhanden. Nur könne man es wegen mangelnden personellen und infrastrukturellen Ressourcen nicht voll ausschöpfen. Dilitz nickt und sagt: «Ich wünsche mir, dass das Cultibo zu einem etablierten Betrieb auf der rechten Aareseite wird, der aus dem Oltner Stadtbild nicht mehr wegzudenken ist.»