Sandra Näf-Frei, bereits hat es hier im Stadttheater wieder Bücher so weit das Auge reicht. Was löst dieser Anblick in Ihnen aus?

Sandra Näf-Frei: Wohlwollen. Man sieht hier, dass sich die ganze Arbeit übers Jahr zu einem Mosaik zusammensetzt. Das ist ein gutes Gefühl.

Was erhoffen Sie sich denn von der der siebten Buchmesse Olten, die morgen Donnerstag beginnt?

Einerseits erhoffe ich mir, dass das Publikum zufrieden sein wird mit dem angebotenen Programm. Wir haben Programmpunkte für Erwachsene, aber auch für Kinder und Jugendliche. Für die Branche erhoffe ich mir, dass wir doch noch etwas mehr wahrgenommen werden, schliesslich sind wir mittlerweile die grösste Buchmesse in der deutschsprachigen Schweiz - und das mit einer Kontinuität, die andere Messen nicht haben.

In welchem Sinn meinen Sie «besser wahrgenommen»?

Ich wünsche mir, dass man innerhalb der Branche besser wahrnimmt, dass hier in Olten eine Buchmesse stattfindet, die nicht nur das Fachpublikum anspricht, sondern ein breites Publikum, das sich gerne mit Büchern umgibt und sich davon inspirieren lässt.

Welche Auswirkungen hat die Absage der Buch Basel auf die Buchmesse Olten?

Wir wurden regelrecht überrannt mit Anfragen von teils sehr grossen Verlagen. Wir mussten ihnen mitteilen, dass wir in diesem Jahr einfach keine Kapazität dafür haben, ihnen Platz zu bieten. Wir müssen uns auf jeden Fall Gedanken machen, wie wir diesbezüglich künftig weitermachen werden.

Im Gegensatz zur Buch Basel, die aus finanziellen Gründen ihre Segel streichen musste, kann sich die Buchmesse Olten halten. Welches Erfolgsgeheimnis steckt dahinter?

Einerseits sind bei uns Macher und Macherinnen am Werk, die mit Herzblut mit dabei sind. Andererseits sind wir von Anfang an mit einem bescheidenen Budget gefahren. So sind wir, anders als die Buch Basel, nie Gefahr gelaufen, rote Zahlen zu schreiben. Zudem herrscht in unseren Räumlichkeiten im Stadttheater eine andere Atmosphäre als in einer grossen Halle. Das sind meiner Meinung nach die drei Erfolgsfaktoren.

Ist das Budget der Buchmesse Olten seit den Anfängen gewachsen?

Mit der Buchmesse Olten lässt sich kein Geld verdienen. Wir werden vom Kanton und der Stadt Olten seit der Premiere im Jahr 2006 unterstützt. Und wir haben mit der Baloise Bank SoBa seit Beginn einen treuen Sponsor.

Sie verbringen während der Messetage viel Zeit im Stadttheater. Begegnen Sie vielen Menschen?

Ja. Auf das freue ich mich jeweils auch sehr. Viele Leute sehe ich hier wieder einmal, beispielsweise Denise Loretan. Mit ihr habe ich früher zusammengearbeitet. Sie kommt in jedem Jahr hierher und macht die Kasse. Die Buchmesse ist überhaupt ein Treffpunkt für Menschen aus der Umgebung von Olten.

Haben Sie an der Buchmesse auch schon Bücher entdeckt?

Ja. Bei mir und meinem Sohn ist es mittlerweile fast zum Ritual geworden, dass wir uns in jedem Jahr zwei oder drei Bilderbücher kaufen - wobei er eigentlich nicht mehr im Bilderbuchalter ist. Wir haben einfach Freude daran und auch einige Entdeckungen gemacht.

Ist Ihnen eine besonders in Erinnerung geblieben?

Titel! Es geht darin um ein dickes Mädchen namens Wanda, das überall zu langsam ist. Einzig im Schwimmunterricht schwimmt sie allen davon. Das Buch zeigt auf, dass das Äussere keine Rolle spielt, sondern man einfach das machen soll, was man gerne macht - denn dann wird man auch gut darin.

Ihr Alltag dreht sich um Bücher. Lesen Sie selber noch welche?

Eher in der Ferienzeit. Vor wenigen Wochen war ich in einer grossen Buchhandlung in Deutschland und habe mich verführen lassen, einige Bücher zu kaufen. Aber ich muss gestehen: Im Moment komme ich gar nicht dazu, sie zu lesen. Die Bücher sind noch eingepackt.

Aber die Leidenschaft für Bücher ...

... die ist noch da. Auf jeden Fall. Aber ich habe manchmal einfach nicht die Zeit, diese so auszuleben, wie ich gerne möchte.

Wann hat diese Leidenschaft begonnen?

Als ich lesen gelernt habe. Ich habe immer sehr gerne gelesen. Wenn wir unterwegs waren, habe ich beispielsweise jede Aufschrift an Schildern am Wegesrand gelesen. Für mich war es das höchste der Gefühle, wenn ich zu Weihnachten ein Buch geschenkt bekam. Ich habe auch viele Bücher aus der Bibliothek ausgeliehen - und dabei kam es einmal zum Eklat. Als eine Aktion war, bei der man mehr Bücher als normal ausleihen durfte, habe ich dies ausgenützt und einige Bücher eingepackt. Nach zwei Tagen habe ich sie zurückgebracht. Dabei wurde mir gesagt, dass ich keine Bücher mehr ausleihen könne. Denn es gehe nicht, dass man einfach Bücher mitnehme und nach zwei Tagen wieder bringe. Ich habe geantwortet, dass ich sie gelesen habe. Das wurde mir aber nicht recht geglaubt. Am Ende musste mein Vater kommen, um das zu bestätigen.