Die Ausgangslage im Oltner Gemeindeparlament am Mittwoch: spannend. Soll der Verein Cultibo, welcher das gleichnamige Begegnungszentrum im Bifang betreibt, in den nächsten drei Jahren auf Antrag des Stadtrats neu jeweils 72'000 anstelle der bisherigen 54'000 Franken aus dem Stadtsäckel bekommen? Spannend darum, weil eine Mehrheit im Parlament, im Wesentlichen gespeist durch FDP, CVP und SVP, vor drei Jahren erwirkt hatte, die Beiträge sukzessive zu kürzen und neben dem Mietanteil von 36'000 Franken jährlich noch 18'000 Franken an die Besoldung der Zentrumsleitung auszurichten.

Komfortable Mehrheit

Der Stadtrat hatte argumentiert, der Verein habe sich in Aufbau und Etablierung eines Quartier- und Begegnungszentrums Bestnoten verdient. Gleichzeitig könne er aber die ausgebliebene Unterstützung der Stadt nicht auf Dauer kompensieren, sondern höchstens eine Zeit lang überbrücken. Sein Antrag siegte nach vielen Wortmeldungen; deutlicher als angenommen: mit 28 zu 16 Stimmen bei einer Enthaltung.

Was die angeregte Debatte zeigte: Ideen wie jene des Cultibo leben vom Umstand, dass an sie geglaubt wird. Da helfen selbst wissenschaftliche Studien wenig. Auf Befürworter- wie auf Gegnerseite wurde anerkannt, dass der Leistungsausweis eines Begegnungszentrums gar nicht oder aber nur schwer zu erfassen ist. Nur die Schlussfolgerungen waren different.

Die FDP etwa hatte sich grossmehrheitlich gegen den stadträtlichen Antrag gestellt, weil sie festzustellen glaubte, der Verein habe die Chance zur monetären Selbstständigkeit nicht zu packen verstanden, während die SVP den Grundsatz, ein Begegnungszentrum erfülle seinen Integrationsauftrag letztlich nicht, in der Nichtmessbarkeit seiner Resultate bestätigt sah. «Cultibo, das ist Sozialromantik», so Christian Werner. Und Doris Känzig mahnte an: «Integration ist dann geglückt, wenn Ausländer in hiesigen Vereinen mitmachen.»

Arbeit: Wertvoll

Myriam Frey (Grüne) und Gökhan Karabas (SP) ihrerseits sahen im Cultibo jenen Ort, wo wertvolle Integrations- und Vernetzungsarbeit geleistet werde. Eine Vernachlässigung der Institution würde die wertvolle Aufbauarbeit der letzten Jahre vernichten. Und Luc Nünlist (SP) meinte: «Cultibo – das ist ein Vorzeigeprojekt.» Den Gedanken, es gehe schliesslich lediglich um 18'000 Franken und nicht um Ideologien, brachte Arnold Übelhart (SP) ins Spiel. Dazu passte auch die Meinung von Sonja Bossart Meier (CVP): «Als wir 2013 zu den Kürzungen schritten, da wussten wir nicht, wie viel Geld Cultibo braucht. Jetzt wissen wirs.»

Die CVP stellte sich in der Folge ebenfalls hinter den Stadtrat, fast geschlossen. Auch wenn Heidi Ehrsam (CVP) meinte: «Ich befürworte die Erhöhung der Beiträge, aber kritische Bemerkungen müssen erlaubt sein, ohne deswegen gleich in die Schmuddelecke gestellt zu werden.»