Kappel
"Chappu First": Wie eine Amerikanerin ihren ersten Tag in der Schweiz an der Chilbi erlebte

Die OT-Praktikantin Sarah Kunz führt eine amerikanische Austauschstudentin durch die Chappeler Chilbi.

Sarah Kunz
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Impressionen von der Chappeler Chilbi.
26 Bilder
Die Chappeler Chilbi: Lunapark.
Die Chappeler Chilbi: Lunapark.
Die Chappeler Chilbi: Lunapark.
Die Chappeler Chilbi: Lunapark.
Die Chappeler Chilbi: Lunapark.
Die Chappeler Chilbi: Lunapark.
Die Chappeler Chilbi: Lunapark.
Mit dem Wetter hatte man leider wenig Glück.
Mit dem Wetter hatte man leider wenig Glück.
Mit dem Wetter hatte man leider wenig Glück.
Mit dem Wetter hatte man leider wenig Glück.
Mit dem Wetter hatte man leider wenig Glück.
Mit dem Wetter hatte man leider wenig Glück.
Mit dem Wetter hatte man leider wenig Glück.
Mit dem Wetter hatte man leider wenig Glück.
Mit dem Wetter hatte man leider wenig Glück.
Impressionen der Chappeler Chilbi.
Impressionen der Chappeler Chilbi.
Impressionen der Chappeler Chilbi.
Impressionen der Chappeler Chilbi.
Impressionen der Chappeler Chilbi.
Impressionen der Chappeler Chilbi.
Impressionen der Chappeler Chilbi.
Impressionen der Chappeler Chilbi.
Impressionen der Chappeler Chilbi.

Impressionen von der Chappeler Chilbi.

Remo Fröhlicher

«Alles sieht so hübsch aus», sagt Kennedy Smith begeistert. Oder wie es die Amerikaner eben sagen: «Everything is so cute.» Damit meint die Amerikanerin nicht nur die kleinen Dörfer, die wir auf dem Weg nach Kappel durchfahren, sondern vor allem die vielen herzigen Stände an der Chappeler Chilbi. Vor allem die aufgehängten Lebkuchenherzen im Kaffistübli haben es ihr angetan. Die Austauschstudentin begleitet mich an diesem Wochenende und erfährt gleich einmal, was wir Schweizer so alles auf die Beine stellen können.

Reise in die Schweiz

Am Samstagmorgen hole ich sie am Flughafen in Zürich ab. Nach dem neunstündigen Flug von Atlanta nach Zürich ist sie zwar ziemlich müde und nervös, aber auch aufgeregt. Ich weiss, wie sie sich fühlt, denn vor einem Jahr war ich in derselben Position, als ich ein Austauschsemester am Agnes Scott College in Atlanta gemacht habe. Genau dort, wo Kennedy normalerweise studiert. Die Winde haben sich gedreht, wie man so schön sagt. Nun ist sie in der Schweiz und wird ein Jahr lang in Bern studieren.

Obwohl Kennedy zuerst in der High School und dann am College jeweils zwei Jahre lang Deutschunterricht hatte, spricht sie die Sprache nur gebrochen. Deshalb unterhalten wir uns auf Englisch. Im Auto schaut sie verträumt aus dem Fenster und betrachtet die Landschaft, die für mich so normal und vertraut ist. «It’s beautiful here», schwärmt sie. Die Schweiz sei so schön. Voller Stolz schwillt mir ob der Aussage die Brust. Ausserdem kann es Kennedy kaum glauben, dass wir auf dem Weg von Zürich nach Bern innerhalb von nur eineinhalb Stunden in vier Kantonen waren. «In Amerika fährst du drei Stunden lang Auto und bist trotzdem noch im selben Staat», sagt sie lachend. In der Schweiz ist eben alles ein bisschen gemütlicher. Qualität vor Quantität. Sie nickt zustimmend.

Familiäres Treffen an der Chilbi

Nachdem wir die Koffer in ihrem Studentenwohnhaus in Bern deponiert haben, fahren wir zurück nach Kappel. Der Weg von meinem Haus zur Dorfstrasse, wo die Chilbi stattfindet, ist nicht weit. Nur einmal den Fussgängerstreifen überqueren («Was? So nahe ist das?») und wir stehen vor dem Chilbibanner. Schon da bemerkt sie das Lebkuchenherz, das Logo der Chappeler Chilbi.

Für sie etwas Unbekanntes und wieder etwas, das ihr sehr gefällt. «Eg ha di gärn», steht drauf und ich muss für sie übersetzen. Auch versuche ich ihr genauer zu erklären, was eine Chilbi überhaupt ist: «Hier isst man, geht auf die Bahnen und trifft einfach die Leute vom Dorf. Du wirst sehen.» Sie schaut mich etwas verwirrt an. «Die kennst du alle?» Ich lache. «Nicht alle, aber viele.»

Kaum gesagt, kreuzt uns mein Nachbar mit seiner Tochter, einige Meter weiter begrüssen uns meine Teamkollegen am Crêpes-Stand und wieder ein paar Schritte weiter winkt mir ein Freund meines Vaters aus dem Grottino entgegen. Kennedy schüttelt verblüfft den Kopf. So etwas gibt es in Amerika nicht.

Nachdem uns bereits auf Höhe der Bränte Villa gefühlsmässig halb Kappel begegnet ist und uns begrüsst hat, frage ich Kennedy nach ihrem ersten Eindruck. «Ich habe ja schon gehört, dass die Schweiz familiär ist. Aber dass sich hier alle kennen und grüssen, ist einfach toll», sagt sie begeistert. Kaum fünf Minuten lang sind wir an der Chappeler Chilbi und schon merke ich, wie Kennedy ihr Herz an mein Heimatland verliert.

Biertrinken im Regen

An der Chilbi erwartet die Amerikanerin noch eine Überraschung. Kennedy ist erst 20 Jahre alt und deshalb in den Vereinigten Staaten minderjährig. Für andere Länder gelten aber andere Sitten (und Gesetze) und deshalb darf sie hier ihr allererstes Bier bestellen. Natürlich selbst. Und natürlich auf Deutsch.

Als ich ihr das verrate, erbleicht sie etwas. Schliesslich bestellt sie mehr mit Handzeichen als mit tatsächlichem Sprechen. Zwei (Fingerzeichen) Eve (Zeigen auf Speisekarte) bitte (freundliches Lächeln). Der Barmann der «Dorfstross-Buebe» bringt die Getränke und sagt: «Beides zäme chostet zäh Franke.» Endstation für Kennedy. Hilfesuchend dreht sie sich zu mir um und ich erlöse sie: «Ich zahle, hoi übrigens.» Wieder einer, den ich kenne. Ich drücke meiner amerikanischen Freundin das Bier in die Hand und proste ihr zu: «Cheers!»

Zum Glück stehen wir unter dem Gerüst der «Dorfstross-Buebe». Denn kaum haben wir den ersten Schluck getrunken, öffnet Petrus die Schleusen. Die Helfer des Casa Pipistrelli teilen ihre bunten Schirme mit anderen Besuchern, um möglichst trocken irgendwo «a Schärme» zu gelangen, Leute mit hochgezogenen Kragen rennen an uns vorbei, die Strassen leeren sich, jeder schlüpft irgendwo unter. Ich zucke mit den Schultern und lache. «Herzlich willkommen in der Schweiz.» So ist das Wetter hier nun einmal. Ihr kann jedoch nicht einmal mehr der Regen die gute Laune vermiesen. Denn die Amerikanerin hat sich sowieso schon in unser Land verliebt.