Es müssen dem Herrgott die Ohren geläutet haben am Samstag. Beim Apéro im Zelt der Fröscheweid Zunft schon hatte Stadträtin Iris Schelbert-Widmer Schaustellern, Budenbetreibern und Beizern «volle Kassen und gute Geschäfte» gewünscht und Markus Hubeli, Geschäftsführer des Schaustellerverbandes Schweiz, in seinen kurzen Worten das Jahr 2013 bislang als «kein gutes» bezeichnet.

Was soviel bedeutet wie: Regen oder Hitze. Beides nämlich beeinflusst den Geschäftsgang jeweils negativ. Dem war gestern aber nicht so. Trocken und warm – so wie es sein muss – präsentierte sich das hiesige Chilbiwetter. Und obendrein wurde die Chilbinacht bis um 2 Uhr verlängert. Herz; was willst du mehr?!

Und: Es war richtig was los in den Strassen und kurz vor 21 Uhr gabs in der Mühlegasse kaum mehr ein Fortkommen. Selbiges galt für den Graben und auch in der Schützenmatte wurde der Platz irgendwie knapp. Betrieb gabs überall, wo es ruckelte und zuckelte, die Schwerkraft auszuhebeln versucht wurde und der Mensch als Flieger neuen Daseinsformen entgegen strebte.

Lachende Gesichter von Müttern und Vätern, die am Boden geblieben waren, strebten hin zu den Chilbilichtern, unter deren Schein «dr Bub oders Meitschi» kreischend die Arme in den Himmel reckten und – wenn überhaupt – nach frühestens zehn Minuten mit «kehrtem Mage» von der Bahn stolpern würden, liesse man es soweit kommen. Wie ist das Befinden nach der dreiminütigen Fahrt mit der Super Chaos? «Mir ist chli sturm», sagt einer. War trotzdem schön? «Ja, klar», sagt er dann und zieht von dannen, der nächsten Attraktion zu. Und auch bei René Senns traditioneller Looping Schaukel wirbelten die Boxen im Kreis herum. «Ja ja, es läuft», sagt der Chef und verkauft Chips. «Ich bin wohl der Billigste hier auf dem Platz», lacht er.

Aber nicht bloss der Bahnbetrieb geriet nie ins Stocken, auch in Beizen und an Bartischen war was los: Bratwurst und Cervelat gabs bei der Fröscheweid Zunft und die konnten sich über leere Plätze unter ihrem Zeltdach kaum beklagen. Alles verlief perfekt und auch die Spaghettistube des Handharmonika Orchesters kenne seine Stammgäste, wie Dirigent Max Wyss schon am frühen Nachmittag zu Protokoll gab. Man sei über viele Jahre dabei; da werde er gar übers Jahr schon von unbekannten Personen auf die Spaghetti angesprochen.

Auch Andreas Minder, Oltens oberster Chilbipolizist, ging am frühen Abend davon aus, dass der Chilbijahrgang 2013 ein guter werden würde. «Die Stimmung ist gelöst und die Vorbereitungen sind optimal über die Bühne gegangen», sagt er. Ein gutes Omen. Und auch wenn der Brunnen an der Kirchgasse nicht unbedingt optimal platziert ist: Für klebrige Hände war er gestern begehrtes Reinigungszentrum.