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Coworking-Angebot in Olten — die Nutzenden können beim Aufbau mithelfen

Co-Working-Space im alten Raiffeisen-Provisorium.

Co-Working-Space im alten Raiffeisen-Provisorium.

Neues Coworking-Angebot im Aufbau: Olten, eine berufene Stadt für flexible Arbeitsformen?

Im Raiffeisen-Provisorium soll ein neues Gemeinschaftsbüro entstehen. Vergangenen Dienstag war die Öffentlichkeit eingeladen, ihre Vorstellung vom mustergültigen Arbeitsplatz kundzugeben. Neu ist die Idee nicht. Leerstehende Laden- und Büroflächen an zentraler Lage werden zu Gemeinschaftsbüros umfunktioniert. Beim Coworking teilen Menschen aus verschiedenen Berufen und Bereichen dieselbe Infrastruktur. Vor fünfzehn Jahren in den USA entstanden, schwappte die Idee vom flexiblen Büroangebot rasch über den grossen Teich.

Das erste Coworking-Büro der Schweiz eröffnete 2007 in Zürich. Heute sind es laut «Shared Office Monitor 2019» gegen zweihundert im Land. In Olten existieren seit einigen Jahren Angebote, die auf die Bedürfnisse von Freischaffenden, Start-ups und Angestellten im Homeoffice abzielen und Arbeitsraum zur flexiblen Nutzung zur Verfügung stellen. In der Fussgängerpassage Dornacherstrasse/Ringstrasse soll bald ein weiteres Angebot hinzukommen. In den leerstehenden Räumlichkeiten der ehemaligen «Städtlipost», die zuletzt der Raiffeisenbank, während der Neugestaltung ihrer Filiale, als Schalterprovisorium dienten.

Das Coworkingangebot soll von den künftigen Nutzern aber nicht nur in Anspruch genommen, sondern von der Community gleich selbst mitentwickelt werden. Im Rahmen eines ersten Treffens wurden die Ideen und Wünsche der Interessierten gesammelt und ausgetauscht. Rund vierzig Personen hatten im Vorfeld bei einer Onlineumfrage angegeben, beim Aufbau mithelfen zu wollen. Ein gutes Dutzend fand schliesslich den Weg ins Stadttheater und nahm sich verschiedenen Fragestellungen an. Wie sollen die Räumlichkeiten aussehen? Welche bestehenden Angebote aus Olten sollten bei der Umsetzung einbezogen werden?

Weniger pendeln

«Olten bietet uns eine Traumausgangslage», sagte Andreas Choffat, der bei der Genossenschaft Village Office für die Entwicklung regionaler Coworking-Angebote verantwortlich ist. Täglich verzeichne Olten rund 5'400 Pendler, welche die Stadt auf dem Weg zur Arbeit verlassen müssen. «Wohn- und Arbeitsort sollten im günstigsten Fall nicht mehr als 15 Minuten auseinanderliegen.» Das wisse man aus der Forschung, erklärte Choffat. Bringe man Pendlerinnen und Pendler dazu, dort zu arbeiten, wo sie leben, ergebe das einen vielfachen Nutzen. «Kürzere Arbeitswege bedeuten mehr Lebensqualität, eine höhere lokale Wertschöpfung, weniger CO2-Ausstoss und eine Entlastung der Verkehrsinfrastruktur», sagte Choffat weiter. Massgebend für den Erfolg des neuen Projekts dürfte nicht zuletzt die Standortfrage sein. «Als Pendlerstadt par excellence tun sich für die Stadt grossartige Chancen auf, die wir nutzen sollten», ist Rolf Schmid, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Olten und Mitglied im Verwaltungsrat der Raiffeisenbank Olten, überzeugt.

Durch die Herausforderungen in Zeiten von Corona habe in den letzten Monaten ein Umdenken darüber stattgefunden, wie und wo gearbeitet wird. «Es gibt in Olten bereits einige gute Angebote im Bereich Coworking, die noch mehr genutzt werden dürften», räumte Schmid ein. Bei der Wirtschaftsförderung sieht man daher Handlungsbedarf und hat sich zum Ziel gesetzt, mehr Leute für die Arbeit im Gemeinschafts­büro zu begeistern. Entscheiden über Top oder Flop wird letztlich die Oltner Community.

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