Crowdfunding
Sie wollen aus Plastik Häuser bauen lassen: Oltner Recycling-Projekt benötigt 100'000 Franken

In Kenia ist Plastikabfall ein grosses Problem. Ein Oltner Projekt will die Abfälle für die Ärmsten nutzen und startete dafür ein Crowdfunding.

Denise Donatsch
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Die beim Projekt Beteiligten inklusive Dorfbewohnende (von links): Benedikt Baschung, Jamila Madawa, Zuena Baschung-Fondo, Laura Knecht, Amana Baschung, Stephan Baschung, Issa Madawa (Knabe vorne), Riziki Madawa.

Die beim Projekt Beteiligten inklusive Dorfbewohnende (von links): Benedikt Baschung, Jamila Madawa, Zuena Baschung-Fondo, Laura Knecht, Amana Baschung, Stephan Baschung, Issa Madawa (Knabe vorne), Riziki Madawa.

zvg

Mehr noch als in der Schweiz ist in Entwicklungsländern die Frage nach fachgerechter Entsorgung sowie der Wiederverwertung von Plastik ungelöst. Dies trifft auch auf das kenianische Dorf Msumarini zu. Dort werden leere Kunststoffverpackungen und Behälter schlicht auf dem Boden liegengelassen oder von den Bewohnern auf eigene Faust verbrannt; dies bedeutet eine erhebliche Luftverschmutzung und kann insbesondere für spielende Kinder gefährlich werden. Eine andere Möglichkeit haben die Dorfbewohner jedoch nicht – es fehlt an einer Entsorgungsinfrastruktur und an Know-how, um eine solche zu entwickeln.

Genau hier setzt Laura Knechts Projekt Shelterplast an, welches teilweise auch Gegenstand ihrer Bachelorarbeit an der Hochschule für Wirtschaft an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten ist. Die 26-Jährige will in einem ersten Schritt gemeinsam mit den Dorfbewohnern von Msumarini das herumliegende Plastik einsammeln und öffentliche Sammelstellen im Dorfzentrum errichten.

«Uns ist es enorm wichtig, dass wir die Dorfbevölkerung in den gesamten Prozess miteinbeziehen.»

Auch sei es essenziell, den Wissenstransfer sicherzustellen. Den Dorfbewohnerinnen und -bewohnern solle aufgezeigt werden, warum die fachgerechte Entsorgung von Plastik so wichtig ist – etwa auch, um gesundheitlichen Schäden entgegenzuwirken. Durch die giftigen Aerosole, welche bei der Verbrennung von Plastik entweichen, können schwerwiegende Atemwegserkrankungen entstehen.

Kühe suchen im Plastikabfall nach Essbarem.

Kühe suchen im Plastikabfall nach Essbarem.

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Holzartiger Baustoff aus Abfällen

In Zusammenarbeit mit einem deutschen Produzenten soll aus dem Gemisch aus gesammeltem Plastik sowie aus landwirtschaftlichen Abfällen ein holzähnlicher Baustoff angefertigt werden; aus diesem sollen in Msumarini schliesslich modulartig gebaute Häuser entstehen. «Der Baustoff, der durch dieses Herstellungsverfahren hervorgeht, lässt sich genau gleich bearbeiten wie Holz und ist äusserst widerstandsfähig», erklärt die Jungunternehmerin.

Einzig um ein stabiles, regenresistentes Fundament zu garantieren, käme Beton zum Einsatz. «Falls sich diese ressourcenschonende Methode des Hausbaus bewährt, könnte sie in Zukunft auch global zum Einsatz kommen.»

Unterstützung erhält Knecht vom einem Team. Dieses besteht aus Lebenspartner Stephan Baschung, dessen Vater Benedikt Baschung sowie Zuena Baschung-Fondo, der Ehefrau von Benedikt Baschung, welche in Msumarini aufgewachsen ist. Die gebürtige Kenianerin, die mittlerweile seit 17 Jahren in der Schweiz lebt, steht noch immer eng mit ihrer Heimat in Verbindung. Auf der Website von Shelterplast hält sie fest, dass die Recyclingsituation in Kenia nicht immer so dramatisch aussah.

Früher seien Abfälle weiterverarbeitet worden; Kleidung habe man weitergegeben oder eingetauscht. Der seit Jahren stetig zunehmende Plastikeinsatz in der Verpackungsindustrie übersteigt jedoch die Recyclingmöglichkeiten der Entwicklungsländer um ein Vielfaches. Selbst beim Schwimmen im Kenianischen Meer, welches vor ein paar Jahren noch sauber war, kämen Baschung-Fondo inzwischen Plastikabfälle entgegen.

100'000 Franken via Crowdfunding sammeln

Das Vorhaben von Knecht und ihrem Team führt natürlich auch zu Kosten. «Wir versuchen über die Crowdfunding-Plattform Crowdify das nötige Geld zu sammeln.» Zielsumme ist der Betrag von 100'000 Franken. Bis zum 13. Juli müssen aber bereits 40'000 Franken zusammenkommen, ansonsten gilt das Crowdfunding als gescheitert und alle bereits eingegangenen Beiträge würden zurückerstattet.

Stand Sontagnachmittag waren es rund 11'600 Franken. Knecht ist sich darum bewusst, dass noch einiges passieren muss, damit der Betrag erreicht wird. Sie hofft nun auf viele weitere Spenden, damit sie Anfang September mit der Umsetzung ihres Herzensprojekts beginnen kann.

Hinweis: Weitere Infos und Projekt mit Spenden unterstützen via www.shelterplast.org