Rückblick

Corona, Bauprojekte, freigestellte Pfarrer: Was die Stadt und Region Olten bewegt hat

Die Fasnacht 2020 in Olten konnte fast vollständig über die Bühne gebracht werden. (Archivbild)

Die Fasnacht 2020 in Olten konnte fast vollständig über die Bühne gebracht werden. (Archivbild)

Die Frage, was Stadt und Region Olten umgetrieben hat im vergangenen Jahr, ist fast eine rhetorische. Corona natürlich – und meist auch Bauprojekte. Aber freigestellte Pfarrer, die Eröffnung von Gastrobetrieben, römische Funde bei Bodenarbeiten und die geplatzte Vorstellung im Stadttheater wegen eines Lasters kamen ebenso vor.

Corona wurde ein ständiger Begleiter: Erstmals manifestierte der sich bei der Absage des Fuko-Abends. «Eigentlich haben wir noch Glück gehabt», wird er später sagen, der Präsident des Fuko, des Fasnachts- und Umzugskomitees Olten. Warum: «Weil die Fasnacht 2020 fast vollständig über die Bühne gebracht werden konnte», so Beat Loosli.

Einzig der Fuko-Abend fällt der nachmaligen Pandemie zum Opfer. Vorsichtshalber verzichtet man auf den traditionellen Fasnachtsabschluss im Stadttheater. Es ist Ende Februar.

Hoffen auf das schnelle Vorbeiziehen

Noch niemand ahnt, was kommen wird. Prognosen – unmöglich. Die letzte Aufführung in
der Oltner Schützi ohne Coronaeinschränkungen: ebenfalls Ende Februar. Ab dann läuft nichts mehr oder nicht mehr viel.

Anfang März noch kann Bernheim Mode in Olten die Neueröffnung an der Kirchgasse begehen, Mitte März greift der verordnete Lockdown um sich. Das Gewerbe reagiert verunsichert, setzt auf alternative Angebote. Auch etablierte Gasthäuser greifen zur Take-away- Strategie, Blumenläden setzen auf telefonische Bestellungen, die Gemeinden schliessen Sport- und Kulturinstitutionen, stellen den Politbetrieb ein.

In Olten etwa entfällt die Gemeindeparlamentssitzung, erstmals seit Schaffung der Legislative 1972. Sogar die Strandbadsaison ist gefährdet, die jeweils im Mai beginnt. Und Thomas Knapp, Leiter der Schützi, bilanziert für die Kulturszene schon fast flehend: «Wir hoffen, dass dies schnell vorbeigeht.» Auch der Busbetrieb Olten Gösgen Gäu reduziert sein Fahrplanangebot. Die Passagierzahlen sind um 80 Prozent eingebrochen. Das Leben steht (fast) still.

Die Stunde der organisierten Nachbarschaftshilfe schlägt. Pfadfinder bringen Einkäufe nach Hause, Nachbarschaftshilfen organisieren sich über Internet, Vermieter erlassen Gewerblern den Hauszins. Der Velolieferdienst Collectors schiebt Sonderschichten. Oltens Bürgerschaft will dem Präventionsgedanken Nachdruck verschaffen und droht, das überstrapazierte 1000er-Stägeli allenfalls rückzubauen. Protest unüberhörbar. Das Stägeli steht noch.

Mitte April zeichnet sich eine Entspannung ab. Das Gewerbe zieht eine kritische Bilanz der Lockdown-Phase, die ab Ende April nach und nach ausläuft. Eine der Erkenntnisse: Wer auf Onlineservice bauen kann, ist weniger auf direkte Kunden kontakte angewiesen und darum weniger anfällig.

Rabatte locken an die Kirchgasse

Im Mai lädt Gewerbe Olten zum grossen Rabattangebot. 100 Franken schwere Gutscheine sind für 80 Franken zu haben. Ein voller Erfolg. Auch Hägendorf stellt im April für Betriebe 80'000 Franken Coronahilfe zur Verfügung. Ende Mai tagt das Oltner Parlament im Konzertsaal; gemeinsam, aber unter Einhaltung aller Hygiene- und Distanzvorschriften. Man nimmt’s professionell hin. Und der Sommer erweist sich als gnädig.

Viele Restaurateure bieten ihre Dienste vermehrt im Freien an, wo sich die Gäste
sicherer fühlen. Die Abstände können besser eingehalten werden. Die Stadt bewilligt die
Nutzung grösserer Freiflächen dafür. Noch machen sich die Oltner Kabarett-Tage und die Tanztage Hoffnung auf eine Durchführung ihrer Anlässe im Spätherbst, vergeblich. Chilbi- Begeisterte ebenso. Die Fasnacht 2021 wird schon im September abgesagt.

Kulturtupfer mit limitierter Publikumszahl

Mitte Oktober beginnen die Fallzahlen wieder zu steigen, sehr rasch. Pessimisten schwant Böses. Sie sollten recht behalten. Das brachliegenden Kulturhaus Stadttheater unter Edith Scott erfindet den «Kulturtupfer»: Schnell ins Leben gerufene Produktionen vor 30 Gästen. Mehr Plätze sind nicht zu vergeben. So hangelt man sich einigermassen durch den November, Mitte Dezember werden Publikumsaufführungen generell wieder untersagt.

«Kulturtupfer» im Konzertsaal vor handverlesenem Publikum; das war Mitte November noch möglich. (Archivbild)

«Kulturtupfer» im Konzertsaal vor handverlesenem Publikum; das war Mitte November noch möglich. (Archivbild)

Die 23 Sternschnuppen haben vorgesorgt. Die halbstündigen Produktionen vor leeren Rängen
in der Schützi können via Livestream über Internet verfolgt werden. Ein virtueller Trost. Aber wie hatte Pedro Lenz doch gesagt: «Nichts ersetzt menschlichen Kontakt.» 

Ja zu Projektierungskredit

Er gehört wohl zu den grösseren gesprochenen Krediten im Jahr 2020: der Projektierungskredit zum neuen Bahnhofplatz Olten (nbo). Einstimmig heisst das Oltner Gemeindeparlament an einem Septemberabend die verlangten 2,7 Mio. Franken gut.

Zusammenfassend lässt sich darüber sagen: viel Geld – wenig Begeisterung. Das mag damit zusammenhängen, dass die Fertigstellung des nbo noch Jahre dauern wird. Erst 2028, so die Prognostiker, wird das 90 Millionen Franken schwere Vorhaben in die Tat umgesetzt sein.

Die einen nennen das Vorhaben fast ein Jahrhundertprojekt. Andere fragen, ob das nicht zu viel Geld für zu wenig Mehrwert sei. Immerhin: Das Projekt enthält unter anderem einen neuen Busbahnhof, eine Velostation mit 1200 Plätzen samt Velowerkstatt, der Steg, welcher das Westufer der Aare mit dem nbo verbindet, wird von 4,5 auf 5,5 Meter verbreitert, es gibt Treppenstufen zum Wasser hinab, ein neues Dach vor dem Bahnhof und die Entflechtung der unterschiedlichsten Verkehrsströme. Anders ausgedrückt: Autos, Busse, Taxis, Fussgänger und Velofahrer sollen sich nicht mehr in die Quere kommen.

Der Steg über die Aare wird breiter. (Archivbild)

Der Steg über die Aare wird breiter. (Archivbild)

Das letzte Wort allerdings wird der Souverän haben. Stimmt der errechnete Fahrplan, wird er wohl im Jahr 2023 an der Urne über die von der Stadt geforderten rund 23 Millionen an Beitragszahlungen zum Bauwerk zu befinden haben.

In einem Schritt direkt zum attraktiven Ländiweg

Was der Stadtrat gewollt hätte hinsichtlich der Attraktivierung des Ländiwegs, schlägt das Parlament in seiner Junisitzung, wenn auch knapp, in den Wind. Zum einen will der Stadtrat im Zuge der Umgestaltung Bahnhofquai Sofortmassnahmen zur Erhöhung der Sicherheit und Aufenthaltsqualität umsetzen; Realisierung 2021. Im Hauptprojekt will er den Ländiweg attraktivieren; Realisation zirka 2026.

Aber: Das Parlament will den Vollausbau des Ländiwegs in einem Zug. Zu lange habe man auf eine Art «Andaare light» gewartet, so die Maxime. Jetzt sei der Zeitpunkt dafür gekommen. Mit einer Breite von 7 Metern entsteht damit eine für Zirkulation, Aufenthalt und Begrünung flexibel nutzbare Zone. Ein einheitlicher Hartbelag wird mit Inseln für den Aufenthalt und Vegetation belegt. Bäume sollen Spender feinen Schattens sein, um die Entstehung von sichtgeschützten, für Randgruppen interessanten Nischen zu vermeiden. Auf fest installierte Gastrobetriebe soll in dieser Zone verzichtet werden – diese bleiben auf die Bereiche Wildsauplatz und nbo konzentriert.

Kostenpunkt für «Andaare light»: rund 3 Mio. Franken. Dabei verzichtet das Parlament vorläufig auch auf die vorgesehene Schwimmplattform und bewusst auf mögliche Beiträge aus dem Agglomerationsfonds. Für die Stadt entstehen so Mehrkosten im mittleren sechsstelligen Bereich. Die Vollversion von Andaare allerdings hätte mehr als 25 Mio. Franken gekostet.

Verwandtes Thema:

Autor

urs huber

urs huber

Meistgesehen

Artboard 1