Seit Mittwochabend gehört das aktuellste Oltner Cornichon, jenes von 2016, ihm, Alfred Dorfer, dem österreichischen Kabarettisten, der scharfsinnige Ironie versprüht, spitzzüngig Gedankengebilde streut und mit der Gurkerlversion seines aktuellen Programms «bisjetzt» in Olten eine Duftmarke der Provenienz «lange Halbwertszeit» setzte. Bilanz nach dem ersten Tag der Oltner Kabarett-Tage: viel gelacht, viel geklatscht, viel gedacht.

Eigentlich ein Lebenswerk

Darüber hinaus: salbungsvolle Worte. Zuständig dafür: Laudator Simon Enzler, seines Zeichens Preisträger 2012. Er sagte, was über Dorfer auch noch gesagt werden durfte oder musste, nämlich: «Was dieser Mann in seiner Karriere schon alles geleistet und geschaffen hat, genügte eigentlich, um ihn heute Abend für ein Lebenswerk auszuzeichnen.»

Weil dieser im Grunde mit seinem Leistungsausweis nur noch eines werden könne: Alt nämlich. Weise sei er schon. Und schliesslich, so Enzler weiter, werde mit dem Preisträger nicht nur ein herausragender Künstler mit Saurem geehrt, sondern auch ein «richtiger Europäer, und das mitten in Olten. Die Schweiz ist ja nicht bekannt dafür, ein grosser Gemüseexporteur zu sein. Doch wenn wir es tun, dann richtig. Dann sind selbst Gurken reinste Kunstwerke.»

Die Attribute des Genres

Zum Auftakt des Abends: Reden; gewandte Worte, schlanke Gedanken. Das gehört zum Wesen solcher Ouvertüren. Martin Wey, Oltens Stadtpräsident, fragte sich, warum er zur 29. Ausgabe der hiesigen Kabarett-Tage als Begrüssungsredner zum Handkuss käme. Vielleicht hätten die Organisatoren verhindern wollen, dass er, Wey, bei der kommenden 30.

Austragung, einem Wahljahr, zu viel Werbung in eigener Sache gemacht hätte, mutmasste er launig. «Nur damit Sie’s wissen: Ich stelle mich noch einmal zur Wahl.» Was wie die Klärung einer verkappten Drohung klang, war Spass, gut verstanden.

Als Politiker, so verriet Wey ganz nebenher, bedeute Kabarett für ihn «Zeitkritik, Unabhängigkeit, Grenzgang zwischen Lachen und Weinen, Nutzen von Freiraum, scharfzüngig, engagiert, aber verantwortungsbewusst und nicht verletzend.» Solche Attribute wünsche er sich manchmal auch für die Politik.

Alfred Dorfer bei «Giacobbo / Müller»

Alfred Dorfer bei «Giacobbo / Müller»

Olten als Kabarett-Hauptstadt

Claude Schoch, Präsident der Gesellschaft Oltner Kabarett-Tage, sorgte unter anderem für eine lückenlose Begrüssung: neben Gästen aus Politik, Kultur und Wirtschaft auch die Vertretenden aus der Medienlandschaft. «Die Kameras, die Sie im Auge haben, gehören zur Sendung ‹Glanz und Gloria› des Schweizer Fernsehens. Morgen können Sie sich diese Sendung anschauen.» Und schliesslich redete der Präsident auch aus dem Nähkästchen. «Mit diesen vielen bedeutenden Gästen aus dem In- und Ausland kommen wir unserem Ziel immer näher – wir wollen Olten zur Kabarett-Hauptstadt der Schweiz machen. Ich bin sicher: heute Abend sind wir es.» Es gab keine Widerrede.