Olten

Christkatholiken feiern ersten Gottesdienst nach Fehringer-Freistellung – mit Bischof Harald Rein

Der Gottesdienst der Christkatholiken Region Olten am Sonntag stand auch im Zeichen des Neustarts nach der Ära Kai Fehringer.

Nein, man könnte nicht sagen, der christkatholische Pfingstgottesdienst in der Stadtkirche Olten habe unter einem heiteren Vorzeichen gestanden. Zu frisch noch war die zwar einvernehmliche, aber doch hart errungene Trennung zwischen Pfarrer Kai Fehringer und der christkatholischen Kirchgemeinde Region Olten. Aber: Bischof Harald Rein als Zelebrant verstand es ausgezeichnet, die aktuelle Situation zu relativieren und den Blick nach vorn zu wagen. Seine eingangs gefallene Bemerkung, ein Gottesdienst sei nicht der geeignete Ort der Positionierung, liess ahnen, dass nach den Unstimmigkeiten rund um Pfarrer Fehringer der Neustart lanciert werden muss. Dazu zitierte Rein eine Zeile aus «Stufen», einem Lyrikwerk Hermann Hesses: «Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.» Dass dieser Zauber als Schwung für den Neustart zu nutzen sei, konnten sich die rund 70 anwesenden Gläubigen selbst ausmalen.

«Ich habe seine Predigten sehr geschätzt»

Vertreter einer eigentlichen Pro-Fehringer-Fraktion waren gemäss Auskunft der Gottesdienstbesucher am Pfingstsonntag keine auszumachen. Rund 20 Personen soll sie gemäss Schätzungen umfassen. Immerhin: «Ich bedaure sehr, dass es so weit kommen musste», sagte eine Gottesdienstbesucherin, die lieber anonym bleiben wollte. Sie habe jeweils die Predigten des Pfarrers sehr geschätzt. Sie stimmte im Übrigen aber mit Bischof Reins gemachter Aussage überein, dass man «nicht wegen einer Person oder wegen einer Person nicht» am Gottesdienst teilhabe. Sondern? «Des spirituellen Moments wegen», so die Besucherin.

Zumindest einer Person, wie diese Redaktion erfahren hat, reicht der spirituelle Moment nicht. Die Person hat vor kurzem ihren Austritt aus der christkatholischen Gemeinde bekanntgegeben. Dennoch ist Optimismus spürbar: «Doch, ich glaube, es kommt gut», meinte Kurt Füeg nach dem Gottesdienst. Da sei schon seit geraumer Zeit einiges im Argen gelegen. «Das Zerwürfnis war ein tiefes.» Nun aber sei der Boden für einen Neustart geebnet.

Mehr einvernehmliche Umgangskultur

Man erhofft sich jetzt wohl auch personelle Kontinuität bei den Christkatholiken und eine einvernehmlichere Umgangskultur zwischen Priester und aktiven Laien. In der Ära Fehringer hätten doch einige Repräsentanten der Kirche ihren Dienst quittiert, wie am Rande des Gottesdienstes ebenfalls zu hören war. So etwas sei immer bedauerlich, meinte Kirchgemeindepräsidentin Monique Rudolf von Rohr. «Wir haben ein grosses Herz», gab sie zu verstehen, so als wollte sie sagen, darin habe nicht alles, aber vieles Platz. Und: «Wir wissen, dass die theologische Arbeit von Kai Fehringer sehr geschätzt wurde.»

Wie Bischof Harald Rein am Schluss des Gottesdienstes betonte, habe er nie bloss einer Partei die Verantwortung für das Zerwürfnis gegeben. Unter den gegebenen Umständen allerdings trage er die Trennung mit. Vieles erinnerte den neutralen Beobachter bisweilen auch an die Situation im Fussball. Bildlich gesprochen: Man wechselt den Trainer und nicht das Team. Nun: Pfarrer Kai Fehringer war am Pfingstgottesdienst zugegen. Das sei «mutig», wie in breiten Kreisen zu vernehmen war. Alles in allem aber gab man sich erleichtert, die Situation bereinigt zu haben. Der Konflikt habe lange geschwelt. Bis Ende Jahr arbeitet die christkatholische Kirche jetzt mit stellvertretenden Geistlichen. «Es gibt viel zu tun», meinte die Präsidentin am Ende des Gottesdienstes.

Autor

urs huber

urs huber

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