Region Olten

Christkatholiken räumen mit Kirchen auf

Die christkatholische Kirche Hägendorf soll rückgebaut werden. An ihrer Stelle möchte der Kirchgemeinderat ein Mehrfamilienhaus errichten.

Die christkatholische Kirche Hägendorf soll rückgebaut werden. An ihrer Stelle möchte der Kirchgemeinderat ein Mehrfamilienhaus errichten.

Die kleine Glaubensgemeinschaft besitzt zu viele Gotteshäuser; jetzt bestimmt die Gemeindeversammlung über das Schicksal der Sakralbauten.

Die christkatholische Kirchgemeinde der Region Olten mit ihren rund 500 Mitgliedern wagt eine Neupositionierung. Oder aber: versucht ihre Kräfte zu bündeln. Die Oltner Stadtkirche, das eigentliche Mutterhaus der Bewegung, soll zur alleinigen Heimstätte werden. Die Gotteshäuser in Hägendorf, Starrkirch-Wil und Trimbach stehen zur Disposition (wir berichteten). An der Rechnungsgemeindeversammlung von morgen Mittwoch im Kirchgemeindehaus an der Kirchgasse in Olten fallen Entscheide und Grundsatzentscheide.

  • Die Kirche in Hägendorf soll samt Grundstück für rund 700 000 Franken verkauft werden. Variante: Die Kirchgemeinde behält das Grundstück, baut das Gotteshaus zurück und erstellt ein Mehrfamilienhaus, welches die Kirchgemeinde verwaltet. Diese Variante wird vom Kirchgemeinderat bevorzugt.
  • Die Liegenschaft in Starrkirch-Wil soll mit Ausnahme des Pfarrhauses an die dortige Einwohnergemeinde verkauft werden. Man geht nach Schätzungen der Einwohnergemeinde Starrkirch-Wil von einem Verkaufspreis von 200 000 bis 250 000 Franken aus. Die Gemeindeversammlung von Starrkirch-Wil hatte gestern Abend einen Grundsatzentscheid zu fällen.
  • Für die Kirche in Trimbach wurde eine neue Mieterin gefunden. Die «Lighthouse Church» wird die Räumlichkeiten voraussichtlich ab Herbst 2019 benutzen. Diese christliche Gemeinschaft war bislang an der Industriestrasse in Olten beheimatet. Der Mietvertrag ist bereits unterzeichnet.

Renovation hat Folgen

Für den Präsidenten der örtlichen Christkatholiken, Kurt Stutz, ist die aktuelle Konzentration der Kräfte natürlich auch eine Folge der rund 6,2 Mio. Franken schweren Renovation der Stadtkirche Olten. Man könne sich für die Stadtkirche keine solche Investition leisten und die Kirche dann einmal die Woche für eine Stunde offenhalten, meint er. «Deshalb haben wir den Schritt gemacht und schlagen vor, uns trennen von verschiedenen Liegenschaften, die unternutzt sind, aber trotzdem mit nicht unerheblichem Unterhalt zu Buch schlagen», so Stutz.


Der Präsident der Christkatholiken Region Olten ist zuversichtlich, dass die Vorschläge des Gemeinderates bei den Stimmberechtigten auf offene Ohren stossen. «Die Absicht, das Grundstück in Hägendorf zu behalten, die Kirche rückzubauen, und dort ein Mehrfamilienhaus zu errichten ist ein Vorhaben auf lange Sicht.»

Mit der Vermietung der Wohnungen liesse sich eine Rendite erwirtschaften. Das Vorhaben sei freilich auch mit einem gewissen Risiko behaftet. «Natürlich gibt uns niemand die Garantie, dass die Wohnungen vermietet werden können», sagt Stutz auf Anfrage. Aber bei einem Verkauf der Liegenschaft würden einmalig rund 700 000 Franken anfallen, die für Schuldenrückzahlung eingesetzt werden könnten. «Aber damit ist auch eine mögliche langfristige Rendite vom Tisch.»

Dass die Einwohnergemeinde Starrkirch-Wil zwar an Kirche, Friedhof, Gemeindesaal und Landparzellen, nicht aber am Pfarrhaus interessiert ist, stört den Präsidenten keineswegs. Die Preisvorstellungen vom Kirchenrat und Einwohnergemeinde gehen zwar noch etwas auseinander, «aber wir werden uns sicher einig», so Stutz zuversichtlich. Und das Pfarrhaus? «Das Pfarrhaus kann man problemlos vermieten oder allenfalls auch verkaufen.»

«Lighthouse Church» als Mieterin

Bereits unter Dach und Fach ist der Mietvertrag mit der «Lighthouse Church». Sie wird voraussichtlich im Herbst die Lokalität beziehen. «Erst war noch der Wunsch der Mieterin nach einer weiteren Toilettenanlage in der Kreuzkirche da», so Stutz. Aber davon ist die «Lighthouse Church» wieder abgerückt, nachdem sie sich mit den Mietmehrkosten nach dem Einbau der Anlage konfrontiert sah. Mit rund 30 000 Franken wäre der Einbau zu Buch gestanden. Und: «Der Einbau hätte auch nur mit dem Einverständnis der kantonalen Denkmalpflege verwirklicht werden können», weiss Stutz.

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