Olten im Advent
Crowdfunding soll diesjährige Weihnachts-Beleuchtung absichern

Eine Sammelaktion soll die Weihnachtsbeleuchtung auf der rechten Aareseite sichern. Weil die Stadt ihren Beitrag auf 2000 Fr. kürzte, versuchen die Initianten via Internet an das Geld zu kommen. Sie haben noch 14 Tage Zeit um 5000 Fr. zu sammeln.

Urs Moser
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Wenn nicht am Amthausquai, dann sollen die drei Oltner Tannen zur Weihnachtszeit auch künftig im Sälihof leuchten.

Wenn nicht am Amthausquai, dann sollen die drei Oltner Tannen zur Weihnachtszeit auch künftig im Sälihof leuchten.

Bruno Kissling

Die Stadt Olten muss bekanntlich an allen Ecken und Enden sparen. Als es letztes Jahr aus diesem Grund auch nicht mehr für die drei grossen Weihnachtstannen am Amthausquai reichte, rief der bekannte Oltner Kardiologe Hugo Saner die «IG Weihnachtsbeleuchtung rechte Aareseite» ins Leben.

Denn die hell erleuchteten Tannen waren auch für diesen Stadtteil immer ein Wahrzeichen gewesen: das, was an adventlicher Stimmung in der Altstadt auch zum anderen Aareufer ausstrahlte.

Nach der Premiere 2014 soll das Bifangquartier nun auch dieses Jahr wieder eine eigene Weihnachtsbeleuchtung haben. Aber das kostet. Um das Projekt für die nächsten Jahre zu sichern, gehen die Initianten neue Wege und setzen neben traditionellem Sponsoring auch auf die Crowdfunding-Plattform «wemakeit.com».

Die Sammelaktion läuft noch 14 Tage. Zwei Drittel der Zeit sind bereits abgelaufen, aber erst gut ein Drittel der erhofften Beiträge von 5000 Franken ist zugesichert worden.

Von Hägendorf ins Bifang

«Es könnte eng werden, aber wir sind optimistisch», sagt Jonas Hufschmid, in der Region vor allem bekannt als Co-Präsident der Jungen CVP, für die er auch zu den Nationalratswahlen angetreten war. Warum steckt ein Jungpolitiker aus Hägendorf hinter der Crowdfunding-Aktion für eine Oltner Weihnachtsbeleuchtung?

Hufschmid hat viele Bezugspunkte zur Stadt und insbesondere zur rechten Stadtseite: Er besuchte hier die Kantonsschule, studierte an der Fachhochschule Nordwestschweiz, ist seit September bei der E-Commerce-Agentur MySign an der Neuhardstrasse beschäftigt und wohnt seit ein paar Wochen auch in Olten – und zwar ebenfalls auf der rechten Stadtseite.

«Es könnte eng werden, aber wir sind optimistisch.» - Jonas Hufschmid, IG Weihnachtsbeleuchtung rechte Aareseite

«Es könnte eng werden, aber wir sind optimistisch.» - Jonas Hufschmid, IG Weihnachtsbeleuchtung rechte Aareseite

Oltner Tagblatt

Er ist also zum waschechten Oltner geworden – zu einem, der in «seinem» Quartier in der Adventszeit nicht im Stockdunkeln durch die Alte Aarauerstrasse oder zum Sälipark gehen möchte, während Altstadt und Kirchgasse festlich beleuchtet sind.

Der Kontakt zur IG Weihnachtsbeleuchtung kam über die Bekanntschaft mit Georg Berger zustande, der sich dort als Direktor des BBZ Olten und Präsident von Bildungsstadt Olten. Bifang quasi als rechte Hand von Präsident Saner engagiert.

Von ihm habe er davon gehört, dass es für die eigene Weihnachtsbeleuchtung im Bifangquartier zusätzliche Unterstützung braucht, und die Idee des Crowdfunding in die Runde geworfen, erzählt Hufschmid.

Er war schnell «gewählt», um die Aktion zum Laufen zu bringen. Über modernes Crowdfunding hatte er einmal an der Fachhochschule eine Arbeit geschrieben und vor einigen Monaten hatte er auf der Plattform «wemakeit.com» auch für ein eigenes Projekt Geld gesammelt.

Mit Erfolg: Die Mittel für die Produktion einer CD von Hufschmids früherer Band «The vibe controllers» mit dem Oltner Sänger und Rapper Collie Herb kamen dank der Aktion auf «wemakeit.com» zusammen.

Jetzt geht es also nicht um heisse Rhythmen, sondern um warmes Adventslicht. Gesucht sind Spender, die zum Beispiel mit zehn Franken zehn kleine Lämpchen einer Lichterkette finanzieren und dafür zur Eröffnung der Weihnachtsbeleuchtung eingeladen werden.

Es dürfen natürlich aber auch gern 1000 Franken sein, womit dann Kauf und Aufstellen eines grossen Tannenbaums finanziert wären und wofür eine persönliche Sponsorentafel an diesem Baum und eine Einladung als Ehrengast zum Eröffnungsapéro als Belohnung winken.

Bis jetzt sind Beiträge von 1800 Franken von 23 Unterstützern zugesichert. Ziel ist, auf 5000 Franken zu kommen. Der kleine Haken dabei: Die Aktionen von «wemakeit.com» funktionieren so, dass die Spenden nur dann tatsächlich fliessen, wenn das Ziel erreicht wird und somit gesichert ist, dass ein Projekt, für das gesammelt wurde, auch wirklich realisiert wird: Die IG Weihnachtsbeleuchtung erhält die ganzen 5000 Franken oder gar nichts.

Stadt steigt aus

Der anvisierte Betrag entspricht dem Beitrag, den die Stadt letztes Jahr leistete. Mit den 5000 Franken wäre der Fortbestand des Projekts für die nächsten drei Jahre gesichert: Montieren, Unterhalt und Reparaturen an den Sternen, die man übrigens letztes Jahr von der Gemeinde Trimbach geschenkt erhielt, die keine Verwendung mehr für ihre alte Weihnachtsbeleuchtung hatte.

Das gesamte Budget für die hauptsächlich über Sponsoren finanzierte Aktion – neben den Trimbacher Sternen lichtergeschmückte Tannenbäume etc. – lag letztes Jahr bei rund 40 000 Franken.

Auf die Suche nach zusätzlichen Finanzierungsmöglichkeiten habe man vor allem gehen müssen, weil die unter Spardruck stehende Stadt ihren Beitrag reduziert, sagt Georg Berger.

Letztes Jahr wurde die IG Weihnachtsbeleuchtung mit 5000 Franken unterstützt, dieses Jahr sind es noch 2000, bestätigt Stadtschreiber Markus Dietler. Und 2016 wird es gar nichts mehr geben, denn die Unterstützung erfolgte unter dem Titel des Ende Jahr auslaufenden Projekts «Entwicklung Olten Ost».

Rockkonzert bis «Eidgenössisches»

Crowdfunding auf der Internetplattform «wemakeit.com» hat sich schon für diverse Projekte aus der Region ausbezahlt.

So startete zum Beispiel das Kulturlokal Coq d’or in Olten eine Unterstützungsaktion für die Wiedereröffnung des Konzertkellers und hatte damit Erfolg: 7500 Franken aus dem Crowdfunding waren das Ziel, gebracht hat es 9500 Franken.

Aber solche Aktionen sind kein Selbstläufer, wie etwa die Galerie Rössli in Balsthal erfahren musste.

Für die Kunst-Tournee durch den Naturpark Thal setzte sie ebenfalls auf einen Spendenaufruf im Internet.

Die Aktion wurde zum Flop, statt der erhofften 5000 waren gerade zwei Mal 20 Franken zugesichert worden.

Häufig geht es um Projekte der Jugendkultur, aber nicht nur: Es läuft gerade eine Aktion der Musikgesellschaft Konkordia Egerkingen, die Unterstützung für ihr grosses Ziel sucht: einen Spitzenplatz nächstes Jahr am eidgenössischen Musikfest in Montreux. (mou)