«Wir sind natürlich sehr froh, dass Nicolás Castillo als Wirt und Betreiber der Public Viewing-Zone in der Schützi mit uns zusammenarbeitet.» René Bachmann von der Suchthilfe Ost GmbH zögert keine Sekunde, zu erklären, was er mit dieser Zusammenarbeit meint: Während der Fussball WM in Brasilien können alle Spiele in der Schützi, wie bereits all die Fussball-Jahre zuvor, unter freiem Himmel angesehen werden. Soweit also nichts Neues.

Heuer aber kommt hinzu: Wirt Nicolás Castillo verkauft seinen Kunden in der Zone zwei Süsswassergetränke markant billiger als das günstigste alkoholische Getränk. Will heissen: Während 4 dl Bier an der Kasse mit einem Fünfliber abgegolten werden müssen, kostet die gleiche Menge des Softdrinks mit dem Beinamen «Cliq» lediglich zweieinhalb Franken. Ein Getränkehersteller im angrenzenden Aargau hat zur Unterstützung des Jugendschutzes eine Rückvergütung auf den Einkaufspreis angeboten.

Castillo selbst bezeichnet die bevorstehende Aktion im Zeichen des Jugendschutzes als gelungen. «Ich befürworte dieses Agreement», meint er. Auch gegen die bevorstehenden Testkäufe hat er nichts einzuwenden. «Das ist ja dann die eigentliche Nagelprobe», erklärt der Wirt der Schlosserei, der in den letzten Jahren im Zweijahresrhythmus die jeweils grössten Public Viewing-Zonen der Stadt auf die Beine gestellt hat.

30 000 Besuchende vor vier Jahren

Dies lässt sich an den Besuchern festmachen, die der Zone während der letzten Fussball-WM in Südafrika ihre Aufwartung machten. «Rund 30 000 waren vor vier Jahren da», sagt Castillo. Und der Wirt weiss auch, dass sich speziell bei früh angesetzten Spielen auch vermehrt jugendliches Publikum tummelt. «Die diesjährigen Anspielzeiten - 18 Uhr, 21 Uhr und 24 Uhr - lassen auch heuer darauf schliessen», schiebt der Wirt hinterher. Ein Umstand, der die Jugendschutz-Aktion noch mehr erklärt.

Wieso eigentlich Jugendschutz?

Die Grösse der Veranstaltung ist mit ein Grund, warum die Suchthilfe Ost speziell hier und in dieser Art präventiv in Erscheinung tritt. «Vorbeugung, so haben die Erfahrungen gezeigt, ist am nachhaltigsten, wenn sie über Preisgestaltung und Verkaufsbeschränkungen wirkt», sagt Bachmann. Jugendschutz auch darum, weil der junge Organismus den Alkohol schlechter verarbeiten kann und das Risiko für eine spätere Abhängigkeit steigt, wenn früh mit dem Konsum begonnen wird, wie Bachmann bestätigt.

Deshalb ist Castillo auch gesetzlich verpflichtet, an allen Verkaufsstellen Jugendschutzplakate gut sichtbar aufzuhängen. Botschaft: «Das Gesetz verbietet den Verkauf von Wein, Bier und Apfelwein an unter 16-Jährige, Spirituosen, Aperitifs und Alcopops an unter 18-Jährige.»

Mühsame Identifikation

Wie aber findet man an der Theke nun heraus, ob der Kunde 15-, 16- 18- oder 25-jährig ist? «Bei Unsicherheiten muss sich der Keeper den Ausweis zeigen lassen», sagt Bachmann. «Aber damit das Barpersonal denselben Gast nicht mehrmals nach dem Ausweis fragen muss, gibt es bei der ersten Überprüfung des Ausweises einen Stempel oder Armband.»

Das erleichtere die Kontrolle doch sehr. Und im Vorfeld führt die Präventionsstelle des Blauen Kreuz Solothurn für das gesamte Barpersonal eine Jugendschutzschulung durch. Ziel: die Sensibilisierung des Personals für dieses Thema. Zudem wacht der Wirt nicht nur darüber, dass auf Platz kein Alkohol unrechtmässig ausgeschenkt wird, er zeichnet auch dafür verantwortlich, dass kein Alkohol von aussen in die Zone eingeführt werden kann. «Das ist ja in meinem ureigensten Interesse», so Castillo.

Stadtpolizei als Hüter der Ordnung

Über allem wacht im Übrigen die Stadtpolizei. Sie wird - zusammen mit Castillo - über die Resultate der von der Suchthilfe angebahnten Testkäufe informiert, damit organisatorische Massnahmen und ihre Umsetzung weiter verbessert werden können, wie Thomas Wermelinger von der Stadtpolizei erklärt. Die WM kann also kommen.