Region Olten
Christkatholiken mit neuer Präsidentin – findet die Spaltung der Kirchgemeinde nun ein Ende?

Die Christkatholische Kirchgemeinde der Region Olten hat mit Monique Rudolf von Rohr eine neue Führung. Doch die gegenseitigen Sticheleien sind noch nicht vorbei.

Fabian Muster
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Pfarrer Kai Fehringer: «Es kommt nur gut, wenn man mit mir Frieden macht.»

Pfarrer Kai Fehringer: «Es kommt nur gut, wenn man mit mir Frieden macht.»

Patrick Lüthy

Die Christkatholische Gemeinde der Region Olten mit ihren rund 500 Mitgliedern hat wieder einen Kirchgemeinderat, wie auf der Website zu erfahren ist: Unter den sieben Mitgliedern finden sich mit Ursula Ulrich-Vögtlin und Brigitta Köhl unter anderem zwei ehemalige Präsidentinnen sowie mit dem Oltner Gastronomen Roger Lang ein stadtbekanntes Gesicht. Neue Kirchgemeindepräsidentin wird Monique Rudolf von Rohr, die in den 1990er-Jahren bereits einmal Kirchgemeinderätin war. Seit Anfang Jahr kümmert sich Sachwalter Walter Keller um die Amtsgeschäfte, nachdem der Gesamtgemeinderat wegen der Spannungen mit Pfarrer Kai Fehringer an der Gemeindeversammlung Mitte Dezember per sofort zurücktrat.

Monique Rudolf von Rohr, die neue Kirchgemeindepräsidentin der Christkatholiken Region Olten    

Monique Rudolf von Rohr, die neue Kirchgemeindepräsidentin der Christkatholiken Region Olten    

Bruno Kissling

Nach diesem Eklat wollte Rudolf von Rohr das Präsidium eigentlich nicht mehr übernehmen. Sie sagte damals gegenüber dieser Zeitung, dass das Amt unter diesen Umständen für sie nicht mehr infrage käme. Doch nun hat sie sich doch anders besonnen. «Die damalige Absage ist aus den Emotionen heraus entstanden.» Die derzeitige FDP-Ortsparteipräsidentin ist inzwischen «von verschiedener Seite aufgefordert worden, das Amt trotzdem zu übernehmen». Zudem sei sie immer christkatholisch gewesen und ihr täte es weh, wenn die Gemeinde weiterhin führungslos wäre. Ihre primäre Aufgabe wird es aus ihrer Sicht sein, die Finanzen in Ordnung zu bringen. Zuerst soll gespart werden, aber auch eine Steuererhöhung, die vergangenen Dezember von den Mitgliedern noch ablehnt wurde, könnte wieder zum Thema werden. Die zweite grosse Baustelle ist das «Zerwürfnis» innerhalb der Kirchgemeinde, die in ein Pro- und Kontra-Fehringer-Lager gespalten ist. Darauf angesprochen sagt sie: «Ich habe gehört, dass es schwierig sei, mit ihm zusammenzuarbeiten, kann mir aber eine solche dennoch vorstellen. Ich bin sehr offen.»

Darum gab es keine gemeinsame Liste

Die sieben neuen Kirchgemeinderäte wurden still gewählt und setzen sich vornehmlich aus pfarrerkritischen Kreisen zusammen. Im Hintergrund zog der frühere langjährige Kirchgemeindepräsident Kurt Schibler die Fäden. Auf Anfrage sagt er, dass er der pfarrertreuen Gruppe um Dominik Stirnimann das Angebot einer gemeinsamen Liste gemacht habe. «Auf unser Gesprächsangebot zur Gestaltung dieser Liste hat die Gruppe schroff ablehnend reagiert», schreibt er. Er habe daher einen Wahlvorschlag eingereicht, um eine Urnenwahl zu ermöglichen und damit zu verhindern, dass die unkritischen Anhänger des Pfarrers im Gemeinderat übervertreten sind.»

Zur Urnenwahl kam es allerdings nicht, weil Dominik Stirnimann die Liste nicht eingereicht hat. Auf Anfrage zeigt er sich verärgert über Schibler, dem er Hinterlist vorwirft. Schibler hätte an der von ihm einberufenen und geleiteten inoffiziellen Versammlung Mitte Februar ebenfalls teilgenommen, eine eigene Liste angekündigt, aber die Namen nicht öffentlich genannt. Da dies damals nicht geschehen wäre, «sollen sie die Suppe selbst auslöffeln, die sie sich eingebrockt haben», sagt Stirnimann. Solche Spiele würde er nicht mitmachen, weshalb er auch die Liste nicht eingereicht habe. Er wirft Schibler zudem vor, selbst zur Verleumdung des Pfarrers beizutragen. Nicht zuletzt kritisiert Stirnimann auch den neu zusammengesetzten Kirchgemeinderat, der nur aus in Olten wohnhaften Mitgliedern bestehe, die seit 2009 angeschlossenen Kirchgemeinden der regional aufgestellten Christkatholiken seien trotz entsprechendem Passus in der Gemeindeordnung nicht vertreten.

Schibler rechtfertigt die fehlende Namensnennung und verweist auf den inoffiziellen Charakter der damaligen Veranstaltung, von der ein Grossteil der Mitglieder erst wenige Tage davor wusste, dass diese überhaupt stattfinde. Zudem möchte er den Kirchgemeinderat nicht schon vor dessen Einsetzung «demontiert» wissen. Es gebe nicht nur Gemeindeanteile, die entweder für oder gegen den Pfarrer eingestellt seien, sondern auch Mitglieder, die das Wirken Kai Fehringers differenziert einschätzten. «Letzteres trifft besonderes auch auf den neu gewählten Kirchgemeinderat zu», schreibt Schibler. Die Vorwürfe an seine Adresse sehe er zudem als Versuch, «davon abzulenken, dass der amtierende Pfarrer der primäre Verursacher der gegenwärtigen Gemeindespaltung ist, wobei der Anteil der unkritischen Anhängergruppe des Pfarrers vergleichsweise klein ist».

Der Pfarrer hofft auf eine Mediation

Pfarrer Kai Fehringer, dem vorgeworfen wird, sich zu stark in die Angelegenheiten des Kirchgemeinderats einzumischen, äussert sich zurückhaltend zum still gewählten Gremium. Er sei gespannt, wie es weitergehe und hoffe, dass die neuen Mitglieder versuchen, «neutral und vernünftig zu sein». Er sei immer noch gesprächsbereit und hoffe auf eine Mediation. «Es kommt nur gut, wenn man Frieden macht.» Er bemängelt aber, dass in der Kirche die Versöhnungskultur zu wenig gepflegt werde. «Es werden grundsätzlich keine Konflikte aufgearbeitet, es besteht nur ein Interesse an Ruhe und Ordnung», sagt Fehringer.

Anfang Mai soll die neue Kirchgemeindepräsidentin Monique Rudolf von Rohr vereidigt werden. Der Sachwalter Walter Keller rechnet damit, dass noch im gleichen Monat eine erste Ratssitzung angesetzt wird. Die Protokolle der ersten beiden Sitzungen will er abwarten. Danach wird er dem Regierungsrat beantragen, die Sachwalterschaft zu beenden, falls der Rat gut funktioniert. Davon geht Keller aus, weil «der neue Rat offensichtlich aus der pfarrerkritischen Ecke stammt». Sein Mandat soll die Kirchgemeinde zudem «deutlich unter 10'000 Franken» kosten.

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