Pilzkrankheit

Bund und Kantonsförster wollen Esche «auf keinen Fall aufgeben»

Der Eschenbestand in der Schweiz ist durch einen tödlichen Pilz bedroht. Auch im Bornwald mussten zahlreiche Eschen gefällt werden. Ein Patentrezept im Kampf gegen die Pflanzenkrankheit haben die Fachleute des Bundes und der Kantone nicht.

Sie ist vielleicht nicht so populär wie Eiche, Buche oder Linde. Aber die Esche gehört einfach dazu: Jeder 25. Baum in der Schweiz ist eine Esche, in einzelnen Kantonen jeder zehnte. In Baselland sind es 14 Prozent. Sie ist der zweithäufigste Laubbaum der Schweiz.

Jetzt ist die Esche ernsthaft bedroht. Eine Pilzkrankheit, Chalara Fraxinea, erstmals vor 25 Jahren in Litauen und Polen aufgetreten, überzieht den grössten Teil Europas (wir berichteten). In der Schweiz 2008 im Nordwesten festgestellt, hat das Eschentriebsterben nun die Alpen überquert. Der Pilz unterbindet die Saftbahnen in der Rinde, Äste und Baum sterben ab. Der Sporenbefall geschieht von der Krone, aber auch vom Stammfuss her. Ein Gegenmittel gibt es bisher nicht.

«Bei Förstern und Waldeigentümern macht sich Resignation breit», sagt Ueli Meier, Kantonsforstingenieur beider Basel und Präsident der Konferenz der Kantonsförster (KoK). «Es besteht die Gefahr, dass die Esche links liegen gelassen wird.» Dagegen treten die Kantonsförster und das Bundesamt für Umwelt (Bafu) an. «Unsere Botschaft lautet: Gebt die Esche nicht auf», unterstrich Rolf Manser, Leiter der Abteilung Wald im Bafu, am Donnerstag an einer Medienkonferenz im Bornwald von Olten. Es sei das Ziel von Bund und Kantonen, die Esche in der Schweiz zu erhalten.

Auch wirtschaftlich wichtig

«Die Esche ist der verkannteste Baum in der Schweiz; man übersieht sie häufig», warnte Ueli Meier. Doch sie sei gesellschaftsbildend: Wo Eschen stehen, siedeln sich andere Lebewesen an, zum Beispiel Morcheln. Umgekehrt heisst das: Wenn die Esche stirbt, sterben auch andere Arten. «Das Eschentriebsterben ist eine ernste Bedrohung für das Ökosystem Wald in der Schweiz», so Bundes-Waldchef Manser. 

Die Esche sei aber auch interessant als Holzart. «Werkzeugstiele, Davoserschlitten oder Tram-Holzbänke sind aus Eschenholz.» Für ihr elastisches, biegefestes Holz gebe es keinen Ersatz. Und mit ihrer dicken Rinde leiste sie einen Beitrag an den Lawinenschutz im Gebirge. «Die Esche ist eine hervorragende Baumart», bestätigte Georg Nussbaumer, Betriebsleiter der Forstbetriebsgemeinschaft Unterer Hauenstein aus wirtschaftlicher Sicht. «Jetzt wird uns der Wert der Esche wieder bewusst.»

Und doch: «Nicht aufgeben» fällt schwer. Laut KoK-Präsident Ueli Meier sind die Aussichten, dass sich eine befallene Esche wieder erholt, praktisch Null. Alle Baumgenerationen sind befallen. In Jungbeständen sind es bis zu 90 Prozent. Für Meier heisst das: «Wir müssen mit dieser Krankheit leben. Die Eschen sind für uns zu wichtig.»

Weder Chemie noch Gentechnik

Der Vorsitzender Kantonsförster stellte klar, was nicht in Frage kommt: «Der Einsatz von Chemie gegen den Pilz wäre im Wald zu riskant. Die Kollateralschäden wären zu gross.» Eine weitere Idee blickte Rolf Manser vom Bundesamt für Umwelt ab: «Mit gentechnisch veränderten Bäumen zu arbeiten, wie das im Ausland gemacht wird, ist in der Schweiz keine Option.»

Die Handlungsmöglichkeiten versprechen keinen raschen Erfolg. «Wir müssen die Entwicklung der Krankheit und der Eschen beobachten», sagte Manser. Es scheint nämlich, dass einige wenige Eschen resistent sind. Nicht befallen wird auch die nur in der Südschweiz heimische Art Blumenesche.

Mit resistenten Stecklingen zu arbeiten, hält Roland Engesser von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL Birmensdorf aber nicht für das Patentrezept. Er setzt auf die natürliche Selektion. «In der Natur gibt es immer Gegenspieler.» Ein Experiment sucht nach einem Virus als Krankheitserreger, der den Pilz schwächt. Und: «Die Krankheit zeigt sich nicht an allen Standorten gleich.» Es brauche die Beobachtungen der Förster.

«Wir brauchen keine Hektik», warb der Forscher um Zeit. Und er beruhigte: «Ich garantiere Ihnen: Die Esche stirbt nicht aus.» Auch in Ländern, wo das Eschentriebsterben seit 25 Jahren grassiere, gebe es immer noch Eschen.

Doch Forstbetriebe brauchen Ertrag. Ueli Meier brachte ihr Dilemma auf den Punkt: «Haben die Förster noch den Mut, gesunde Eschen stehen zu lassen und zu ihren Gunsten andere Bäume zu fällen?» Während von der Neupflanzung von Eschen abzuraten ist, hofft die «Forstpolitik» zweifellos auf den Erhalt von gesunden Eschen im Wald.

Und die gibt vorderhand trotz allem, wenn auch an Standorten, wo man es nicht erwarten würde. In Schwanden, am Nordhang des Dottenbergs in Lostorf, einem prädestinierten Eschenstandort, mussten Eschen grossflächig gefällt werden. «In Ifenthal hingegen, am Ifleterberg, sehen die Eschen noch gut aus. Das hat mich erstaunt», stellte Revierförster Nussbaumer fest.

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