Kirchgemeinde Region Olten

Christkatholischer Bischof sagt zu den Spannungen: «Ich habe dem Pfarrer den Rücktritt nahegelegt»

Bischof Harald Rein (Mitte) mit Pfarrer Kai Fehringer (links) während des Gottesdiensts zur Wiederöffnung der Stadtkirche im September 2018.

Bischof Harald Rein (Mitte) mit Pfarrer Kai Fehringer (links) während des Gottesdiensts zur Wiederöffnung der Stadtkirche im September 2018.

Bischof Harald Rein spricht erstmals zu den Vorkommnissen bei den Oltner Christkatholiken und sagt, was er Pfarrer Kai Fehringer geraten hat und wie es nun weitergehen soll.

Die Christkatholische Kirchgemeinde mit ihren rund 500 Mitgliedern und den 31 angeschlossenen Gemeinden im Raum Olten ist in Aufruhr: Im Juli trat der amtierende Kirchgemeindepräsident Kurt Stutz nach einer Gemeinderatssitzung per sofort zurück, vergangene Woche tat es ihm der Gesamtgemeinderat an der Gemeindeversammlung gleich. In beiden Fällen waren Spannungen mit Pfarrer Kai Fehringer der Grund. Nun nimmt erstmals der christkatholische Bischof der Schweiz, Harald Rein, schriftlich Stellung zu den Vorfällen in der Kirchgemeinde.

Wie sehen Sie die Spannungen zwischen dem Pfarrer Kai Fehringer und dem Kirchgemeinderat?
Harald Rein: Es gab unüberbrückbare Differenzen zwischen dem Pfarrer und dem inzwischen zurückgetretenen Kirchgemeinderat, die mich an einen Machtkampf erinnern. Eine Kirchgemeinde funktioniert, weil Menschen zu ihr gehören und sich engagieren. In der Leitungsfunktion engagieren sich der Kirchgemeinderat und der Pfarrer oder die Pfarrerin. Im vorliegenden Fall ist die Leitung der Kirchgemeinde nicht mehr möglich, weil es zwischen den beiden Trägern der gemeinsamen Verantwortung zum Konflikt gekommen ist. Die Einheit in der Kirchgemeinde wird dadurch akut gefährdet. Deshalb schmerzt es mich als Bischof sehr, dass die ganze Kirchgemeinde unter diesem Konflikt leiden muss – vor allem auch die Mitglieder der Kirchgemeinde, die sich aus guten Gründen keinem der beiden Lager zugehörig fühlen.

Hat der Kirchgemeinderat mit seinem Gesamtrücktritt an der vergangenen Gemeindeversammlung letzte Woche richtig reagiert?
Der Rücktritt mag den ehemaligen Mitgliedern des Kirchgemeinderates als richtig erschienen sein. Manchmal ist es besser, sich aus einer scheinbar unlösbaren Situation zurückzuziehen und auf Distanz zu gehen.

Sie waren wegen dieser Spannungen anscheinend immer wieder in Olten am Vermitteln: Was war genau Ihre Aufgabe und wie haben Sie die Situation in der Kirchgemeinde erlebt?
Meine Aufgabe als Bischof ist es, in einem solchen Fall Gespräche zu führen, die der Vermittlung und dem Erhalt der Einheit der Kirchgemeinde dienen. In Olten nahm ich einen offenen Konflikt zwischen dem Pfarrer und dem Kirchgemeinderat wahr, dem schwer beizukommen war.

Wie soll es nun weitergehen, um die zerfahrene Situation wieder in den Griff zu bekommen?
Als Nächstes wird der Kanton einen Sachwalter einsetzen, der die Kompetenzen des Kirchengemeinderates hat (Anmerkung der Redaktion: Das hat der Kanton mit Walter Keller bereits getan). So will es das Landeskirchengesetz im Kanton Solothurn. Ich hoffe, dass dadurch die Kirchgemeinde bald einen gangbaren Weg in die Zukunft finden wird. Ich bin bereit, die Kirchgemeinde auch zusammen mit dem Sachwalter nach Kräften zu unterstützen und weiter zu vermitteln.

Wie diese Zeitung erfahren hat, sollen Sie Pfarrer Kai Fehringer bereits mehrmals zum Rücktritt aufgefordert haben. Aus welchem Grund und warum ist er dieser Forderung bisher nicht nachgekommen?
Ich habe ihm den Rücktritt nahegelegt. Weil ich in einer solchen Situation – unabhängig von der Schuldfrage – der Auffassung bin, dass es sinnvoller ist, dass der Pfarrer geht und nicht die halbe Gemeinde. Nur so ist ein kompletter Neubeginn wirklich möglich. Warum Kai Fehringer in Olten in seinem Amt bleiben will, kann er Ihnen besser selbst beantworten.

Zudem sollen Sie zusammen mit der Synodalratspräsidentin Manuela Petraglio abgemacht haben, dass sie Kai Fehringer nach einem Rücktritt für keine neue Stelle in einer christkatholischen Gemeinde der Schweiz empfehlen können.
Ich habe keine Abmachungen mit der Synodalratspräsidentin getroffen, sondern dem gesamten Synodalrat die Frage gestellt: Würden sie jemanden in eine andere Kirchgemeinde weiter empfehlen, der sich zum Schaden der eigenen Kirche an sein derzeitiges Amt klammert und den Bitten seines Bischofs in verschiedenen Bereichen trotz Weiheversprechen als Priester nicht nachkommt?

Wie sehen Sie ganz allgemein die Person Kai Fehringer? Was sind aus Ihrer Sicht seine Verfehlungen?
Ich äussere mich grundsätzlich nicht in der Presse über die Qualifikation von Angestellten oder Amtsträgern im Milizsystem.

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