Kunst aus Olten, die gibt es. Und wie es sie gibt. Dies bewiesen bereits zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen des Kunstmuseums. Die Kunstszene in Olten bietet ihren eigenen Leuten grosszügigen Raum und Möglichkeiten, ihr Talent mit der Öffentlichkeit zu teilen. Lokalmedien berichteten oft über Vernissagen und Finissagen, über konkrete Werke oder Künstler, gaben ihren Senf und Ketchup dazu oder beschrieben lediglich die Stimmung jenes Events. Dennoch sprengt die umfangreiche Oltner Kunstsammlung (vom 18. Jahrhundert bis Gegenwart), die das Kunstmuseum beherbergt, den Ausstellungsrahmen. Vieles bleibt verborgen oder kann nicht permanent gezeigt werden.

Kunst wird oft auch unterschätzt. In ihrer Fülle und Kostbarkeit nicht richtig erkannt. Zwar sei Kunst nicht das Brot, wohl aber der Wein des Lebens, wie Schriftsteller Jean Paul zu sagen pflegte.

«Dies müssten sich vor allem jene merken, die meinen, Kunst könne weggespart werden, wenn sich das Staatswesen auf seine Kernaufgaben konzentrieren müsse», sagte Beat Nützi, Chefredaktor des Oltner Tagblatts und Mitwirkender im Buch («Elefant mit Tänzerin» von Cäsar Spiegel), zu Beginn des Abends. Damit stellte Nützi klar, dass sich das OT auch künftig für Kunst und Kultur starkmachen werde, für institutionelle Einrichtungen wie das Kunstmuseum Olten ebenso wie für Dorf- bzw. Vereinskultur.

Gerade deshalb wandten sich die Kuratorinnen des Kunstmuseums, Dorothee Messmer und Katja Herlach, in Zeiten der Not, als dem Kunstmuseum die Schliessung drohte, an die Regionalzeitung. Messmer und Herlach hatten die Idee, jene wertvolle, städtische Kollektion – auch als «Schatz der Oltner Bevölkerung» betitelt – auf besondere Art und Weise, Stück für Stück mittels Printemedien ans Tageslicht zu bringen.

Sie wollten für die Kunst und Kultur in Olten kämpfen, sie wollten die Seele der Stadt retten. Denn: «Kunst und Kultur sind die Seele der Gesellschaft», so Nützi.

52 individuelle Sichtweisen

Ein Jahr lang erschienen jeden Sonntag Texte von Autorinnen und Autoren, die über ihre persönlichen Lieblingsbilder aus der Sammlung schrieben. Das Museum wählte aus, wer die Ehre hat, Eingang in die Sonntagspresse zu finden. Dabei entstand ein breites Spektrum an Schreibenden, die allesamt verschiedenste Vorlieben und Erfahrungen zur Kunst mitbringen. Während die einen eher auf Details und Zusammenhänge achteten, liessen sich die anderen durch Farben und Formen leiten.

Auch ein Mix durch sämtliche Generationen und Berufe ist vorhanden. Die jüngste der Autorinnen, Eos Archiresi, ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ihres Textes zum Bild «Sommerlandschaft» von Cuno Amiet sieben Jahre alt. An der Vernissage vor zwei Tagen steht Archiresi mit dem Mikrofon nicht vor, sondern neben dem Stehtisch, damit sie jeder sehen kann: «Wenn das mein Bild wäre, würde ich es in meinem Zimmer aufhängen.» Und was kann ein Künstler mehr wollen, als sein Bild an der Wand von jemandes Schlafraum zu wissen, einem sehr privaten Ort, wo sehr wahrscheinlich wirklich nur Dinge aufgehängt werden, die man mag.

Gelungener Vernissage-Abend

Nebst dem Kunstbericht der Jüngsten wurden an der Buchvernissage sechs weitere Texte vorgestellt und dazu die entsprechenden Bildwerke gross an die Wand projiziert. Ebenso richteten sich Peter Gomm, Regierungsrat und selbst Verfasser eines Textes im Buch («Figur» von Schang Hutter), Nützi und Markus Zuber, Vereinspräsident «Freunde Kunstmuseum Olten», mit Grussworten an das grössere Publikum. Offenbar waren viele der Einladung der Kuratorinnen gefolgt. Gomm gratulierte zur Idee und zum Resultat: «Es macht sich ganz gut als Geschenk und Hinweis für Auswärtige, dass es in Olten wunderbare kulturelle Einrichtungen gibt.»

Im Stile einer Agenda

Das Buch entstand in engster Zusammenarbeit zwischen Herlach und der Oltner Grafikerin Marie-Louise Felber. Herlach fragte sie Anfang November an: «Wir haben schon vorher viele kurzfristige Projekte durchgeführt. Mit ihr ist es immer eine gute Zusammenarbeit.» An eine Agenda erinnerten sie die Wochenzahlen, die jede Sonntagsausgabe begleiteten. Also entschieden sie sich, mit Nummern und Namen zu spielen und auf Seitenzahlen zu verzichten. «52 Lieblings – was? Um zu erfahren was der Titel genau aussagen will, muss man den Buchdeckel öffnen», erklärt Herlach mit einem zufriedenen Lächeln.